13:15 VERSCHIEDENES

Ausstellungstipp: Unterwegs in den Gärten der Kartause Ittingen

Teaserbild-Quelle: zvg

Gärten im Wandel der Zeit: Die Kartause Ittingen lädt mit ihrer aktuellen Ausstellung durch ein Stück Gartengeschichte. Sie erzählt unter anderem von den Zellengärtchen der Mönche  und von einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb des 19. Jahrhunderts.

Laufaufnahme Kartause Ittingen

Quelle: Ivo Scholz

Die Kartause mit Fischteich.

Am Fuss eines Rebbergs, eingebettet in sanfte Hügel aus Wald, Weiden und Äckern liegt die Kartause Ittingen. Die grüne Idylle setzt sich zwischen den Mauern der verwunschen anmutenden Klosteranlage fort: In den zu den Mönchszellen gehörenden, ummauerten Gärtchen, im Kräutergarten, der Gärtnerei und sommers in üppigen Rosenbeeten. Derzeit lädt die Ausstellung «Die Gärten der Kartause – Zum Nutzen und zur Freude» über die Gärten der Kartause zu einer Zeitreise durch rund 700 Jahre Gartengeschichte, von der Zeit als hier Mönche beteten und arbeiteten bis heute.

Interessant an der Geschichte der Gärten: Weil es in der Kartause Ittingen nie autokratische Herrscherpersönlichkeiten gegeben hatte, die mit der Architektur ihre Macht inszenierten, dienten die Gärten auf dem Klostergelände zur Hauptsache der Selbstversorgung oder vielmehr dem Anbau von Nahrungsmitteln. Blumen, Bäume und Sträucher als reine Zierde waren weniger wichtig. Und so sind denn auch für die Kartause Ittingen nie gross gedachte Gartenpläne gezeichnet und umgesetzt worden. Trotzdem: Wer mit offenen Augen auf dem ehemaligen Klostergelände unterwegs ist, findet immer wieder Hinweise darauf, dass die Gärtner der Kartause das Praktische mit dem Schönen verbunden und dennoch auch ein Augenmerk auf die Gestaltung des Aussenraums gelegt haben.

Obst aus dem Kreuzgarten


So lange in der Kartause Mönche lebten, bildeten ihre Gärten mit den Landwirtschaftsflächen ausserhalb der Klostermauern eine vielfältige Nutzungseinheit. So dienten die Kreuzgärten im Inneren den Mönchen nicht nur der Einkehr: Historische Ansichten zeigen, dass hier auch Obstbäume gediehen und zur Nahrungsmittelversorgung des Klosters beitrugen. Lediglich die ummauerten Zellengärtchen, die die Mönche für sich kultivierten, hatten einen rein kontemplativen Charakter. – Die drei grösseren Gartenflächen, der Krautgarten sowie der Küchen- und der Kräutergarten – letztere waren ornamental-geometrisch angelegt – pflegten Angestellte. 

Als das Kloster mit der Gründung des Kantons Thurgau im Jahr 1803 zunächst unter staatliche Verwaltung gestellt worden war, löste es der Kanton 1848 auf und verkaufte es wenige Jahre später. Schliesslich erwarb es Viktor Fehr, der Sohn einer St. Galler Patrizierfamilie: Der ausgebildete Agronom machte aus der Anlage einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb.  Und damit veränderten sich auch die Gärten innerhalb der Klostermauern:  Der Kräutergarten und der Küchengarten vor dem Südflügel – hier residierte Familie Fehr – wurden zu Ziergärten umgestaltet. Zudem liess Fehr Bäume setzen und verlieh der Anlage so ein parkartiges Aussehen. Zudem wurden die Mauern um die Zellengärtchen rückgebaut und so Platz für Gemüsegärten geschaffen. Zudem brach man den Nordflügel ab, damit sich der grosse  Kreuzgartens rationeller nutzen liess. 

Sanierung, Aus- und Umbau der Kartause


Kräutergarten mit zwei Häuschen quer

Quelle: Mirjam Wanner

Zwei Mönchszellen, heute Teil des IIttinger Museums, mit Kräutergarten.

Ein knappes Jahrhundert später sollten sich die Gärten ein weiteres Mal wandeln: 1977 übernahm die Stiftung Kartause Ittingen das Anwesen. Aus dem Privatgarten wurde eine öffentlich zugängliche Anlage. Die Gärten wurden neu gefasst: Sie sollten erhalten bleiben, und gleichzeitig wollte man etwa den sogenannte Barockgarten – einst der Küchengarten – oder die Zellgärtchen wieder erlebbar machen. Des Weiteren wurde die Anlage saniert, um- und ausgebaut, während der Gutsbetrieb in neue Gebäude ausserhalb der Klostermauern bezog. 1982 wurde in der Anlage ein Gastwirtschaftsbetrieb eröffnet, gleichzeitig fand hier neu ein Wohnheim für Menschen mit psychischen und geistigen Beeinträchtigungen Platz. Im Jahr darauf konnten auch das Ittinger Museum und das Thurgauer Kunstmuseum eröffnet werden, die in den alten Klostergebäuden untergebracht sind.

Bis heute dienen Gärtnerei und Bauernhof der Selbstversorgung, aber auch dem Hotel und dem Restaurant der Kartause. Letzteres lohnt ebenfalls einen Besuch. (mai)

Weitere Informationen zur Ausstellung zur Kartause
Ausstellung https://ittingermuseum.tg.ch
Kartause Ittingen www.kartause.ch

Kartause Ittingen auf einer Ofenkachel

Quelle: zvg

Darstellung der Kartause Ittingen auf einer Kachel des Ofens im Refektorium um 1677. Sie stammt aus der Werkstatt des Hafners Hans Heinrich Pfau III. aus Winterthur.

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