08:09 MEINUNG

Kolumne zum Donnerstag: Wir sind agiler und innovativer, als wir denken

Geschrieben von: Daniel Löhr
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute ist es Daniel Löhr, Präsident der Fachgruppe Karriere und Kommunikation von Swiss Engineering STV und Partner Engineering Management Selection E.M.S. AG.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Alltagsgespräch an einem Apéro. Frage an den Geschäftsführer: «Wie laufen die Geschäfte?» Antwort des Geschäftsführers: «Eigentlich gut aber die Preise sind schlecht!» Wie meinen Sie das? «Die Kunden drücken einem bis aufs Blut und die Mitbewerber machen jeden Preis, nur um den Auftrag zu bekommen!» Und was machen Sie dagegen? «Nichts; ichmache dieses Spiel mit, sonst muss ich Personal entlassen!»

Was für eine verrückte Welt ist doch diese Bauindustrie. Da beklagt man sich über fehlende Fachkräfte, macht Preise, welche offensichtlich nicht kostendeckend sind, und es läuft trotzdem wie geschmiert. Würde die Aussage mit den schlechten Preisen wirklich stimmen, hätten 80 Prozent der Firmen in den letzten zehn Jahren nicht überlebt.

Weshalb existieren die meisten Firmen immer noch? These Nummer 1: Sich über die Preis­situation des Markts, das Einkaufsgebaren der Kunden und über die Preispolitik der Mitbewerber zu beklagen, gehört zum Geschäft. Fazit: Diese Rhetorik entspricht womöglich nicht der Realität und könnte darauf hinweisen,dass man noch Luft inder Preisgestaltung nach unten hat.

These Nummer 2: Die Preise sind wirklich nicht kostendeckend und das Kerngeschäft wird quersubventioniert, oderman hat genügend Reserven, um den nächsten Aufschwung zu erleben. Fazit: Diese Taktik ist gefährlich, und man sollte sich über seineStrategie und eine neue Marktpositionierung
Gedanken machen und eventuell den Chef austauschen.

These Nummer 3: Die Preise sind bei der Auftragsvergabe wirklich nicht kostendeckend, und man schafft es laufend, die Kosten und dieProzesse der Situation anzupassen, damit man die Projekte und das Geschäftsergebnis immer wieder in die positiven Zahlen bringt. Fazit:Man ist äusserst agil und innovativ und braucht den Druck, um sich notgedrungen an den Markt und die Veränderungen anzupassen.

Welche These wirklich auf Sie zutrifft, wissen nur Sie. Aber merken Sie sich: Wer zu lange,zu oft und zu laut klönt, wirkt irgendwann unglaubwürdig. Entweder als Branche, als Firma oder als Chef beziehungsweise Führungspersönlichkeit.

Ich hoffe, die These Nummer 3 trifft auf die meisten zu. Die Baubranche ist agiler und innovativer, als sie selber denkt. Seien Sie doch endlich ehrlich zu sich selber und reden nicht mehr über schlechte Preise! Verpacken Sie Ihre Agilität und Innovation in positive Botschaften. Der folgende Nachwuchs wird es Ihnen danken!

Geschrieben von

Präsident der Fachgruppe Karriere und Kommunikation von Swiss Engineering STV und Partner Engineering Management Selection E.M.S. AG.

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