Arabische Wüste war schon vor 125000 Jahren besiedelt
Die Expansion des modernen Menschen aus Afrika verlief wohl anders als bislang angenommen: Neue Funde belegen, dass die südarabische Wüste schon vor 125000 Jahren besiedelt war.
Quelle: Stephanie Veith - Institute for Heritage Management
Unter dem Felsdach Buhais Rockshelter wurden Spuren menschlicher Besiedlung gefunden, die Theorien über die Besiedlung der Wüste über den Haufen werfen.
Bedeutender Fund der Ur- und Frühgeschichte: Einem internationalen Forschungsteam unter Beteiligung der Universitäten Jena, Freiburg und Tübingen sowie der Oxford Brookes University (England) gelang in einer Kooperation mit der Sharjah Archaeology Authority der Nachweis menschlicher Besiedlung bei Ausgrabungen am Buhais Rockshelter im Emirat Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate). Die Siedlungsspuren sind 125000 Jahre alt und widerlegen damit eine Theorie: Bislang wurde angenommen, dass in dieser Region während der letzten Eiszeit keine menschliche Besiedlung möglich war, da die Gegend damals zu trocken und damit lebensfeindlich war.
Die jetzt ausgewerteten Funde werfen diese Theorie jedoch über den Haufen: Sie legen nahe, dass das Felsdach Buhais Rockshelter immer wieder ein geeigneter Aufenthaltsort für Gruppen umherstreifender Jäger und Sammler war. In einer Sedimentfalle unterhalb des Felsdaches überdauerten Reste von Steinwerkzeugen, deren Alter bestimmt werden konnte. Die unterschiedlichen Sedimentschichten lassen sich durch Steinartefakte dabei klar voneinander unterscheiden. Sie zeigen, dass Menschen über Zehntausende von Jahren hinweg immer wieder in diese Region zurückkehrten.
Damit ist klar, dass die Expansion des modernen Menschen aus Afrika vermutlich anders verlief als gedacht: Entgegen bisheriger Annahmen war Südostarabien während des späten Pleistozäns wiederholt von Menschen besiedelt. Die Funde lassen verschiedene Besiedlungsphasen erkennen: vor etwa 125000 Jahren, vor 59000, 35000 und 16000 Jahren.
Quelle: Institute for Heritage Management
Ausgrabungen belegen, dass die Wüste nicht zu jeder Zeit trocken und lebensfeindlich war.
Wasser in der Wüste
Südarabien war während der letzten Eiszeit demnach nicht durchgängig unwirtlich: Die paläoökologischen Daten zeigen eindeutige Hinweise auf eine erhöhte Wasserverfügbarkeit zu Zeiten, als Menschen das Felsdach bewohnten. Feldforschungen deuteten darauf hin, dass Phasen mit feuchteren Bedingungen die heutige Wüste in einen lebensfreundlicheren Lebensraum verwandelten, in dem Menschengruppen existieren konnten.
Die bekannten Modelle zur Ausbreitung des Menschen müssen deshalb überprüft werden: Es ist notwendig, lokale Gegebenheiten stärker in den Blick zu nehmen. Dazu gehörten die lokale Grundwassersituation und die davon abhängige Vegetation. Beides seien Voraussetzungen für ein Überleben von Menschengruppen. Die Funde vom Buhais Rockshelter ergänzen frühere Entdeckungen aus dem nahegelegenen Jebel Faya und erweitern die bekannten Belege für eine frühe Anwesenheit von Menschen in Südostarabien auf den Zeitraum zwischen 21000 bis 16000 Jahren vor heute. (SDA/bk)
Buhais Rockshelter
Der Buhais Rockshelter ist ein natürliches Felsdach aus Kalkgestein, das Schutz vor der Sonne, dem Wetter und partiell vor Raubtieren bot. Die dort zurückgelassenen Steinwerkzeuge wurden mit Sand verweht, herabfallende Steine versiegelten gewissermassen die Artefakte. So konnte sich über die Jahrtausende eine feste Sedimentschicht bilden, in der die Steinartefakte wie in einer Zeitkapsel überdauerten.
Wegen der aussergewöhnlichen archäologischen Funde und des gut erhaltenen paläoökologischen Kontextes wurde die Paläolandschaft von Faya inklusive des Buhais Rockshelter und der Fundstätte Jebel Faya 2025 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt.