07:11 VERSCHIEDENES

Grosse Süsswassertiere: Über 40% wurden vom Menschen eingeführt

Teaserbild-Quelle: Michel Roggo / zVg IGB

Über zwei Fünftel der grossen Süsswasser-Megafauna, dazu zählen etwa Karpfen und Welse, sind absichtlich ausserhabl ihres natürlichen Verbreitungsgebiets angesiedelt worden. Das zeigt eine deutsche Studie. Obwohl sie wirtschafltiche Vorteile bringen, sind mit ihnen oft unterschätzte Risiken verbunden.

Nilbarsch (Illlustration)

Quelle: Boulenger, George Albert; Loat, L, gemeinfrei

Der Nilbarsch gehört zur Familie der Riesenbarsche und erreicht wird in der regel zwischen 35 rund 85 Zentimtern gross, er kann aber auf bis zu zwei Meter anwachsen und 200 Kilogramm auf die Waage bringen. (Illustration aus"The fishes of the Nile", Georges Albert Boulenger, 1907)

Der Nilbarsch wird bis zu 200 Kilogramm schwer und illustriert eindrücklich, was passieren kann, wenn grosse Süsswassertiere absichtlich ausserhalb ihres natür­lichen Verbreitungsgebiets ansiedelt werden. Im tropischen und subtropischen Afrika vorkommend, wo er in allen wichtigen Flüssen, etwa im Nil, im Niger und im Kongo, und in Seen wie dem Albertsee zu Hause ist, lebt der Raubfisch seit den 1960er Jahren auch im Viktoriasee. Um für mehr Erträge aus der Fischerei zu sorgen hatte man ihn damals gezielt angesiedelt. Mit heftigen Folgen: Die Bestände der einheimischen Fische sanken, darauf verloren die Fischer ihre Lebensgrundlage und die chronische Unter­ernährung in der Region stieg an.

40 Prozent grosser Süsswassertiere wurden bewusst eingeschleppt

Oft sind die Auswirkungen eingeführter grosser Süsswassertiere komplex, sie sollten langfristig beobachtet werden, um sie zu verstehen, wie Fengzhi He erklärt. He ist Professor am Institut für Geographie und Agrarökologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sowie Gastwissenschaftler am deutschen Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und Letztautor einer Studie, in der erstmals die weltweiten, sozioökonomischen Auswirkungen gebietsfremder Süsswasserfische untersucht wurden.

Dabei zeigte sich: 40 Prozent der sogenannten Megafauna-Arten – Süsswassertiere mit einem Gewicht mehr als 30 Kilogramm – sind in 142 Ländern bewusst eingeschleppt worden, entweder aus wirtschaftlichen oder ästhetischen Gründen. Aber auch, um beispielsweise starkes Algen- oder Phytoplanktonwachstum einzudämmen. Insgesamt stellte das Forschungsteam fest, dass von den 216 existierenden Arten 92 ausserhalb ihres heimischen Gebietes leben. 

Wenn Megafauna Schäden an Eigentum und Infrastruktur verursacht


Wels

Quelle: Michel Roggo / zVg IGB

Wegen der wärmeren Temperaturen können Welse in der Schweiz auf bis zu zwei Meter anwachsen.

Von den total 59 gebietsfremden grossen Süsswassertieren, für die ein Nutzen dokumentiert ist, wirken sich 26 auch negativ aus. Dies gilt vor allem für grosse Fischarten wie Karpfen, Lachsartige und Welse. Fast jede zweite dieser Arten bringe nicht nur Vorteile, sondern verursache auch Probleme für die heimische Artenvielfalt oder die lokale Bevölkerung, schreibt das IGB in seiner Medienmitteilung. Konkret beeinflussen die Tiere die Ernährungssicherheit, verursachen Schäden an Eigentum und Infrastruktur, oder sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar, weil sie aggressiv oder giftig sind.

Die Studienautorinnen und -autoren rechnen damit, dass die Einführung von Süss­wasser-Megafauna wegen der erwarteten wirtschaftlichen Vorteile weiter zunimmt. Sie raten zu einer fundierten Risikobewertung und einer verbesserten Überwachung. Zudem sollte transparent über negative und positive Folgen informiert werden. Wie Sonja Jähning, Direktorin des IGB und ebenfalls Letztautorin der Studie, erklärt, braucht es ein «umfassendes Verständnis der Chancen und Risiken von Arteinführungen»,  um wirtschaftliche Entwicklung, Biodiversitätsschutz und menschliches Wohlergehen in Einklang zu bringen. (mai)


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