Knonaueramt war zur Römerzeit dichter besiedelt als angenommen
Der Südwesten des Kantons Zürich war zur Römerzeit dichter besiedelt als bisher angenommen: 90 ausgewertete Fundstellen zeigen gemäss einer neuen Publikation der Kantonsarchäologie ein dichtes Netz von Gutshöfen im Knonaueramt.
Quelle: S. Vogt, Kantonsarchäologie Zürich
Luftaufnahme der Fundstelle Heidenkirche bei Wettswil. In der Bildmitte das Ausgrabungsgelände auf dem Heidenchilen-Plateau. Im Bereich des Einfamilienhausquartiers liegen bereits im 19. Jh. erwähnte römische Gebäude.
Bisher sei man in der Forschung davon ausgegangen, dass der Südwesten des Kantons Zürich zur römischen Zeit ein eher dünn besiedeltes Gebiet war. Wie die Zürcher Baudirektion am Dienstag mitteilte, muss diese Annahme revidiert werden: Zu diesem Schluss kommt der Archäologe Daniel Käch in einer neuen Publikation der Kantonsarchäologie.
In der Publikation werden 90 ausgewertete Fundstellen aufgeführt – mitsamt Informationen zur Forschungsgeschichte, einer Besprechung der Funde und Befunde, Angaben zur vorhandenen Literatur sowie einer Beurteilung der Fundstelle. Auch chemisch-mineralogische Untersuchungen und sprachwissenschaftliche Analysen zu Flurnamen flossen gemäss Mitteilung in die Studie ein.
Grundlage für künftige Forschung
Die Auswertungen legen nahe, dass das Gebiet rund um Obfelden-Lunnern bereits früher besiedelt war als bislang angenommen. Auch der in Fachkreisen kontroversen Frage, ob das Untersuchungsgebiet zum Hinterland des Legionslagers Vindonissa gehörte, geht die Publikation nach: Käch kommt zum Schluss, dass das erweiterte Umland von Obfelden-Lunnern zur Versorgung des Legionslagers herangezogen worden sein dürfte.
Mit der neuen Publikation sei ein differenziertes Bild der historischen Siedlungsentwicklung entstanden, schreibt die Baudirektion. Das Resultat davon sei nun eine umfangreiche Wissens- und Materialsammlung, die für zukünftige Forschungstätigkeiten eine gehaltvolle und verlässliche Grundlage bereitstelle. (mgt/pb)
Publikation
Das Umland des Vicus von Obfelden-Lunnern
Der Südwesten des Kantons Zürich in römischer Zeit Monographien
der Kantonsarchäologie Zürich 60 (Zürich/Basel 2026)
Autor: Daniel Käch
256 Seiten, 70 Abbildungen, 10 Tafeln
Preis Fr. 70.–, Sonderpreis bis 13. Januar 2027. Fr. 52.–
Open Access: https://doi.org/10.20384/zop-6305
Quelle: M. Bachmann, Kantonsarchäologie Zürich
Frührömische Keramik von der Fundstelle Aeugst-Brunnenstube.
Quelle: M. Gygax, Kantonsarchäologie Zürich
Fragment eines Leistenziegels mit eingeritzter Inschrift. Zu lesen sind die Namen Victor, Paridianus und Erymus.
Quelle: S. Vogt, Kantonsarchäologie Zürich
Ein Teil des umfassenden Untersuchungsgebiets aus der Vogelperspektive. Im Vordergrund die Gemeinde Rifferswil, Blick Richtung Kappel und Kantongrenze zu Zug.