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Ausstellungstipp: Kelims aus dem Land der Tausend Täler

Teaserbild-Quelle: Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen

Kunst oder Kunsthandwerk? Die Kelims, die zurzeit im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen ausgestellt sind, erinnern an abstrakte Kunst und blicken auf eine Jahrtausende alte Tradition zurück.

Im Norden des Iran liegt die Provinz Mazandaran, zwischen dem Kaspischen Meer und dem Elburs-Gebirge. Zurzeit zeigt das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen (HVM) im Rahmen der Ausstellung «Unbekannte Flachgewebe aus Nordpersien – dem Land der tausend Täler» besondere Schätze aus dieser Gegend: prächtige, an grossflächige abstrakte Kunstwerke gemahnende Kelims.

Die Vielfalt der Streifen, die raffinierten Farbverläufe und Farbkombinationen macht eine komplexe Webtechnik möglich, die auf einer jahrtausendealten Tradition beruht und jeweils von den Müttern an die Töchter weitergegeben wird.

Die Textilien, die aktuell im HVM zu sehen sind, stammen aus der Kollektion des Zürcher Sammlers und Händlers Werner Weber, der schon 2004 dem Museum Kelims für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt hatte.

Zweck der Kelims unklar

Kelim

Quelle: Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen

Die Kunst des Kelimwebens wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Rund vier Jahre später ist er ein weiteres Mal nach Nordpersien gereist: Er habe dort Gewebe entdeckt, wie er sie noch nie gesehen habe, schreibt das HVM in seiner Medienmitteilung. Die Textilien, die mit abstrakten Mitteln Licht und Schatten in sich zu vereinen scheinen, lagerten offenbar ungenutzt in den Truhen von Bauernfamilien in der Gegend von Hezar-Herib, was übersetzt "tausend Täler" bedeutet.

Diese meist in Bahnen gewebten Kelims entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts – ihr Zweck ist unklar. Oder vielmehr wollten oder konnten ihre Besitzer nicht darüber sprechen. Denn die prunkvollen Textilien sind zu gross, als dass sie in den Hütten ihrer Besitzer ausgelegt werden zu könnten. Zudem legen ihre Webtechnik aber auch ihr Zustand nahe, dass sie einen eher spirituellen als alltäglichen Zweck erfüllen. (mai/mgt)

Unbekannte Flachgewebe aus Nordpersien – dem Land der tausend Täler, bis 31. Januar 2021
Ort: Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
Weitere Informationen: https://hvmsg.ch

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