12:04 KOMMUNAL

Natürliche Lebensräume: Mehr Dunkelheit und weniger Licht für mehr Biodiversität

Teaserbild-Quelle: Erik Karits, Pixabay-Lizenz

Künstliches Licht stört nachtaktive Tiere, weil es ihre Lebensräume zerschneidet, ihre Mobilität behindert und sich damit negativ auf die Biodiversität auswirkt. Ein internationales Forschungsteam rät zu einer weltweit „dunklen Infrastruktur“. 

Sperlingskauz

Quelle: Erik Karits, Pixabay-Lizenz

Der Sperlingskauz gilt als kleinste Eule Europas. Der kleine Raubvogel ist nachtaktiv, aber auch in der Dämmerung und tagsüber unterwegs.

Nachtlandschaften – Gebiete, die nachts vom künstlichen Licht verschont sind - sollte ebenso wie andere Lebensräume geschützt werden. Und zwar auf der ganzen Welt. Dies fordern Autoren einer aktuellen Studie in zum Thema Landschaft und Stadtplanung, unter Leitung der UMS PatriNat in Frankreich.

Insbesondere für nachtaktive Tiere, die Lichtquellen meiden, könne Licht als Barriere wirken, sagt Franz Hölker, Forscher am deutschen Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). „Man spricht dann auch vom Vermeidungseffekt.“ Daneben gibt es aber auch sogenannten Sink- oder Crash-Effekte. Das heisst, dass Lichtquellen Vögel, Fledermäuse oder Insekten irritieren oder diese anziehen,  je nachdem im Zuge dessen sterben und der Folge wiederum in anderen Ökosystemen fehlen.  Laut Hölker wirken sich beide Effekte auf die Populationen aus – auf Sterberaten ebenso wie auf die Fortpflanzung oder die Nahrungssuche. So ist Lichtverschmutzung auch als ein Grund für das weltweite Insektensterben betrachtet.

Dunkle Infrastruktur in grüne Infrastruktur integrieren

Trotz solcher Auswirkungen ist die Lichtverschmutzung laut IGB in Naturschutzgebieten bislang kein Bewertungskriterium. Und so haben die dunklen Flächen in Europa zwischen 1992 und 2010 um 15 Prozent abgenommen, auch in den Schutzgebieten.

Bei der Erarbeitung von Strategien zum Schutz der Biodiversität sind laut IGB in den vergangenen Jahren ökologische Netzwerke zunehmend mit einbezogen worden, und zwar über sogenannte grüne Infrastrukturen. Die Europäische Umweltagentur  bezeichnet damit „ein strategisch geplantes Netzwerk natürlicher und naturnaher Gebiete, das so gestaltet und verwaltet wird, dass es zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in fragmentierten Landschaften beiträgt und eine breite Palette von Ökosystemleistungen erbringt“.  Ebenso gilt dies für die blaue Infrastruktur – darunter werden Wasserlebensräume verstanden. - In der Praxis wird beim Begriff „grüne Infrastruktur" oft die blaue Infrastruktur mit gemeint.

Hölker und seine Kollegen schlagen vor, dass für die grüne und blaue Infrastruktur die nächtliche Dunkelheit als Schutzkriterium mitberücksichtigt wird. Dies, um in solchen Gebieten einen möglichst hohen Grad an natürlicher Dunkelheit zu erhalten oder dessen Wiederherstellung zu fördern.

Schweiz, Frankreich und USA gehen mit gutem Beispiel voran

 „In der Schweiz, in Frankreich und in den USA gibt es bereits Projekte für dunkle Infrastrukturen“, sagt Schroer und verweist darauf, dass diese auch in anderen Ländern als Fallstudien für städtische und natürliche Gebiete dienen können. Ein Beispiel dafür ist die nordfranzösische Stadt Douai: Mittels einer akustischen Untersuchung der Aktivitäten von Fledermäusen auf dem Gemeindegebiet konnte eine dunkle Infrastruktur festgestellt werden. „Übersetzt“ man diese in Kerngebiete und Korridore, werden Übergänge mit wechselnden Dunkelheitsstufen erkennbar. Derartige Erkenntnisse können dabei helfen, Massnahmen zu Erhalt und Wiederherstellung der dunklen Infrastruktur zu ergreifen und zu gewichten.  (mai/mgt)

Studie: Romain Sordello; Samuel Busson; Jérémie H. Cornuau; Philippe Deverchèrd; Baptiste Faure; Adrien Guetté; et. al. (2022): A plea for a worldwide development of dark infrastructure for biodiversity: practical examples and ways to go forward, in: Landscape and Urban Planning. - 219, Art. 104332. 


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