17:03 MANAGEMENT

Studie der HSLU: Wie sich Sharing für Firmen lohnt

Teaserbild-Quelle: Alexas Fotos, Pixabay-Lizenz

Sharing-Plattformen für Alltagsgegenstände gibt es zuhauf. Doch für das Teilen von Werkzeugen und Geräten im Umfeld von Unternehmen sind Angebote rar. Ein Forschungsteam der Hochschule Luzern (HSLU) und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat untersucht, wie sich das Teilen unter Firmen erleichtern lässt - und lanciert die schweizweit erste KMU-Sharing-Plattform.

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Sharing für Unternehmen: Damit auch andere ein Stück vom Keks abbekommen - oder vielmehr eine teure Maschine nutzen können.

Geteilt wird schon lange. Lange bevor unter dem Begriff „Sharing Economy“ neuartige Geschäftsmodelle entstanden sind. „Diese Geschäftsmodelle beschränken sich weitestgehend auf den privaten Bereich“, sagt Uta Jüttner, Dozentin und Projektleiterin an der HSLU.  Wie sie weiter ausführt, gibt es in der Unternehmenswelt kaum institutionalisierte Prozesse und etablierte Plattformen, die das Teilen unter Firmen erleichtern würden.  Dies, obwohl Sharing-Angebote Unternehmen ähnlich wie Privatpersonen helfen, eine Ressource zu nutzen, auf die sie aus Kostengründen sonst keinen Zugriff hätten. Dies wiederum ermöglicht es Firmen, Dienstleistungen oder Produkte anzubieten, die für sie sonst nicht möglich wären. Ausserdem suchen KMU im Zuge des zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck nach Alternativen zum „Make-or-Buy“, das heisst zum Kauf oder zur Herstellung eines benötigten Geräts.

„Viele Firmen hätten einen grossen Anreiz, gewisse Gerätschaften mit ihren Mitbewerbern zu teilen, anstatt alles selbst anzuschaffen“, meint Jüttner. - Wie das Teilen für Firmen zielgerichtet und strukturiert unterstützt werden könnte untersucht ein interdisziplinäres Forschungsteam aus Betriebsökonominnen, Ingenieuren und Psychologinnen im Rahmen Forschungsprojekts „KMU Sharingmarket“ der HSLU und der FHNW.

Informelle Sharing-Möglichkeiten schnell ausgeschöpft

„Unsere Forschung hat gezeigt: Gerade KMUs sind bereits ganz gut darin, untereinander Material und Gegenstände auszuleihen“, erklärt Sebastian Huber, ebenfalls HSLU-Dozent und Projektmitarbeiter. Wie er weiter ausführt, läuft solches allerdings „ganz intuitiv und informell“: Braucht man einen zusätzlichen Handwagen, fragt man die Firma nebenan. Die Krux daran: Diese Form des Teilens stösst schnell an ihre Grenzen. Denn oft sind Maschinen und Geräte von Unternehmen: „Wenn solche Geräte geteilt werden, stellen sich zwangsläufig zusätzliche Fragen, beispielsweise zur Haftung oder zur Versicherung“, sagt Huber.

Damit sich Angebot und Nachfrage finden

Damit Sharing unter Unternehmen möglich wird, müssen sich auch Angebot und Nachfrage finden. „Den eigenen Bedarf und die Verfügbarkeit von Ressourcen offen zu legen, ist entscheidend und oft schon die erste Hürde im B2B-Sharing“, sagt Huber. Und: Wie das Forschungsprojekt zeigt, müssen Beteiligte Unternehmen müssen auch ein gemeinsames organisatorisches Verständnis von Teilen haben. Damit stellt sich auch die Frage, ob das Sharing möglichst anonym und nachfragebasiert oder persönlich und partnerschaftlich abgewickelt soll.

Auch muss der Umfang der externen Unterstützung geklärt sein: Wie geschieht sie? Mittels einer Plattform oder eines Dienstleisters? Zudem bedarf es einiger Vereinbarungen, wenn Geräte ausgeliehen werden. Vor allem, was Transport, Versicherung und Kosten betrifft. Dabei muss für Unternehmen laut Huber aus dem Sharing „gar nicht zwingend direkt ein Gewinn resultieren, der Aufwand muss sich aber am Schluss dennoch lohnen.“

Sharing und CO2-Fussabdruck

In der Logistikbranche und in grösseren Produktionsfirmen mit hohem Energiebedarf werden die ökologischen Potenziale des Sharing von betrieblichen Ressourcen mit hohem CO2-Fussabdruck bereits seit einiger Zeit ausgewiesen. Bei solchen Unternehmen und Branchen weckt dies laut Jüttner ein besonderes Interesse an Sharing. Die durch Sharing enger werdende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, bis hin zum gegenseitigen Ausleihen von Mitarbeitenden, stärke den sozialen Zusammenhalt und erhöhe die unternehmerische Flexibilität in einem zunehmend unsicheren Geschäftsumfeld, so die Expertin. (mai/mgt)


Toolbox für Firmen, die erste KMU-Sharing-Plattform kmusharingmarket.ch und ein Start-up

Um den Unternehmen die Teilnahme an der Sharing Economy zu erleichtern, hat das Forschungsteam eine prozessorientierte Toolbox mit vier praktischen Instrumenten erstellt:

  1. Sharing-Ressourcenpotenzial ermitteln
  2. Sharing-Organisationsform identifizieren
  3. Sharing-Vereinbarung
  4. Erfolgsmessung und Partnerbewertung.

Zudem ist aus dem Forschungsprojekt das Start-up „Sharing Corp.“ entstanden, das noch diesen Frühling die erste branchenunabhängige B2B-Sharing-Plattform für Schweizer KMU  - https://kmusharingmarket.ch - lanciert. Sie soll die Möglichkeiten, die Sharing bietet, und die Forschungsergebnisse der HSLU-Studie einem breiten Kreis von Unternehmen in der Schweiz zugänglich machen. Wie Carla Kaufmann, Mitgründerin von Sharing Corp., erklärt, seien die Toolbox und die Sharing-Prozesse, die die HSLU und die FHNW entwickelt haben, bereits in der Praxis validiert und bilden die Grundlage für https://kmusharingmarket.ch(mgt)

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