13:12 VERSCHIEDENES

Archäologen legen Fundamente und Gräber der Tellikirche in Aarau frei

Teaserbild-Quelle: Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Die Aargauer Kantonsarchäologie begleitet in Aarau derzeit Aushubarbeiten eines Neubauprojekts. Dabei werden Teile einer mittelalterlichen Kirche und Gräber freigelegt. Interessierte können am 15. Dezember einen Blick auf die Grabungen werfen.  

Grabungsfläche am Philosophenweg in Aarau

Quelle: Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Blick aus der Vogelperspektive auf die Grabungsfläche direkt am Aareufer.

Die Arbeiten werden seit Anfang November begleitet. Dabei sind Fundamente einer mittelalterlichen Kirche, die in den 1960er-Jahren erstmals ausgegraben wurden, erneut zum Vorschein gekommen, heisst es in einer Mitteilung des Aargauer Departement für Bildung, Kultur und Sport von Montag.

Südlich der Kirche seien zudem mehrere sogenannte Grabschatten dokumentiert worden. Die dunklen Verfärbungen zeigen an, dass sich hier Grabgruben mit Körperbestattungen im Boden befinden. Bislang hat das Grabungsteam die Überreste eines Schädels und mehrere Rippen freigelegt.

Mittelalterliche Kirche wiederentdeckt

Die mittelalterliche Kirche wurde gemäss Mitteilung bereits im Jahr 1936 entdeckt, als in der Flur Telli beim Bau von Einfamilienhäusern 24 beigabenlose Körpergräber und Reste eines nach West-Ost orientierten, rechteckigen Steingebäudes zum Vorschein kamen.

Im Jahr 1959 wurde der Gebäudegrundriss im Zuge einer Sondierung der Kantonsarchäologie als rund 13 x 27 Meter grosse, mittelalterliche Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor an der Ostseite identifiziert. Zudem wurden südlich und südwestlich der Kirche weitere neun Bestattungen freigelegt.

Fundamentmauern der Kirche

Quelle: Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Die Fundamentmauern der Kirche kommen nur wenig unter der Oberfläche zum Vorschein.

Bei der Grabung sei aber ungeklärt geblieben, wohin die Kirche gehört. Denn Hinweise auf eine zeitgleiche, mittelalterliche Siedlung sind in der Flur Telli nicht vorhanden. Grund für den Standort könnte laut Mitteilung die flussnahe und hochwassergefährdete Lage sein. Die Kirche stand demnach mutmasslich auf einer Aareinsel, die später verlandete. Auch die Gräber, die allesamt ohne Beigaben waren, lieferten keine konkreten Hinweise auf die Datierung der Kirche.

Schutzkirche an der Aarefurt

Ein altes Kartenblatt aus dem 18. Jahrhundert zeigt, dass die Überquerung der Aare einst in der Telli unterhalb des Tellirains lag. Damit mache die Kirche in unmittelbarer Nähe Sinn, denn möglicherweise handelte es sich dabei um eine «Schutz- und Landkirche» im Bereich des Flussübergangs.

Da die Querung eines Flusses durch eine Furt stets mit Gefahren verbunden war, sollten Kirchen und Kapellen am Ufer Sicherheit bringen. Auch die Grösse der Anlage sowie ihre Funktion als Begräbniskirche spreche für eine gewisse Bedeutung des Sakralbaus, heisst es weiter.

Die baubegleitende Ausgrabung wird sich noch über den Winter 2023/2024 erstrecken. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der Datierung des Sakralbaus und ob sich darunter vielleicht ein älterer Vorgängerbau befindet. (mgt/pb)

Grabungsführungen

Interessierte können die derzeit freigelegten Strukturen an öffentlichen Grabungsführungen am Freitag, 15. Dezember, um 17.00 und 17.30 Uhr besichtigen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, gutes Schuhwerk wird empfohlen.

Weitere Informationen: www.ag.ch/de/aktuell/veranstaltungen

Freipräparieren der Fundamente

Quelle: Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Das Freipräparieren der Fundamente erfolgt zum Schluss in Handarbeit.

Grabschatten

Quelle: Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Sogenannte Grabschatten zeichnen sich ausserhalb der Kirchenfundamente ab und zeigen an, wo sich Grabgruben mit Körperbestattungen im Boden befinden.

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