08:51 VERSCHIEDENES

Interview mit Rahel Kindermann Leuthard: «Der Blick geht in alle Himmelsrichtungen»

Geschrieben von: Claudia Porchet (cet)
Teaserbild-Quelle: zvg

Die FRZ Flughafenregion Zürich – Wirtschaftsnetzwerk & Standortentwicklung – zeigt sich in Bestform. Im Fokus stehen High Performance, interdisziplinäres Denken und der Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Ein Gespräch mit der Geschäftsführerin Rahel Kindermann Leuthard über Erfolgsfaktoren und Zukunftsthemen.

Fassaden am Circle

Quelle: Ricardo Gomez Angel, Unsplash


Was hat Sie in den vergangenen Monaten  besonders gefreut?

Wir verzeichnen steigende Mitglieder- und Umsatzzahlen – ein deutliches Zeichen dafür, dass unser Angebot den Nerv der Wirtschaft trifft. Besonders gefreut hat mich jedoch die rekordhohe Mitgliederzufriedenheit: In unserer jüngsten Befragung, an der rund 400 Personen teilgenommen haben, zeigten sich 95 Prozent mit dem Angebot zufrieden bis sehr zufrieden. Fast die Hälfte der Befragten war sehr zufrieden, 16 Prozent vollkommen zufrieden. Die Weiterempfehlungsrate liegt auf einem Rekordhoch von 98 Prozent. Für 80 Prozent unserer Mitglieder ist die FRZ die klare erste Wahl unter den Netzwerken. Das ist ein enormer Vertrauensbeweis – und gleichzeitig eine Verpflichtung, dieses Niveau zu halten und weiter auszubauen.

Das Motto der Flughafenregion Zürich lautet dieses Jahr «Vom Talent zum Champion». Wo sehen Sie Parallelen zwischen Wirtschaft und Spitzensport? 

Diese Parallelen sind uns tatsächlich sehr wichtig, und wir leben sie aktiv. Bei unseren Leadership Events nehmen wir immer wieder Bezug auf die Arenen des Sports – gerade auch in der intensiven Zusammenarbeit mit unserem Mitglied Weltklasse Zürich. Wir hatten das Privileg, Spitzensportlerinnen und -sportler an unseren Events zu begrüssen: Ditaji Kambundji, Weltmeisterin über 100 Meter Hürden, Belinda Bencic, die aktuell beste Tennisspielerin der Schweiz, und viele weitere herausragende Persönlichkeiten aus dem Spitzensport.

Was sind die wichtigsten Punkte?

Die ganz grossen Fragen, die Wirtschaft und Sport gleichermassen beschäftigen, sind: Wie erreicht man eine High Performance – und vor allem: Wie hält man sie dauerhaft aufrecht? Was ist im täglichen Training ent­scheidend? Und wie baut man mentale Stärke und Resilienz auf und verbessert diese kontinuierlich? Diese Themen sind im Management genauso relevant wie im Leistungssport. Der Weg vom Talent zum Champion ist nie ein Zufall – er erfordert Disziplin, Ausdauer, ein starkes Umfeld und die Be­reitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln. Genau das fördern wir in unserem Netzwerk.

Warum zählen für die FRZ vernetztes Denken und interdisziplinäres Vorgehen zu den matchentscheidenden «Future Skills», heute mehr denn je?

Vernetztes Denken und das Erkennen von Zusammenhängen sind im Management absolut zentral. Nur so können wir wirklich intelligent agieren – in einer Welt, die immer komplexer und schnelllebiger wird. Inter­disziplinarität ist ein wesentlicher Teil da­-von und kann gerade in unserem branchenübergreifenden Netzwerk konkret gelebt werden. 

Blick auf den Flughafen Zürich

Quelle: BugWarp, eigenes Werk, CC BY 4.0

Die Flughafenregion Zürich, «New Zurich», eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Schweiz.

Wo genau?

Besonders matchentscheidend ist interdisziplinäres Denken im Innovationsmanagement. Innovationen entstehen oft im Austausch und in der Analyse verschiedener Industrien. Wenn ICT-Spezialisten mit Immobilienentwicklern sprechen, wenn Logistiker auf Raumfahrtingenieure treffen, wenn Start-ups von erfahrenen CEOs lernen, wenn die MICE-Branche auf ICT trifft – dann ent­stehen neue Geschäftsideen und Lösungsansätze, die sonst nie möglich wären.

Hat die FRZ deshalb vor kurzem ein Mentoring-Programm gestartet?

