Swissbau: Win-Win für Holz und Beton
Bauten in Hybridbauweise vereinen die Stärken ver-schiedener Materialien. Im Rahmen einer Veranstaltung im Swissbau Focus stehen Beton und Holz im Zentrum. Das Hochhaus H1 auf dem Zwhatt-Areal in Regensdorf und das Bürogebäude Bern131 zeigen exemplarisch, wie die Kombination der unterschiedlichen Baustoffe die Zukunft des Bauens prägen kann.
Quelle: René Dürr
Neues Holz-Beton-Hybridgebäude vor den nördlichen Toren Berns: Rund 13 500 Quadratmeter Mietflächen bieten moderne Arbeitsplätze mit bester Verkehrsanbindung.
Mit der Veranstaltung «Hybridbauten – Materialien im Zusammenspiel» stellen Betonsuisse und Lignum die Hybridbauweise mit Beton und Holz in den Fokus. Am Beispiel von zwei herausragenden Objekten – des Hochhauses H1 in Regensdorf und des Bürogebäudes «Bern131». Beide Projekte zeigen, wie sich die beiden Materialien in einem Bau optimal verbinden lassen. Doch was sind die Vorteile einer hybriden Bauweise mit Holz und Beton?
Dazu ein kurzer Exkurs zu den beiden Baumaterialien: Holzbau hat in der Schweiz mittlerweile einen Marktanteil von rund 18 Prozent. Es handelt sich mithin nach wie vor um einen deutlich kleineren Bereich als der Massivbau, obwohl die laufende Öffnung der Brandschutzvorschriften für die moderne, forschungsbasiert gesicherte Anwendung des Materials Holz und die stürmische Materialentwicklung sehr grosse Fortschritte gebracht haben, zuerst mit dem Schritt einer konstruktiven Zulassung bis sechs Geschosse im 2005 und 2015 mit der aktuellen VKF-Vorschriftengeneration, welche die Nutzung von Holz in allen Anwendungen und Nutzungen zulässt, so dass heute selbst Hochhäuser mit Holz machbar sind.
Beton kann mehr als tragen
Beton prägt das Bauwesen, weil er Qualitäten bietet, die sich seit Jahrzehnten bewähren: Er ist langlebig, robust und überall dort einsetzbar, wo Tragfähigkeit, Sicherheit und Beständigkeit entscheidend sind. Die Versorgung mit Beton und Zement ist in der Schweiz zuverlässig und regional verankert. Kurze Transportwege und eine starke inländische Wertschöpfung sichern eine hohe Verfügbarkeit – unabhängig von globalen Lieferketten. Neue Rezepturen ermöglichen CO2-optimierte Rezepturen und mit der Einführung des nationalen Anhangs ND «Regelungen für das leistungsbezogene Entwurfsverfahren zur «SN EN 206: 2013+A2 Beton – Festlegung», Eigenschaften, Herstellung und Konformität» eröffnen sich viele Chancen: Er ermöglicht emissionsreduzierte Tragstrukturen, neue Bindemittel und innovative Lösungen.
Gleichzeitig zeichnet sich Beton durch seine Kreislauffähigkeit aus. Bestehende Tragstrukturen lassen sich wiederverwenden und einem Gebäude so ein zweites oder gar drittes Leben einhauchen. Alternativ kann der Baustoff dank einer hohen Rezyklierbarkeit von bis zu 85 Prozent als Recyclingbeton ohne Qualitätsverluste erneut eingesetzt werden – ohne Kaskadenverlust.
Neben seiner Tragfunktion übernimmt Beton auch eine energetische Rolle: Seine hohe Speichermasse lässt sich gezielt nutzen, um Gebäude zu heizen und zu kühlen und so den Energiebedarf im Betrieb zu senken. Angesichts des Klimawandels wird dies künftig noch wichtiger, da sich Bauweisen und Gebäudekonzepte stärker an veränderte Temperatur- und Wetterbedingungen anpassen müssen.
Das Naturprodukt speichert CO2
Holz wächst allein mit Sonnenenergie, Nährsalzen aus dem Boden und Wasser heran. Das in der Schweiz verbaute Holz stammt zu etwa 30 Prozent aus dem Inland, zu etwa 70 Prozent aus den unmittelbaren Nachbarländern, primär aus Deutschland und Österreich. In ganz Mitteleuropa ist nachhaltige Waldwirtschaft Standard: Es wird nicht mehr Holz genutzt, als nachwächst. Ernte und Verarbeitung erfolgen ausserordentlich energiearm, und jeder Kubikmeter Holz speichert den Kohlenstoff aus ungefähr einer Tonne CO2 (klimatischer Speichereffekt). Im Schweizer Wald wachsen jedes Jahr rund 10 Millionen Kubikmeter Holz neu heran. Davon nutzen wir ungefähr 5 Millionen Kubikmeter. Branche und Bund (Bafu) sind sich einig, dass etwa 3 Millionen Kubikmeter mehr Holz pro Jahr genutzt werden könnten, ohne das Prinzip der Nachhaltigkeit auch nur zu ritzen.
Wenn sich Holz und Beton ergänzen
Holz und Beton sind also zwei unterschiedliche Materialien. Für Bauzwecke eingesetzt, haben beide Stärken und Schwächen, die sich im modernen Bauen in Form der Hybridbauweise aber sehr gut ergänzen. Auf Ebene Gebäude prägt Beton dabei typischerweise das Untergeschoss, den Sockel und den aussteifenden Kern grosser und /oder hoher Holzbauten, wie sie heute möglich und nicht nur im urbanen Raum auch gängig sind. Das vermeidet für Holzbauten Konflikte aufgrund des Erdkontakts (Wasser), sichert die Stabilität der Konstruktion und hat brandschutztechnische Vorteile.
Auf Stufe Gebäudeteil sind es in erster Linie Decken, wo sich die beiden Materialien gewinnbringend kombinieren lassen – wobei es verschiedene Konstruktionen gibt, um die beiden Materialien zu verbinden. Unabhängig von der konkreten Konstruktion haben Holz-Beton-Verbunddecken gute statische und bauphysikalische Eigenschaften – Stichwort Schallschutz, sommerlicher Wärmeschutz oder gutes Raumklima. Ihre Nachhaltigkeit zeigt sich dabei im effektiven Materialeinsatz, also einer baustoffoptimierten Verwendung und unter anderem auch in der Reduktion der grauen Energie in der Erstellung gegenüber konventionellen Decken. Und Holz-Beton-Hybridbauten bestechen auch aus Kosten- und Effizienzgründen, wie verschiedene Studien von Wüest Partner belegen. (Jutta Glanzmann und Patrick Suppiger*)
* Jutta Glanzmann ist Verantwortliche technische Kommuni-kation bei Lignum, Holzwirtschaft Schweiz. Patrick Suppiger ist Geschäftsführer der Betonsuisse.)