08:09 MEINUNG

Kolumne zum Donnerstag: Headbanging

Geschrieben von: Fabio Rea
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag schreiben Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute ist es Fabio Rea, Geschäftsleiter der Schweizerischen Zentrale Fenster und Fassaden (SZFF).

Kopfschütteln» – dies war der Titel der Kolumne von Betonsuisse-Geschäftsführer Jörg Berli, die ich Anfang August hier im Baublatt gelesen habe. Inhaltlich ging es um den Bau des SBB-Bötzberg-Eisenbahntunnels, insbesondere um die Vergabe von vorgefertigten Betonbauteilen nach Deutschland. Obwohl drei Kilometer von der Baustelle entfernt ein bestens qualifiziertes Werk für die Produktion sogenannter Tübbinge steht, ging dann der Auftrag letztendlich an ein Unternehmen, dass 430 Kilometer weiter weg in Deutschland liegt. Ich habe den Titel «Headbanging» gewählt, weil es in meiner Branche (Fenster- und Fassadenbau) vor lauter Kopfschütteln nach der heftigeren Variante aus dem «Heavy-Metal»-Bereich schreit. Eines der jüngsten Beispiele schaffte es am 8. August auf die Titelseite des Zürcher «Tages-Anzeigers» und betrifft wieder unseren Staatsbetrieb, die liebe SBB.

Das Baufeld F an der Europaallee in Zürich, wo ein neues Hochhaus gebaut wird, ist im Besitz der SBB und somit des Bundes. Die Fassadenelemente des Hochhauses aber werden in der 8000 Kilometer entfernten nordchinesischen Stadt Shenyang gefertigt. Und ja, dann spricht man noch über möglichst kurze Transportwege, ökologische Fussabdrücke, CO2-Emissionen, Nachhaltigkeitslabel, Umweltzertifikate und vieles mehr. Offenbar gibt es genug Berechnungsmethoden, um auch irgendwann vom Produktions­standort Mond oder Mars ein Gebäude in der Schweiz letztendlich als grün und umweltfreundlich zu zertifizieren.

Eine weitere Ohrfeige (wir headbangen ja ...) für Schweizer Fassadenbauer. Die selbstverständlich hier ihre Steuern und Schweizer Löhne bezahlen sowie Lehrlinge ausbilden. Als Verband mit 160 Mitgliedsfirmen rund um die gesamte Wertschöpfungskette im Fenster- und Fassadenbau mögen wir ja ein kleiner Fisch sein. Aber sind es die mehreren tausend Arbeitsplätze, die daran hängen, auch?

Fazit: Es ist bedauerlich, dass es den Verantwortlichen an jeglicher sozialen und volkswirtschaftlichen Sensibilität fehlt. Aber eben – ich hoffe, es regt zum Nachdenken an.

Geschrieben von

Geschäftsleiter der Schweizerischen Zentrale Fenster und Fassaden (SZFF)

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