Mit einfachen Steinhaufen zu mehr Hermelinen in der Schweiz
Sie sind klein und flink und in der Schweiz zunehmend gefährdet: Hermeline. Laut Studien von Forschenden der Uni Bern lässt sich ihre Population aber mit einfachen Mitteln fördern – zum Beispiel mit Ast- und Steinhaufen.
Quelle: Laurent Schenker
Hermelin im Winterkleid: Die kleinen Tiere spielen eine wichtige ökologische Rolle für die Landwirtschaft, da sie sich von Feld- und Schermäusen ernähren und damit zur Schädlingskontrolle beitragen.
Die Bestände vieler Tierarten, die charakteristisch für landwirtschaftliche Lebensräume sind, gehen in der Schweiz immer weiter zurück – trotz jahrzehntelanger Bemühungen. Mehr als 50 Prozent davon stünden weiterhin auf den Roten Listen der gefährdeten Arten, heisst es in einer Medienmitteilung der Universität Bern. Besonders davon betroffen sind kleine Beutegreifer wie Hermeline und Mauswiesel.
Die kleinen Tiere spielen eine wichtige ökologische Rolle für die Landwirtschaft: Sie ernähren sich von Feld- und Schermäusen und tragen damit zur Schädlingskontrolle bei. Ein Hermelin frisst in der Regel ein bis zwei Wühlmäuse pro Tag. Gleichzeitig sind die zur gleichen Familie wie Marder zählenden Tiere auf vielfältige, strukturreiche Landschaften angewiesen, die ihnen Versteck-, Fortpflanzungs- und Jagdmöglichkeiten bieten.
Quelle: Jean-Yves Humbert
Steinhaufen mit Kamerabox zum Nachweis von Hermelinen und Mauswieseln.
Kleinstrukturen erhöhen Präsenz
Forschende des Instituts für Ökologie und Evolution der Uni
Bern haben in zwei aufeinanderfolgenden Studien untersucht, wie sich regionale
Biodiversitätsprojekte – insbesondere die Installation von Kleinstrukturen wie
Stein- und Asthaufen – auf die Populationen von Hermelinen und Mauswiesel
auswirken.
Die Ergebnisse: Einfache Kleinstrukturen können die Präsenz
von Hermelinen in landwirtschaftlichen Gebieten signifikant erhöhen. Dies
zeigte sich insbesondere bei einer fachlichen Begleitung regionaler Projekte
und einer Koordinierung zwischen mehreren landwirtschaftlichen Betrieben auf
einer Landschaftsebene.
«Leider war die Anzahl nachgewiesener Mauswiesel zu gering, um Aussagen zur Wirkung der Massnahmen auf diese Tierart zu machen. Dies widerspiegelt ihren Status als gefährdete Art auf der Schweizer Roten Liste umso deutlicher», wird Jean-Yves Humbert, Leiter der beiden Studien, in der Medienmitteilung zitiert.
”Obwohl regionale Biodiversitätsförderprojekte seit Langem als sinnvoll gelten, fehlten bislang wissenschaftliche Belege für ihre tatsächliche Wirkung.
Andrin Dürst, Co-Autor der Studien und Doktorand am Institut für Ökologie und Evolution
Andrin Dürst, Co-Autor der Studien und Doktorand am Institut für Ökologie und Evolution
14 Regionen im Schweizer Mittelland untersucht
Regionale Biodiversitätsförderprojekte umfassen koordinierte Naturschutzinitiativen wie regionale Naturpärke, Projekte von Naturschutzorganisationen oder landwirtschaftliche Vernetzungsprojekte, bei denen Landwirtschaft, Behörden und Experten zusammenarbeiten, um Lebensräume gezielt aufzuwerten und zu vernetzen. «Obwohl regionale Biodiversitätsförderprojekte seit Langem als sinnvoll gelten, fehlten bislang wissenschaftliche Belege für ihre tatsächliche Wirkung», erklärt Andrin Dürst, Co-Autor der Studien und Doktorand am Institut für Ökologie und Evolution.
