12:05 KOMMUNAL

Historische Parkanlagen: Lebendige Denkmäler pflegen

Teaserbild-Quelle: Basel-Stadt_Juri Weiss

Basel verfügt über etwa siebzig öffentlich zugängliche historische Gärten und Parks. Überlieferte Strukturen und heutige Bedürfnisse aufeinander abzustimmen ist anspruchsvoll. Seit wenigen Jahren gibt es dafür eine spezialisierte Stelle bei der Stadtgärtnerei.

Die Stadtgärtnerei Basel hat vor gut zwei Jahren eine Fachstelle für Gartendenkmalpflege eingerichtet. Nach Zürich und Bern ist Basel damit die dritte Schweizer Stadt, die eine solche Fachstelle hat. Sie wurde notwendig, da die sich die Fragen nach dem richtigen Umgang mit historischen Gärten bei Planungs- und Bauprozessen oder auch bei Baugesuchen häuften. Es brauchte eine kompetente Anlaufstelle, die zwischen Gartenkunst, Baukultur, Stadtentwicklung und Zeitgeschichte vermittelt.

«Historische Parks sind lebendige Denkmäler. Die Natur ist in stetem Wandel, Bäume und Sträucher wachsen und sterben, das Klima ändert sich. Die Aufgabe der Gartendenkmalpflege kann daher nicht sein, einen Ist-Zustand zu konservieren. Stattdessen soll ein historisch bedeutsamer
Garten oder Park im Sinne seiner ursprünglichen Anlageidee weiterentwickelt werden», stellt Susanne Winkler klar. Sie ist die Fachstellenleiterin Gartendenkmalpflege der Stadtgärtnerei Basel.

Fehlentwicklungen vorbeugen

Zu Winklers Aufgaben gehört es, die etwa siebzig historischen öffentlichen Gärten und Grünanlagen in Basel in das «Inventar schützenswerte Gartenanlagen» zu überführen. Darauf aufbauend entwickelt sie in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachexperten entsprechende Parkpflegewerke. Ein solches Parkpflegewerk analysiert, dokumentiert und bewertet den Bestand und die Geschichte des Ortes. Es beinhaltet Vorgaben zur denkmalgerechten Pflege und zum Erhalt, definiert aber auch Ziele zur Weiterentwicklung. So soll Fehlentwicklungen und Verlusten vorgebeugt werden.

Die Stadt Basel zählt etwa siebzig historische öffentliche Gärten und Parks, in denen Jogger sich ihren eigenen Weg auf weichem Untergrund suchen. Nun sollen Parkanlagen wie die Schützenmatte ins Inventar schützenswerter Gartenanlagen überführt werden.

Quelle: Basel-Stadt_Juri Weiss

Die Stadt Basel zählt etwa siebzig historische öffentliche Gärten und Parks, in denen Jogger sich ihren eigenen Weg auf weichem Untergrund suchen. Nun sollen Parkanlagen wie die Schützenmatte ins Inventar schützenswerter Gartenanlagen überführt werden.

Historische Gärten und Parks unter Schutz zu stellen ist nicht das vorrangige Ziel der Fachstelle. Zuerst einmal geht es um eine sorgfältige Inventarisierung bedeutender Anlagen auf Basler Stadtgebiet. Dieses Inventar bildet dann eine Basis für den Umgang mit diesen Grünanlagen bei Stadtplanungsprozessen oder Baubegehren.

Auch im Grünflächenunterhalt soll es Gärtner und Planer für das richtige Vorgehen sensibilisieren. «Wenn wir einen Park unter Schutz stellen, kann es sein, dass wir im Hinblick auf Pflege und Entwicklung nicht mehr so reagieren können, wie dies im sich ständig wandelnden Bild von Stadt, Natur und Klima vielleicht notwendig wäre», stellt die Landschaftsarchitektin klar. Im Parkpflegewerk wird dann festgehalten, wie sich der Park entwickeln soll, beispielsweise mit welchen Pflanzen und unter welchem Schnittregime.

Bis zum kommenden Frühjahr will die Fachstelle Inventarblätter für alle Basler Parks mit historischer Bedeutung fertigstellen. Dazu gräbt sich Winkler auf der Suche nach Quellen durch das Staatsarchiv und das hauseigene Archiv der Stadtgärtnerei. Sie sammelt Archivalien und wertet diese gemeinsam mit verschiedensten Experten aus, oftmals auch bei Begehungen vor Ort.

Grundstruktur seit 120 Jahren intakt

Ihre Aufgaben erklärt sie am Beispiel des Schützenmattparks, da er in seiner Grundstruktur auch nach 120 Jahren noch fast vollkommen intakt ist. Er war Basels erster eigentlicher Volkspark und wurde 1899 im Stile eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Winkler: «Notwendig wurden solche Grünanlagen in Basel erst durch die Stadterweiterung um 1860.» Vorher war Basel über Jahrhunderte nur langsam gewachsen und innerhalb der Stadtmauern so kompakt geblieben, dass die Stadtväter zwar immer wieder Bedenken über die hygienischen Verhältnisse in den immer dichter bebauten Gassen und Hinterhöfen äusserten, die freie Natur aber konnte jeder noch zu Fuss innerhalb kurzer Zeit erreichen.

1855 jedoch setzte ein Umdenken ein. Damals kam es zu einer Choleraepidemie, ausgelöst durch zu enge Wohnverhältnisse, die mangelhafte Ableitung von Abwässern und die in den engen Gassen unzureichende Müllentsorgung. Bald darauf wurde ein Gesetz zur Stadterweiterung
erlassen, um für mehr Licht und Luft und besseren Wohnraum für die wachsende Bevölkerung zu sorgen. Mit der Erweiterung riss man nicht nur die Stadtmauern und zu enge Strassenzüge und Hinterhofverbauungen ab, sondern holte auch durch neu angelegte, breite Alleen erstmals bewusst Grün in die Stadt. So war die Schützenmatte, die über Jahrhunderte als Schiessplatz vor den Toren der Stadt verwendet worden war, bald von Strassen und Häusern umgeben.

Das Bild des Parks wird von einzeln oder in Gruppen stehenden Bäumen und dichten Kastanienreihen geprägt. Linden bilden an den Rändern Baumalleen, und das schon seit 500 Jahren.

Quelle: zvg, Grundbuch- und Vermessungsamt Basel-Stadt

Das Bild des Parks wird von einzeln oder in Gruppen stehenden Bäumen und dichten Kastanienreihen geprägt. Linden bilden an den Rändern Baumalleen, und das schon seit 500 Jahren.

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