Ja, wir möchten damit insbesondere auch jüngere Unternehmerinnen und Unternehmer ansprechen, die sich mit unseren Mentorinnen und Mentoren kostenlos vernetzen und sich von ihnen coachen lassen können. Seit diesem Jahr bieten wir übrigens im Rahmen unseres «FRZ NXTwork» auch Veranstaltungen für die nachkommende Generation in der FRZ an. Die FRZ Flughafenregion Zürich ist in diesem Sinne auch ein Inkubator für Innovationen, neue Geschäftsideen und Start-ups. Junge Unternehmen erhal­-ten bei uns Vergünstigungen und profitieren vom direkten Zugang zu über 850 etablierten Mitgliedsorganisationen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie eng sollen Gemeinden, Institutionen und Privatwirtschaft zusammenarbeiten?

Das ist ein Kernanliegen der FRZ. Gemäss unserem Purpose unterstützen wir Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik dabei, persönliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, um gemeinsam ihr Potenzial bestmöglich zu entfalten. Wir sind eine Plattform für Interaktion, setzen Impulse für Innovation und tragen damit zur Horizont- und Wissenserweiterung bei. Gleichzeitig stärken und positionieren wir die Flughafenregion Zürich als innovativen, dynamischen und führenden Wirtschaftsstandort.

Konkret?

Wir bieten an jedem unserer rund 50 jähr­lichen Events gezielte Austauschmöglich­keiten zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor an. Drei unserer Vorstandsmitglieder sind Stadtpräsidentinnen und Stadtpräsidenten bzw. Mitglied der Stadtverwaltung – das zeigt, wie kurz bei uns die Wege zwischen Wirtschaft und Politik sind. Unsere Fachbeiräte für ICT, Immobilien und Nachhaltigkeit bringen Expertinnen und Experten aus allen Sektoren zusammen, um branchenspezifische Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Und wir werden im Rahmen unserer Entwicklungsstrategie New Zurich schon sehr bald neue, konkrete Massnahmen vorstellen, die diese Zusammenarbeit noch weiter vertiefen. Mehr dazu erfährt man am ImmoSummit am 10. Juni 2026.

Was läuft im digitalen Bereich? 

Im digitalen Bereich sind wir sehr aktiv. Unser Fachbeirat ICT bringt mit regelmässigen Roundtables die relevanten Akteure zusammen. Die Flughafenregion Zürich ist einer der wichtigsten ICT-Standorte der Schweiz – nicht als klassischer Deep-Tech-Campus, sondern als pragmatischer Implementierungs-Hub, in dem Digitalisierung schnell und in grossem Massstab in markt­fähige Lösungen übersetzt wird.

Was ist das Herzstück? 

Im Zentrum steht zurzeit das Projekt ICT-Kreislaufwirtschaft, das wir gemeinsam mit Hewlett Packard Enterprise Switzerland in Wallisellen und Klein Computer System AG in Dübendorf umsetzen. Dabei geht es um sichere Hardware-Wiederverwendung, professionelle Datenlöschung und CO2-Tracking – ein Vorzeigeprojekt, das zeigt, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammengedacht werden können. Wir arbeiten bewusst mit dem Begriff «Nachhaltige ICT», weil er weiter greift als das gängige «Green IT». Darüber hinaus beschäftigen uns Zukunftsthemen wie Datensouveränität, vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz und die Verknüpfung von KI mit Robotik. Im «Reader New Zurich», einer Entwicklungsstrategie, die wir am 10. Juni vorstellen, ist die Digitalisierung eines der vier strategischen Schwerpunktthemen unserer Region.

Wie reagiert FRZ auf die demografischen Veränderungen, die steigende Regulierungsdichte und neue geopolitische Herausforderungen? 

Die Akteure unserer und anderer Regionen sollten vor allem dort aktiv werden, wo sie tatsächlich etwas bewegen können. Wir werden künftig die Standortentwicklung und das Standortmarketing weiter verstärken. Gerade mit unseren Medienpartnerschaften – wie beispielsweise mit dem Baublatt, den Sonderausgaben in der «Handelszeitung» und «Bilanz» sowie monatlichen Beiträgen für «Persönlich», das führende Magazin für Kommunikation und Werbung – machen wir in diesem Bereich bereits sehr viel. Doch wir sehen weiteres Potenzial, und der «Reader New Zurich» wird aufzeigen, wie wir dieses Potenzial systematisch heben wollen.

Wie sehen Sie die Abhängigkeit der Zürcher Wirtschaft vom EU-Raum?  

