11:07 VERSCHIEDENES

Schweizweite Testpflanzungen für zukunftsfähige Baumarten

Teaserbild-Quelle: zvg

Die Standortbedingungen für Waldbewirtschafter werden sich in den nächsten Jahrzehnten stark verändern. In den nächsten 30 Jahren werden darum in einem schweizweiten Projekt insgesamt 57 Testpflanzungen untersucht, um zukunftsfähige Baumarten zu ermitteln.

Sturmschadenfläche von Vaia oberhalb von Bergün

Quelle: zvg

Die geräumte Sturmschadenfläche von Vaia oberhalb von Bergün auf rund 1850 m ü. M. eignet sich optimal für die Einrichtung einer Testpflanzung. Der grosse Wildschutzzaun wurde bereits vorbereitet, die Pflanzungen folgen ab Herbst 2020.

Der Klimawandel stellt Waldbewirtschafter vor grosse Herausforderungen, da sich die Standortbedingungen im Laufe der Jahrzehnte stark verändern werden. Um herauszufinden, welche Baumarten an welchen Standorten die Waldfunktionen auch unter veränderten Bedingungen nachhaltig erfüllen können, werden in den nächsten 30 Jahren Testpflanzungen untersucht.

Pflanzung tausender Jungbäume

Das Projekt wird vom Amt für Wald und Naturgefahren in Graubünden gemeinsam mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) durchgeführt. In den kommenden Jahren werden hierfür mehrere Tausend Jungbäume gepflanzt und deren Wachstum durch die WSL mitverfolgt und untersucht.

Die Resultate könnten so in die Baumartenempfehlungen im Hinblick auf den Klimawandel einfliessen, wie das Bündner Amt für Wald und Naturgefahren am Dienstag mitteilt. Für die ersten fünf Jahre wird mit Kosten von 300‘000 Franken gerechnet. Darin enthalten sind vorbereitende Arbeiten, die Erstellung von Wildschutzzäunen sowie ein regelmässiger Unterhalt. Die Kosten übernehmen vollumfänglich Bund und Kanton, die Jungpflanzen werden von der WSL zur Verfügung gestellt.

Genetische Auswahl

Das Nachwachsen junger Bäume in den Wäldern finde heute mehrheitlich auf natürliche Weise durch sogenannte Naturverjüngung statt, wie das Amt weiter mitteilt. Über die Jahrhunderte findet dadurch eine genetische Auswahl statt, da sich immer nur die Individuen durchsetzen, die sich den Umweltbedingungen am besten anpassen.

Dadurch können unterschiedliche Bäume derselben Baumart auch unterschiedliche Fähigkeiten aufweisen. Eine Traubeneiche aus der Nordtürkei ertrage beispielsweise einen trockenen und heissen Sommer mit deutlich weniger Problemen, als eine Traubeneiche aus dem Churer Rheinthal, die in ihrem Leben genügend Niederschlag während der Sommermonate gewohnt war.

Gruppe von jungen Bergahornen

Quelle: zvg

Einzelne Pflanzungen sind versuchsweise bereits erfolgt. Im Bild: Eine Gruppe von jungen Bergahornen.

Radikaler Wechsel

Während sich die Standortbedingungen für Waldbäume in einigen Gebieten nur marginal verändern, zeichnen sich in anderen Gebieten aufgrund von verändernden Temperaturen und Niederschlägen radikale Wechsel in der Baumartenzusammensetzung der Wälder ab. So wisse man heute zwar viel über die Verbreitung einheimischer Baumarten, nicht aber über ihre Toleranz gegenüber schnellen klimatischen Veränderungen.

Es zeichne sich ab, dass viele Baumarten ihr heutiges Verbreitungsgebiet künftig nicht mehr besiedeln können, dafür aber neue Gebiete einnehmen werden.Das müssen gemäss Mitteilung aber nicht immer andere Baumarten sein, denn auch die einheimischen Baumarten in der Schweiz verfügen über ein grosses Anpassungs-Potenzial. Dort, wo dieses Potenzial in den vergangenen Jahrhunderten verloren gegangen ist, könne mit Ergänzungspflanzungen dieser Baumarten aus anderen Regionen Europas nachgeholfen werden.

Acht Flächen in Graubünden

Weil dazu heute noch zu wenig bekannt ist, entstehen in einem schweizweiten Projekt in den Jahren 2020 bis 2022 insgesamt 57 Testpflanzungen, in welchen 18 verschiedene Baumarten angepflanzt und ihr Wuchsverhalten an heute teilweise noch unbesiedelten Standorten untersucht werden.

Dabei würden sowohl 13 einheimische Baumarten als auch fünf sogenannte Gastbaumarten gepflanzt. Im Kanton Graubünden werden für das Projekt acht Flächen eingerichtet und untersucht. Diese wurden aus 20 von den Revierförstern vorgeschlagenen Flächen ausgewählt und befinden sich in den Gemeinden Albula/Alvra (Tgavrouls), Bergün Filisur (God dla Spena), Bregaglia (Dre Mota), Maienfeld (Fuchsenwinkel), Safiental (Brand Gampel), Samedan (Plaun God), Val Müstair (Calcuoir) und Valsot (Vadrain). (mgt/pb)

Weitere Informationen der WSL sind auf der Projekt-Webseite verfügbar: https://www.wsl.ch/de/projekte/testpflanzungen.html

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