Das Forschungsteam analysierte daher die Effekte solcher Massnahmen in landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Schweiz. Konkret untersucht wurden 14 gepaarte Regionen im Schweizer Mittelland, bestehend aus jeweils einem Gebiet mit Massnahmen, welche die Biodiversität fördern, wie der Installation von Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen, und einer Vergleichsregion ohne solche Massnahmen. In den Vergleichsgebieten gab es zwar teilweise auch Kleinstrukturen, diese wurden jedoch ohne fachliche Begleitung und Koordination errichtet.
Quelle: Artenspürhunde Schweiz, Bild: Mayk Wendt
Artenspürhund beim Einsatz, auf der Suche nach Kot von Hermelinen und Mauswieseln im Steinhaufen.
Hermeline mit Spürnasen nachweisen
Um die Population dieser schwer fassbaren Tiere zu untersuchen, setzten die Forschenden zwei neuartige Methoden ein: Kamerafallen und Artenspürhunde. Die Kamerafallen wurden in Kisten mit Tunneln installiert, die die neugierigen Tiere gerne erkunden und durchqueren. Dadurch konnten sie unbemerkt fotografiert werden.
Darüber hinaus kamen gemäss Communiqué erstmals und in Zusammenarbeit mit Artenspürhunde Schweiz speziell dafür ausgebildete Spürhunde zum Einsatz. Diese sind darauf trainiert, Kot von Hermelinen und Mauswieseln über ihren Geruchssinn aufzuspüren. Durch diese Kombination aus technischer Ausrüstung und tierischer Spürnase konnte die Präsenz der Tiere präzise und effizient erfasst werden.
«Dieser Ansatz ermöglichte uns einen zuverlässigen und grossräumigen Vergleich zwischen Gebieten mit und ohne Fördermassnahmen», sagt Dürst.
Quelle: Andrin Dürst
Nachweis eines Hermelins mittels Kamerafalle. Innenansicht einer Kamerafalle in der Kiste.
Regional koordinierte Projekte besonders wirksam
Die Ergebnisse zeigen, dass in Regionen mit koordinierten Fördermassnahmen 2,5-mal mehr Hermeline nachgewiesen wurden als in vergleichbaren Gebieten ohne entsprechende Massnahmen. Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen spielten dabei eine Schlüsselrolle als Rückzugsorte und Jagdgebiete. Ihre Anzahl wirkt sich positiv auf die Häufigkeit von Hermelinen aus, wobei Steinhaufen von den Tieren bevorzugt werden, insbesondere, wenn sie ausreichend gross sind und geeignete Hohlräume aufweisen.
”Durch eine verstärkte Zusammenarbeit auf Landschaftsebene und die gezielte Förderung kleiner Lebensräume kann die Biodiversität langfristig verbessert werden.
Jean-Yves Humbert, Leiter der beiden Studien
Jean-Yves Humbert, Leiter der beiden Studien
«Unsere Ergebnisse zeigen weiter, dass für die Population von Hermelinen nicht nur das Vorhandensein von Kleinstrukturen entscheidend ist, sondern auch deren Qualität und die gezielte Platzierung in der Landschaft», erklärt Dürst. Eine professionelle Planung und die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtinnen und Landwirten, Biologinnen und Biologen und Behörden seien ausschlaggebend für den Erfolg dieser Massnahmen.
Humbert ergänzt: «Die Resultate liefern einen wichtigen Impuls für die Landwirtschafts- und Naturschutzpolitik. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit auf Landschaftsebene und die gezielte Förderung kleiner Lebensräume kann die Biodiversität langfristig verbessert werden, zum Nutzen von Natur, Landwirtschaft und Gesellschaft».
In einem nächsten Schritt wird die Forschungsgruppe den Effekt der Kleinstrukturen auf weitere Artengruppen wie Reptilien, Laufkäfer und Spinnen untersuchen. (mgt/pb)
Literaturhinweis
Egloff, G. B., Schenker, L., Riverendo, S., Dürst, A. C., Heckel, G., Karp, D., & Humbert, J.-Y. (2025). The role of small structures for stoats in agricultural landscapes. Journal for Nature Conservation, 85.
URL: https://doi.org/10.1016/j.jnc.2025.126865
DOI: 10.1016/j.jnc.2025.126865
URL: https://doi.org/10.1016/j.gecco.2026.e04082
DOI: 10.1016/j.gecco.2026.e04082