08:02 VERSCHIEDENES

Verschollene Schwanenburg im Münsterland (D) gefunden

Teaserbild-Quelle: Dirk Frerichmann, wikimedia CC BY-SA 3.0 de

Lange war der Standort der geheimnisvollen Schwanenburg im Münsterland (D) ein Mysterium, seit der Bau im Mittelalter komplett zerstört wurde. Nun haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die Burg scheinbar gefunden.

Standort der Schwanenburg im Münsterland

Quelle: LWL-Archäologie/J. Coolen

Hier blickte die Schwanenburg wohl einst auf die Ems hinaus.

Sie dürfte nur etwa 100 Jahre lang bestanden haben, ehe sie im Jahr 1343 in einer Fehde mit dem Münsteraner Bischof Ludwig von Hessen und den Grafen von der Mark zerstört wurde: Die Schwanenburg der Edelherren von Steinfurt, die irgendwo im Naturschutzgebiet Emsauen nahe Rheine-Elte gelegen haben soll. Der genaue Standort geriet laut LWL-Archäologe Joris Coolen in Vergessenheit. In den letzten Jahrzehnten hätten sich aber diverse Heimatforscher und Denkmalschützer um die Lokalisierung bemüht.

Auffällige Erhebungen in Geländemodell

Den Anstoss für die erneute Suche nach dem Verbleib der Schwanenburg habe der Heimatforscher Andreas Brinker gegeben, der sich seit längerem mit verschwundenen Burganlagen im Kreis Steinfurt befasst. Denn Brinker entdeckte im digitalen Geländemodell des Landes Nordrhein-Westfalen verschiedene auffällige Erhebungen und Senken, die er mit der lange gesuchten Burg in Verbindung brachte. Daraufhin legte er seine Befunde der LWL-Archäologie vor, die daraufhin entschieden, das Gebiet mit modernen Messgeräten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Magnometer

Quelle: LWL-Archäologie/J. Coolen

Ein LWL-Archäologen befährt die Fläche mit einem Magnetometer, angehängt an ein Quad.

Magnetische Störung als Burggraben identifiziert 

Zwar seien im Bereich der nun lokalisierten Burg 2002 vom Institut für Geophysik der Universität Münster bereits magnetische Messungen durchgeführt worden, damals hätten die Daten aber nicht genau gedeutet werden können, heisst es in einer Mitteilung des LWL. «Mit der heutigen Technik arbeiten wir sehr viel schneller und können somit grosse Flächen in nur kurzer Zeit untersuchen», so Coolen. 

Genau dies hat den Ausschlag für die Entdeckung gegeben. Denn das Team untersuchte auch einen grösseren Bereich rund um die vermutete Burganlage und konnte die magnetische Störung so als mittelalterlichen Burggraben identifizieren. Die Schwanenburg liegt laut den Archäologen nun südlich der Bundesstrasse 475 nahe bei den Höfen Willer und Strotmann bei Rheine im Kreis Steinfurt im Erdreich verborgen.

Die Burgstelle war im Norden von einem ehemaligen Flussarm (Altarm) der Ems umgeben. Südlich der Anlage war ein weiterer Altarm, so dass die Burg eine natürliche Insellage am Nordrand der Emsniederung aufweist. Vom Norden her war sie über trockene Bereiche gut zu erreichen. Einige dieser Flussarme wurden in der Neuzeit zu Teichen erweitert, so dass Bereiche des einstigen Wassergrabens zerstört sein dürften, erklärt Ingo Pfeffer, wissenschaftlicher Referent der LWL-Archäologie.

Magnetik-Bild

Quelle: LWL-Archäologie/J. Coolen

Das Magnetik-Bild zeigt im grau gefärbten Bereich deutlich die Gräben der einstigen Niederungsburg.

Aussehen der Schwanenburg unbekannt

«Anhand der Magnetikdaten lässt sich der Durchmesser der Anlage inklusive der Gräben auf etwa 100 Meter schätzen. Die Innenfläche hat einen Durchmesser von zirka 60 Metern – damit gehörte die Schwanenburg wohl zu den grösseren Niederungsburgen des Münsterlandes», ordnet Coolen ein. Mit der Lokalisierung sei die Diskussion um den Standort der Schwanenburg nun zwar beendet. Es würden aber noch viele Fragen offen bleiben.

Denn anhand der Messdaten lassen sich gemäss Mitteilung etwa kaum Aussagen zum genaueren Aussehen der Burg treffen. Dazu müsste man laut Pfeffer wohl Ausgrabungen durchführen. Diese seien aber erstmal nicht geplant. «Es wäre sicherlich spannend. Aber eine Ausgrabung kostet viel Zeit und Geld, und sie ist immer einmalig.» So lange die Befunde im Boden aber gut geschützt sind, lasse man lieber die Finger davon. Auch, weil sich die Burganlage in einem Naturschutzgebiet befindet. (mgt/pb)

Zur Mitteilung des LWL: www.lwl.org

Wasserburg Vischering bei Lüdinghausen

Quelle: Dirk Frerichmann, wikimedia CC BY-SA 3.0 de

Das Münsterland im nordwestlichen Westfalen ist bekannt für seine zahlreichen Burgen und Wasserschlösser. Als eine der ältesten aber auch eine der besterhaltenen Anlagen gilt die Wasserburg Vischering bei Lüdinghausen, ihre Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Sie entstand somit rund ein Jahrhundert vor der Schwanenburg.

Auch interessant

Anzeige

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.