08:09 VERSCHIEDENES

Energiewende: Power-to-Gas-Grossanlage im Bau

Teaserbild-Quelle: Regiowerk Limeco

In Dietikon entsteht schweizweit die erste industrielle Grossanlage nach dem Prinzip Power-to-Gas. Bei der Speicherung von Energie gilt das Verfahren als Schlüsseltechnologie. Die Anlage nutzt dazu synthetisch produziertes Methangas, und sie soll mit Blick auf die Energiewende auch Erkenntnisse über die Integration in bestehende Energiesysteme liefern.

Auf dem Areal des Limmattaler Regiowerks Limeco in Dietikon entsteht die bisher grösste Power-to-Gas-Anlage der Schweiz. Dabei nutzt die Anlage Strom aus der Kehrichtverwertungsanlage, um Wasserstoff zu produzieren. Dieser wird mit dem CO2 im Klärgas gemischt und zu CO2-neutralem Methangas synthetisiert, das ins bestehende Gasnetz eingespeist wird und fossile Energieträger ersetzen soll. Vermeiden lassen sich mit diesem Verfahren der Energieproduktion jährlich 4000 bis 5000 Tonnen CO2, was dem Ausstoss von rund 2000 Haushalten entspricht.

Prozessschema Mehtangas

Quelle: Regiowerk Limeco

Durch die Aufspaltung von Wassermolekülen mittels Elektrolyse entsteht Wasserstoff, der in einem weiteren Prozessschritt zu Methan synthetisiert wird.

Erfahrung sammeln mit Grossproduktion

Die Anlage soll auch einen Beitrag zum Umbau des Schweizer Energiesystems leisten. Denn die Energiestrategie 2050 sieht vor, den Strom aus der Kernkraft durch Solar-, Wasser- und Windkraft zu ersetzen. Weil die Energiegewinnung bei Photovoltaik und Windkraft in Abhängigkeit zur Meteorologie Schwankungen unterworfen ist, stellt sich das Problem der Speicherung, da künftig im Sommer viel mehr Strom produziert als in diesen Monaten verbraucht wird. Im Winter muss die Schweiz wegen des höheren Energiebedarfs Strom importieren. Power-to-Gas ist daher eine Schlüsseltechnologie für die saisonale Speicherung von überschüssigem erneuerbarem Strom. Mit dem Projekt soll zudem die Integration von Power-to-Gas-Anlagen in bestehende Energiesysteme getestet werden. Das Bundesamt für Energie BFE unterstützt das Projekt im Rahmen seines Pilot- und Demonstrationsprogramms. 

Projekt mit Partner realisieren

Finanziert wird das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 14 Millionen Franken gemeinsam mit acht Schweizer Energieversorgern, die auch das Gas abnehmen werden. Sie erwerben dazu den ökologischen Nutzen des Gases mittels Zertifikaten und verkaufen diese wiederum an ihre Endkunden. Die Bauherrschaft und der Betrieb der Power-to-Gas-Anlage liegen bei der Limeco. Swisspower, die strategische Allianz von 21 Schweizer Stadtwerken und regionalen Unternehmen der Versorgungswirtschaft, leistet als Mitinitiantin des Projekts Beratungsdienste bei der Realisierung. Gebaut wird die Anlage von Unternehmen der deutschen Viessmann-Gruppe und der Siemens Schweiz AG.

Ökologischer Nutzen mit Zertifikaten abgelten

Quelle: Regiowerk Limeco

Energieversorger erwerben über Zertifikate den ökologischen Nutzen des Gases und verkaufen diese an ihre Endkunden.

Ergänzung zur Fernwärme

Die Anlage in Dietikon verfügt über eine Elektrolyse-Leistung von 2,5 Megawatt (MW) oder 450 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde, wozu 10000 bis 15000 Megawattstunden (MWh) Strom aus der KVA bezogen werden. Unter Verwendung von 1,8 Millionen Kubikmeter Klärgas wird laut Planung pro Jahr erneuerbares Gas mit einer Energieleistung von 18000 MWh produziert. Die Einspeisung ins bestehende Leitungsnetz soll ab Winter 2021/22 erfolgen. Das Regiowerk betreibt im Limmattal bereits ein Fernwärmenetz, das in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden soll.

Autoren

Redaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die Digitalisierung von Bauverfahren sowie Produkte und Dienstleistungen von Startup-Unternehmen.

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