15:01 MANAGEMENT

Chefsache mit Theo Fahrni: «Kritik ist mir sehr wichtig»

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Theo Fahrni ist COO beim Gartenbauunternehmen Bächler + Güttinger AG. In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt er Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Theo Fahrni

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Theo Fahrni ist COO beim Gartenbauunternehmen Bächler + Güttinger AG. Er erholt sich beim Golfen, mit der Familie oder beim gemeinsamen Skiurlaub.

Wie lautet Ihr wichtigster Führungsgrundsatz?

Grundsätzlich gebe ich den Mitarbeitern grosses Vertrauen, übertrage grosse Verantwortung und setze grosszügige Rahmen-bedingungen. Gleichzeitig erwarte ich ei-ne offene und ehrliche Kommunikation – nur so können wir uns gemeinsam unterstützen.

Was glauben Sie, sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Ich bin noch nicht lange bei Bächler + Güttinger AG, aber denke, dass ich eine umgängliche Person bin und die Mitarbeiter rasch bemerkt haben, dass ich jederzeit ein offenes Ohr für ihre Anliegen habe. Effizienz beziehungsweise Digitalisierung sind mir wichtig, daran will ich mit dem Team arbeiten. Vor allem die Jüngeren realisieren rasch, dass es dadurch eine Vereinfachung geben wird. Obwohl ich ein paar Dinge ändern will denke ich, dass ich gut aufgenommen werde.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Kritik ist mir sehr wichtig. Ich sage den Mitarbeitern jederzeit offen, wenn ich etwas nicht gut finde; dasselbe erwarte ich aber auch von allen Mitarbeitern gegenüber mir. Kritik halte ich für fundamental und konstruktiv.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?

Indem ich sie motiviere, gewisse Bereiche selber gestalten und erkämpfen zu wollen. So werden sie auf diesen Gebieten besser und haben gleichzeitig die Gewissheit, dass ich ihnen 7/24 zur Verfügung stehe und sie mich jederzeit erreichen können. Meine Türen sind immer offen. Die Mitarbeiter sollen spüren, dass in unserer Unternehmung flache Hierarchien gelebt werden.

Darf ein Chef Schwächen zeigen?

Unbedingt! Ich war vor diesem Job für die Gesamtleistungen bei der Halter AG Bern verantwortlich, nun bin ich in der zukunftsstarken Branche Garten- beziehungsweise Landschaftsbau mit unbegrenzten Möglichkeiten tätig. Von gewissen Dingen habe ich aufgrund meines Hintergrunds wenig Ahnung. Das soll und muss ein Chef ansprechen und dann ist es auch für niemanden mehr ein Problem. Die Kombination und Ergänzung des gesamten Teams ist so extrem spannend und für alle eine Entwicklung mit grossem Potenzial.

Zum Beispiel?

Einen Kunden im Bereich Gartenunterhalt zu beraten kann ich nicht allein, weil mir die dafür zwingend nötige Fachkompetenz fehlt. Wir haben aber sehr gute und kompetente Leute in der Firma, die ich für dieses Gespräch mitnehmen müsste.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?

Diese schätze ich hinsichtlich der Auftragslage als gut bis sehr gut ein. Ich sehe aber auch die Schwierigkeiten aufgrund der Preis- und Kostensituation, die sich im letzten, aber auch in diesem Jahr noch verschärft hat. Wir Unternehmer sind noch mehr gefordert, effizienter zu arbeiten und bessere Lösungen zu entwickeln.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Ich sehe diesbezüglich ausschliesslich eine riesengrosse Chance. Wenn man Tools richtig nutzen kann, wird das beispielsweise die Administration sehr vereinfachen. Das braucht ein bisschen Aufwand und Geduld, schliesslich muss man die Leute überzeugen. Ich habe mir Zwischenziele gesetzt, die ich mit den Mitarbeitern bis Ende 2023 erreichen will. Die Digitalisierung verändert aber auch die Baustelle, etwa mit Drohnenvermessungen und -aufnahmen. Oder mit GPS ausgerüsteten Baggern. Das gibt einen Riesenschub die nächsten Jahre. Hier will Bächler + Güttinger AG Gas geben, um am Markt noch attraktiver zu werden und auch zukünftig den Jugendlichen eine coole Lehr- und Arbeitswelt zu bieten.

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?

In einem Unternehmen der Baubranche zu arbeiten, bedeutet, dass man sehr viele Möglichkeiten hat, die Branche zu beeinflussen. Mit topmotivierten Leuten und Effizienz kann man extrem viel herausholen. Die Preisentwicklung schätze ich weniger, weil wir Unternehmer die Risiken in vielen Fällen selbst tragen müssen; hier würden wir eine Risikoverteilung aller Projektbeteiligten als fair betrachten.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Image der Baubranche zu verbessern?

Wenn ich mir unseren Marktauftritt anschaue, so ist diese noch recht zurückhaltend. Wir möchten peppiger werden und auch Social-Media-Plattformen viel mehr miteinbeziehen. Das Ganze soll cooler werden, um auch jüngere Gene-rationen anzusprechen. Wir sind bereits dran und werden in den nächsten Monaten interessante Projekte lancieren. Wichtig ist, dass wir jederzeit transparent, zuverlässig, qualitativ hochstehend und kundenorientiert handeln. 

(Interview: Claudia Porchet)

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten die gleichen zwanzig Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.

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