16:03 BAUBRANCHE

Alpiq verkauft Industriegschäft und sichert Zukunft

Teaserbild-Quelle: Blackline, Pixabay, gemeinfrei

Alpiq trennt sich vom Industriegeschäft und wird damit wieder zum reinen Stromkonzern. Vom Verkauf sind 7650 Mitarbeiter betroffen, davon 4420 in der Schweiz. Alpiq sieht im Verkauf, der 850 Millionen Franken in die Kasse spült, nur Vorteile.

Strommast von untern.

Quelle: Blackline, Pixabay, gemeinfrei

Mit dem Verkauf des Industriegeschäfts findet Alpiq wieder zurück zu seinen Wurzeln.

Die Transaktion sei für das Unternehmen sehr wichtig, erklärte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin vor den Medien in Olten SO. Diese schaffe einen Mehrwert. Laut Staiblin gibt es auf beiden Seiten eine „sehr wichtige Win-Win-Situation“. Und das Geschäft biete auch für Alpiq „neue Zukunftsperspektiven“. Weiter meinte Staiblin, dass man mit dem Verkauf den betroffenen Mitarbeitenden eine industrielle Hand als Eigentümerin gibt. Man übergebe dieses Geschäft einer Firma, die aus ihm das mache, was der Alpiq leider nicht möglich sei. „Alpiq ist nicht mehr in der Lage, dieses Geschäft weiter zu entwickeln“, Staiblin. „Wir haben die finanziellen Mittel nicht.“ Als Gründe wurden die tiefen Preise für die Schweizer Stromproduktion und die tiefen Grosshandelspreise genannt.

Wie die Alpiq-Chefin weiter erklärte, besteht das Risiko, dass die Marktführerschaft verloren gehen könnte. So hätte man potentiell Wert vernichtet. Man habe das Geschäft mit Überzeugung aufgebaut und in ganz vielen Bereichen die Nummer-Eins-Position erreicht. Das Geschäft biete Wachstumschancen. Laut Staiblin hat es verschiedene Interessenten gegeben,. Einzelheiten nannte sie allerdings nicht. Die Investoren hätten eine Mehrheitsbeteiligung und damit die Kontrolle gewollt.

Neue Nummer eins in der Gebäudetechnik

An den französischen Bauriesen Bouygues werden für 850 Millionen Franken die Gebäudetechnik-Tochter Alpiq Intec und die deutsche Kraftanlagen Gruppe verkauft. Der Verkauf soll in der zweiten Hälfte 2018 vollzogen werden.Gemäss „SonntagsZeitung“ steigt der französische Bauriese damit in der Schweiz zur Nummer Eins in der Gebäudetechnik auf. Verkauft werden die Dienstleistungen in der Gebäudetechnik und im Gebäudemanagement, der Geschäftsbereich „Technology & Design“, sowie Teile des Geschäftsbereichs „Industrial Engineering2.

Mit der Abspaltung des Industriegeschäfts kehrt die vor zehn Jahren gegründete Alpiq wieder ihren den eigenen Wurzeln zurück: zum Kerngeschäft mit der Stromproduktion in der Schweiz und zu den internationalen Aktivitäten. Diese umfassen den Kraftwerkspark, die erneuerbaren Energien sowie den Energiehandel. Damit beendet Alpiq seine Strategie der letzten Jahre, mit der forciert in neue Geschäftsfelder expandiert worden war. Bereits vor zwei Jahren hatte sich der Energiekonzern nach Millionenverlusten damit beschäftigt, einen Teil seines Wasserkraftportfolios zu verkaufen. Dieser Plan war Mitte 2017 jedoch auf Eis gelegt worden: Der Konzern konnte nach eigenen Angaben keine Käufer finden, die auch die Risiken mittragen wollten. Zurzeit laufen gemäss Staiblin keine Gespräch mit Investoren.

Hoffnung auf steigende Strompreise?

Damit setzt Alpiq auf die Hoffnung, dass künftig die Strompreise steigen werden. Dies angesichts politischer Initiativen, den Co2-Ausstoss zu verringern, aus der Atomenergie auszusteigen und Kohlekraftwerke abzuschalten sowie der Aussicht, dass künftig Autos vermehrt mit Strom betrieben werden sollen.

Der Alpiq-Geschäftsbericht 2017 weist bereits aus, was der Verkauf zahlenmässig bedeutet: Die 8795 Mitarbeiter schrumpfen per Ende 2017 auf 1504. Der Nettoumsatz vor Sondereinflüssen geht, gemessen am Geschäftsjahr 2017, um 23 Prozent auf 5,5 Milliarden Franken zurück.

Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA vor Sondereinflüssen reduziert sich um 19 Prozent auf 245 Millionen Franken. Der Ebit vor Sondereinflüssen schrumpft um 29 Prozent auf noch 81 Millionen Franken. Zudem führt der Verkauf gemäss Finanzchef Thomas Bucher zur Entschuldung: Mit den zufliessenden Mitteln werde die Alpiq Gruppe netto schuldenfrei sein.

Im Geschäftsjahr 2017 hat Alpiq den Umsatz wegen höherer Transaktionsvolumina im Handels- und Absatzgeschäft von 6,1 Milliarden auf 7,2 Milliarden Franken gesteigert. Unter dem Strich blieb gemäss Rechnungslegungsstandard IFRS ein Verlust von 84 Millionen Franken, gegenüber einem Gewinn von 294 Millionen Franken im Vorjahr. Ohne Sondereinflüsse betrug der Verlust 33 Millionen Franken (Vorjahr: +115 Millionen Franken). (sda/mai)

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