07:06 MEINUNG

Kolumne zum Donnerstag: Holz nach Label oder Herkunft wählen?

Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag schreiben Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute ist es Christoph Starck, Direktor von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz.

Holz ist für nachhaltiges Bauen und Wohnen immer eine gute Wahl. Dennoch schätzen Bauherren und Einrichter mit hohen Ansprüchen an umweltfreundlich hergestellten Produkte zusätzliche Orientierungshilfen. Labels wie FSC, PEFC oder das Herkunftszeichen Schweizer Holz geben sie. Doch was ist nun gut und was ist besser?

Im Wettbewerb um das beste Licht werden von FSC Schweiz – sekundiert von Umweltverbänden und Grossverteilern – derzeit fragwürdige Empfehlungen herumgereicht. Demnach sähe die Nachhaltigkeitspyramide für Holz wie folgt aus: An der Spitze steht Schweizer FSC-Holz. Gleich darunter folgt ausländisches FSC-Holz jedweder Herkunft. Schweizer Holz ohne FSC-Zertifikat muss sich, fast schon am Boden, mit dem dritten Platz begnügen. Prüfen wir die Logik dieser Holz-Rangordnung anhand eines Vergleichs mit Lebensmitteln. Erste Wahl wäre dann die allseits bekannte Schweizer Bio-Knospe. An zweiter Stelle folgten Bioprodukte aus dem Ausland – egal woher, obwohl «Bio» bekanntermassen von Land zu Land etwas anderes heisst und umso weniger hiesigen Vorstellungen entspricht, je weiter entfernt das Herkunftsland liegt. An dritter Stelle käme das Lebensmittel aus Schweizer Produktion, ausgezeichnet mit dem Label Suisse Garantie. Weil es ja «nur» unsere gesetzlichen Standards erfüllt. Passt nicht ganz, oder?

FSC-Holz aus der Schweiz ist sicher ein absolutes Premiumprodukt. Nur: Das FSC-Label auf einem Holzprodukt steht zwar dafür ein, dass das Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt – sagt aber nicht, woher es stammt. Mit Verlaub: Wie soll der Konsument auf einen Blick erkennen, dass es aus der Schweiz kommt, wenn sich FSC über die Holzherkunft ausschweigt?

Das Herkunftszeichen Schweizer Holz ist zwar kein Nachhaltigkeitszertifikat. Es steht aber dafür ein, dass das Holz aus unseren hiesigen Wäldern kommt, die nach einem der strengsten Waldgesetze der Welt bewirtschaftet werden. Wer in der Schweiz hiesiges Holz verlangt, wird deshalb ganz sicher nachhaltiges Holz bekommen – allein schon deswegen, weil unser Waldgesetz gar nichts anderes zulässt.

Schauen wir dagegen die Qualität ausländischer FSC-Zertifikate an, sind Zweifel angebracht. Den Konsumenten soll es nicht interessieren, ob sein Holz vielleicht Tausende von Kilometern auf dem Buckel hat und welche politischen und sozialen Rahmenbedingungen vor Ort gelten. Er weiss auch nicht, was im Herkunftsland als fair oder nachhaltig gilt, denn das muss sich nicht mit unseren Begriffen decken. So stellt sich die Frage: Hat das, was FSC Schweiz als schlüssige Nachhaltigkeitspyramide für Holz verkauft, noch etwas mit Fakten zu tun, oder wird da nicht einfach markiert, wer der Platzhirsch ist?

Doch wer als Platzhirsch röhrt, hat deswegen noch nicht recht, und er bleibt deswegen auch nicht dauerhaft Platzhirsch. Konsumenten lassen sich immer weniger weismachen, dass ein Rüebli von irgendwo mit einem Label drauf besser ist als eines vom Bauern im Dorf. Wer sich dieser Tatsache verschliesst, wird über kurz oder lang eine Abstimmung mit den Füssen erleben.

Autoren

Direktor von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz.

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