12:10 VERSCHIEDENES

Unwetterschäden: Am meisten Hagel und Blitz im Tessin

Teaserbild-Quelle: ERZ, eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

In den letzten zehn Jahren war das Tessin besonders stark von Hagel- und Blitzschäden betroffen, während es im Kanton Schwyz pro versichertem Haushalt die meisten Überschwemmungsschäden gab. Das zeigen neuste Zahlen der Schadensversicherung AXA. Für das laufende Jahr zeichnen sie für die Schweiz ein durchschnittliches Bild: Im ersten Halbjahr rangierte die Zahl der Unwetterschäden etwa im langjährigen Mittel.

Hagelkorn mit Ablagerungsschichten

Quelle: ERZ, eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

Der Kern eines grossen Hagelkornes, mit deutlich erkennbaren Anlagerungsschichten.

Insgesamt verzeichnete die AXA im ersten Halbjahr rund 11'000 Unwetterschäden, wie die Versicherung mitteilt. Diese Zahl liegt etwa im langjährigen Mittel fürs erste Halbjahr. «Die Unwettersaison begann dieses Jahr relativ spät, der Mai blieb ruhig. Einschneidend war der Hagelsturm vom 9. Juni im Tessin, der für einen Grossteil der Kosten verantwortlich ist», wird Michael Villiger, Leiter Schaden Motorfahrzeugversicherungen bei der AXA, im Communiqué zitiert.

Die Unwettersaison ist allerdings noch nicht beendet. In der Regel dauert sie bis September und kann den Schadenaufwand somit weiter beeinflussen. So brachte die vierte Hitzewelle des Jahres nicht nur hohe Temperaturen, sondern liess auch das Gewitterrisiko in verschiedenen Teilen der Schweiz ansteigen. «Aus dem Kanton Bern wurden uns bereits einzelne Sturmschäden gemeldet», so Stefan Müller, Leiter Schaden Sachversicherungen bei der AXA.

Klimaveränderungen «nur bedingt sichtbar» in den Statistiken der Axa

Meteo- und Schadenstatistiken stehen nicht immer in einer direkten Wechselbeziehung: Dasselbe Unwetter kann – je nachdem, wie stark ein Gebiet besiedelt ist – weniger oder mehr Schäden anrichten. Auch Präventionsmassnahmen beeinflussen das Schadenausmass. «Klimaveränderungen sind damit nur bedingt sichtbar in unseren Statistiken», so Müller. Man stelle jedoch anhand der Schadenbilder fest, dass Unwetter in den letzten Jahren kurzfristiger aufgetreten seien als früher und ihre Intensität deutlich zugenommen habe. «Extrem kräftige Windböen, mehr Starkregen, öfters grosse Hagelkörner – und das alles teilweise lokal und kleinräumig», führt Müller aus.

Nicht alle Regionen sind demselben Risiko ausgesetzt. Wie die Schadenstatistik der AXA zeigt, machen Hagelschäden an Autos sowohl bei der Anzahl der Fälle als auch beim Kostenaufwand den grössten Teil der Unwetterschäden aus.

Besonders betroffen waren in den letzten zehn Jahren die Kantone Tessin, Jura und Neuenburg, aber auch Bern und Nidwalden. Michael Villiger präzisiert: «Insbesondere grössere Hagelereignisse, welche in kurzer Zeit sehr viele Autos beschädigen, können ein wesentlicher Treiber der Schadenbilanz sein.» Kaum Hagelschäden gab es laut der Versicherung hingegen in den Kantonen Genf, Thurgau und Schaffhausen.

Häufige Überschwemmungen in Schwyz, häufige Blitzschläge im Tessin

Bei der Statistik zu Überschwemmungsschäden stechen jeweils einzelne Ereignisse besonders hervor. Pro versichertem Haushalt gab es in den letzten zehn Jahren am meisten derartige Schäden im Kanton Schwyz, gefolgt von den Kantonen Solothurn, Luzern, Schaffhausen und Aargau. Derweil blieben die Kantone Nidwalden, Waadt, Basel-Land, Uri und Graubünden in den letzten zehn Jahren von Überschwemmungen mehrheitlich verschont. «Gerade im Bereich der Überschwemmungen hat Prävention einen grossen Einfluss», merkt Müller dazu an. Hochwasser-Entlastungsstollen, Rückhaltebecken, Dammerhöhungen oder die nationale Hochwasser-Gefahrenkarte machten sich bezahlt.

Bei den Schäden durch Blitzschlag führt das Tessin die Statistik mit deutlichem Abstand an: Hier war in den letzten zehn Jahren das Risiko für Schäden durch Blitzschlag achtmal grösser als im Rest der Schweiz. Die AXA beobachtet in diesem Kanton alljährlich mehrere hundert Schäden. Gegenüber den Kantonen Basel-Land, Waadt und Genf war das Risiko über 20-mal höher. Der Grund sei nachvollziehbar, heisst es dazu in der Medienmitteilung. Wenn feuchtwarme Mittelmeerluft an die Alpenkette gedrückt werde, entstünden Gewitterwolken mit starken Auf- und Abwinden und hoher elektrischer Spannung, die sich wiederum in Blitzen entlade. (mai/mgt)

Unwetterschäden der letzten 30 Jahre und ihre Kosten

In den letzten dreissig Jahren betrugen die Unwetterschadenkosten der AXA für Schäden an Fahrzeugen, Gebäuden, Hausrat und Einrichtung jährlich im Schnitt rund 115 Millionen Franken.

Anzahl und Ausmass von Unwetterschäden sind jedoch von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich: So war 2025 ein unterdurchschnittliches Unwetterjahr – die AXA verzeichnete Schäden von 72 Millionen Franken, was in etwa dem Wert von 2019 (73 Mio.) entspricht. Unterdurchschnittlich war auch 2020 (61 Mio.).

Hingegen war 2022 mit 142 Mio. Franken überdurchschnittlich, ebenso 2024 mit 130 Mio. Franken. Noch höher fiel das Schadenausmass 2021 mit 291 Mio. Franken und 2023 mit 240 Mio. Franken aus.

Stefan Müller, Leiter Schaden Sachversicherungen, dazu: «Die Unterschiede sind sehr gross und beeinflussen unsere Schadenbilanz massiv. Doch das Unwetterrisiko gehört mit seiner zeitlichen und geografischen Volatilität zu unserem Kerngeschäft und ist in unserer langfristigen Planung einkalkuliert.» (mgt/mai)

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