Die nähere und weitere Flughafenregion Zürich ist mit allen Regionen der Welt eng verbunden. Das bedeutet Chancen und Risiken zugleich – und genau hier kommt die Vernetzung zum Ausdruck, die unsere DNA ist. Symbolisch dafür steht unser grösstes Mitglied, die Flughafen Zürich AG. Der Flughafen verbindet heute über 60 Fluggesellschaften mit rund 200 Städten in 74 Ländern. Das «System Flughafen Zürich» umfasst über 300 Unternehmen mit rund 35 000 Mitarbeitenden und generiert eine jährliche Wertschöpfung von über sieben Milliarden Franken. Die Flughafenregion ist also per Definition international ausgerichtet – und das nicht nur in Richtung EU. Der Blick geht in alle Himmelsrichtungen. Unsere Stärke liegt gerade darin, dass wir ein Knotenpunkt sind: für Handelsbeziehungen, für Headquarters, die von hier aus Europa und den Nahen Osten steuern, und für Forschungskooperationen, die bis nach Florida reichen. Diese Vielfalt macht uns widerstandsfähig – auch in Zeiten geopolitischer Unsicherheit.

Am 10. Juni findet der zwölfte ImmoSummit statt. An diesem Anlass wird das Strategiepapier «Reader New Zurich» offiziell vorgestellt? 

Dies macht den diesjährigen ImmoSummit besonders bedeutsam. Der Reader, unsere Entwicklungsstrategie für die Flughafenregion, ist das Ergebnis eines seit 2022 laufenden Strategieprozesses, an dem unsere 14 Mitgliedsstädte und -gemeinden gemeinsam mit Experten wie Thomas Sevcik und Remo Daguati gearbeitet haben. Der Reader formuliert erstmals konkrete Entwicklungsvektoren für die gesamte Region – in den Bereichen Digitalisierung, Luft- und Raumfahrt, Headquarters und Events sowie zukünftig auch Health/Care. Der ImmoSummit findet dieses Jahr übrigens in The Hall in Dübendorf statt – einem Veranstaltungsort, der für die Dynamik und Modernität unserer Region steht. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit unseren Mit­gliedern und Partnern den nächsten Schritt zugehen: von der Strategie zur Umsetzung. (Interview: Claudia Porchet)

Zur Person

Rahel Kindermann Leuthard ist Geschäftsführerin FRZ

Quelle: zvg

Rahel Kindermann Leuthard ist Geschäftsführerin FRZ Flughafenregion Zürich.

Rahel Kindermann Leuthard ist seit Juni 2023 Geschäftsführerin der FRZ Flughafenregion Zürich. Die gebürtige Berlinerin ist Diplom-Betriebsökonomin und verfügt über einen MAS in Leadership & Management. Zuvor leitete sie bei der Stadt Zürich die Abteilung Coaching und Bildung mit 70 Mitarbeitenden. Von 2005 bis 2021 war sie für die Flughafen Zürich AG tätig, zuletzt als Head Visitor Services & Events. In dieser Funktion verantwortete sie etwa den Aufbau des Besucherservices, die Zuschauerterrasse B sowie das von ihr mitbegründete Musik- und Lichtfestival «Zauberpark». Parallel engagierte sie sich als Teamleiterin im Care-Team der Swiss International Air Lines. 2018 gründete sie die Beratungsfirma «#clearedtoland», die das Wissen aus dem Cockpit in die Leadership- und Change-Beratung überträgt. Kindermann Leuthard ist Privatpilotin, ausgebildeter Coach und Change Managerin. Sie lebt seit 2005 in der Flughafenregion und ist Mutter zweier Kinder. (mgt/cet) 

Drehscheibe für Wachstum

FRZ Flughafenregion Zürich, Wirtschaftsnetzwerk & Standortentwicklung, ist ein führender Wirtschaftsverband und Netzwerk für Standortentwicklung rund um den Flughafen Zürich. Sie vereint rund 900 Unternehmen und Organisationen sowie 14 Städte und Gemeinden mit dem Ziel, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gezielt zu vernetzen. Mit über 50 Veranstaltungen jährlich fördert die FRZ Austausch, Innovation und konkrete Kooperationen. Gleichzeitig positioniert sie die Region als international ausgerichteten, dynamischen Wirtschaftsraum und stärkt deren Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit.(cet) 

Printausgabe zur Flughafenregion Zürich

Die FRZ Flughafenregion Zürich veröffentlicht am 30. April 2026 gemeinsam mit dem Baublatt eine Printausgabe mit Schwerpunkt zur Flughafenregion Zürich. In Fachbeiträgen werden unter anderem laufende oder geplante Projekte vorgestellt und die aktuelle Situation der Region beleuchtet. Alle Beiträge des Hefts werden in unserem Dossier «Die Flughafenregion Zürich im Fokus» gesammelt.

Geschrieben von

Freie Mitarbeiterin für das Baublatt

Claudia Porchet ist Philologin und interessiert sich für Architekturgeschichte, Kunst am Bau und Design. Ebenso begeistern sie neue Forschungsresultate aus allen Bereichen.

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