Archäologen finden in Basel einzigartige mittelalterliche Heizung
Archäologen haben in Basel bei Umbauarbeiten eine fast vollständig erhaltene Warmluftheizung aus dem Mittelalter entdeckt. Der Fund auf dem Areal des ehemaligen Klosters Gnadental gilt als schweizweit einzigartig.
Quelle: José Cano Correa, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt
Blick in die Warmluftheizung: Die Steinpackung diente als Wärmespeicher.
Die Heizungsanlage kam im Innenhof der früheren Gewerbeschule am Petersgraben 52 zum Vorschein, wie die Archäologische Bodenforschung des Präsidialdepartements am Mittwoch mitteilte. Sie befand sich unter den Mauern und Mörtelböden des ehemaligen mittelalterlichen Frauenklosters Gnadental und beheizte vermutlich den Speiseraum der Gemeinschaft.
Die Fachleute datierten die Anlage aufgrund bauhistorischer Überlegungen auf das 13. bis 14. Jahrhundert. Die Konstruktion bestand gemäss Mitteilung aus einer unterirdischen Kammer mit Steinen zur Wärmespeicherung und einem darunterliegenden Feuerungskanal aus Quadern und Backsteinen, der zwei noch in Originallage stehende Spitzbögen aufwies. Durch acht verschliessbare Öffnungen strömte die warme Luft in den darüberliegenden Raum.
Schweizweit einzigartiger Fund
Funde von solchen Steinkammer-Luftheizungen sind in der Schweiz sehr selten, wie es hiess. Der Basler Fund sei wegen seines nahezu vollständigen Erhalts schweizweit einzigartig und zähle auch im europäischen Vergleich zu den bedeutendsten Beispielen. Der Fund soll in das Sanierungsprojekt am Petersgraben 52 integriert werden.
Gemäss Mitteilung erstellte die Archäologische Bodenforschung zusätzlich zur konventionellen Dokumentation ein 3D-Modell des Befundes. Gemeinsam mit Immobilien Basel-Stadt und dem Bau- und Verkehrsdepartement werden derzeit Lösungen für den langfristigen Erhalt der Heizung erarbeitet; zudem werden die Auswirkungen auf die weitere Projektabwicklung geprüft.
Quelle: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt
Nach Entfernung der Steinpackung kam der Feuerungskanal zum Vorschein. Durch die schräg gestellten Steine wurde die warme Luft in die Steinkammer geleitet und die Feldsteine im Innenraum aufgewärmt. Durch Öffnungen im Gewölbe gelangte die warme Luft schliesslich in den darüberliegenden Speiseraum.
Wechselvolle Klostergeschichte
Das Kloster Gnadental wurde um 1231 ausserhalb der damaligen Stadtmauer für Franziskaner errichtet. Diese zogen jedoch bereits 20 Jahre später in das neu gegründete Barfüsserkloster. Danach beherbergten die Gebäude Zisterzienserinnen und Klarissen. Seinen Namen erhielt das Kloster 1279 von Laienschwestern aus Gnadenthal bei Niederwil AG. Diese wurden in den Orden der Klarissen eingegliedert und blieben dort bis zur Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation.
Nach der Reformation wurden die Klostergebäude teilweise weitergenutzt. So entstand 1573 ein Kornhaus, für das Bausubstanz des Klosters, insbesondere der Kirche, verwendet wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Kornhaus abgerissen, um Platz für die Gewerbeschule zu schaffen. Damit verschwanden die letzten sichtbaren Reste des Klosters. Erst die aktuellen Ausgrabungen brachten die Überreste wieder zutage. (sda/mgt/pb)
Quelle: StABS BILD Schn. 155
Auf Aquarellen von Johann Jakob Schneider aus dem 19. Jahrhundert sind noch die ursprünglichen Gebäude des Klosters zu erahnen.
Quelle: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt
Blick auf den Mörtelboden des Speiseraums (Refektorium) mit den Bodenöffnungen zur darunterliegenden Warmluftheizung.
Quelle: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.
Grünglasierte Ofenkachel des Klosters Gnadental. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Bekrönungskachel eines Ofens aus dem 14./15. Jahrhunderts. Solche Kacheln waren an der Spitze des Ofens angebracht und bildeten einen dekorativ gestalteten Abschluss.