14:10 KOMMUNAL

Gewässer: Schwer abbaubare Pflanzenschutzmittel im Grund

Teaserbild-Quelle: Aduvenhage, eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,

Verbote einzelner Pflanzenschutzmittel wirken. Dennoch steigt die Belastung durch bewilligte Pflanzenschutzmittel an. Dies verdeutlicht eine Untersuchung der Universität Bern von Sedimenten aus dem Moossee. Gemäss den Forschungsteam zeigt sie, dass Pestizide den Lebensraum von Pflanzen und Tieren so stark wie noch nie belasten.

Moossee

Quelle: Aduvenhage, eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,

Leidet wie andere Gewässer unter Pflanzenschutzmitteln: der Moossee

Als in den 1960er Jahren in der Schweizer Landwirtschaft immer mehr Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden, dachte niemand daran, Bäche, Flüsse, Seen oder das Grundwasser auf entsprechende Rückstände zu untersuchen. Heut weiss man, dass die Chemikalien bereits in kleinsten Konzentrationen Wasserlebewesen schädigen. Daten dazu, wie sich diese Konzentrationen im Lauf der Zeit verändert haben, sind deshalb von grossem Interesse. Sie lassen sich anhand von Ablagerungen im Boden von Seen ermitteln. Die Universität Bern hat dazu eine Analysemethode entwickelt. Laut Medienmitteilung der Universität können mit ihr Wissenslücken über die Verbreitung von Pestiziden geschlossen werden.

Die Berner Umweltwissenschaftlerin Aurea Chiaia-Hernández, sie ist für das Geographischen Institut und  Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern tätig, und ihr Team untersuchten für ihre Studie Sedimentproben aus dem Moossee.

Der kleine See in der Nähe von Bern sei typisch für viele Seen in der Schweiz, die stark von der Landwirtschaft stark beeinträchtigt werden, teilt die Universität Bern mit. Denn auch wenn sie unter Naturschutz stehen, werden ihre Ökosysteme von einer Vielzahl Pestizide belastet, die je nach dem über Zuflüsse oder direkt von den Äckern in ihrem Wasser landen.

Pflanzenschutzmittel bauen sich kaum ab       

Die Forschenden untersuchten einen 60 Zentimeter langen Sedimentkern: Sie konnten 34 verschiedene Pflanzenschutzmittel nachweisen. Die Anzahl Pflanzenschutzmittel wie ihre Konzentration hat seit den 1960er-Jahren stark zugenommen. Bei den meisten eingesetzten Mitteln wurden die höchsten Werte in den Sedimentschichten ab Ende der 1990er Jahre bis etwa 2010 gemessen. Bei einem Viertel davon stieg die Konzentration allerdings auch danach weiter an. Das gilt vor allem für Fungizide. Seit 2002 ist der Einsatz einzelner Produkte verboten – was sich schon wenige Jahre später an ihrer geringeren Konzentration in den entsprechenden Schichten nachvollziehen lässt.

Und nach wie vor lassen sich Mittel wie Herbizide nachweisen, die seit zehn oder gar 20 Jahren nicht mehr eingesetzt werden dürfen. „Wir finden diese Stoffe auch in den jüngsten Sedimentschichten – das zeigt, wie schwer abbaubar Pflanzenschutzmittel in Gewässern sind, und wie lange sie in der Umwelt verbleiben“, sagt Aurea Chiaia-Hernández.

Belastung seit 40 Jahren zu hoch

Die Rückstände wirken sich unter anderem negativ auf das Leben am Boden der Seen aus. Sedimente sind ein wichtiger Bestandteil von Gewässern: Sie dienen Wasserorganismen als Lebensraum und Laichplatz, zudem erfüllen sie essenzielle Funktionen im Nährstoffkreislauf.

Wie die Untersuchung zum Moossee zeigt, ist es um die Qualität dieses Lebensraums schlecht bestellt.  «Unsere Studie belegt, dass die Qualität der Sedimente als Lebensraum seit den 1980er Jahren permanent ungenügend ist», so Chiaia-Hernández. Die grössten ökotoxikologischen Risiken gehen von Herbiziden und zunehmend von Insektiziden wie zum Beispiel dem seit Juli diesen Jahres in der Schweiz verbotenen Chlorpyrifos aus.

Bis anhin war über die Belastung der Seesedimente durch Pflanzenschutzmittel nicht viel bekannt – vor allem, weil es an Analysemethoden fehlte. Die Berner Studie kommt nun zum Schluss, dass das ökologische Risiko, das Pflanzenschutzmittel am Boden dieses Kleinsees darstellen, noch nie so hoch war wie heute. Die höchsten Werte wurden für die jüngsten Schichten der Seesedimente ermittelt. 

Chiaia-Hernández und ihr Team haben ihre Studie in der Fachzeitschrift «Environmental Science & Technology» veröffentlicht. (mgt/mai)


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