Architektur-Juwelen im Kriegsland Ukraine
Trotz des seit zwölf Jahren tobenden Ukraine-Krieges geht das Leben hinter der Front weiter. In der Nähe von Kiew wurde kürzlich ein Ensemble von Landhäusern eingeweiht, die Tradition und moderne Konzepte wunderschön verschmelzen.
Quelle: Mykhailo Lukashuk
Schlicht, aber schön und durchdacht: die neuen Landhäuser des Architekturbüros YOD Group.
Seit Jahren tobt in der Ukraine ein Krieg, nachdem das Land 2014 von Russland angegriffen worden war. Abseits der Front versuchen die Menschen, ein möglichst normales Leben zu führen. Im Zentrum des Landes, auf einem ruhig gelegenen Privatgrundstück ausserhalb von Kiew, haben Architektinnen und Architekten des Büros «YOD Group» eine Gruppe von Landhäusern errichtet, welche traditionelle Bauweisen und moderne Konzepte miteinander verbinden.
Dabei wurde das traditionelle ukrainische Mazanka-Landhaus durch einfache, aber wirkungsvolle Elemente und Lösungen weiterentwickelt: dicke, geweisste Wände, ein bewusst überdimensioniertes Strohdächer und ein gleichmässiger Putz prägen das Haus von aussen, während im Inneren durchgehende Glasfassaden für viel Licht sorgen.
Quelle: Mykhailo Lukashuk
Die Landhäuser befinden sich auf einem Privatgrundstück ausserhalb der Hauptstadt Kiew.
Tradition neu interpretiert
«Unsere Philosophie umfasst mehr nur den Einsatz lokaler Baumaterialien oder traditioneller Formen», erklärt Volodymyr Nepiyvoda, Mitbesitzer und Manager des Architekturbüros YOD Group. «Wir haben das traditionelle ukrainische Landhaus studiert, seine Essenz herauszufiltern versucht und diese neu interpretiert, aus der traditionellen Bauweise ein aktuelle architektonisches Objekt entwickelt.»
Dabei ist das grosszügige Layout der Häuser um einen funktionalen Kern organisiert: Dieser besteht aus einem zentralen Betonblock, welcher das Badezimmer enthält. Auf den Seiten sind das Schlafzimmer und der Wohnbereich angebracht. Letzterer beinhaltet eine sehr einfach gehaltene Feuerstelle, dies als Anlehnung an den traditionellen ukrainischen Ofen.
Quelle: Mykhailo Lukashuk
Die Innenräume sind schlicht gehalten; Naturfarben und haptisch angenehme Oberflächen sorgen für Gemütlichkeit.
Fassaden verschwinden
Tagsüber verschwinden die vollverglasten Fassaden gleichsam; es entsteht der Eindruck, dass das zehn Meter hohe, massive Dach über der Landschaft schwebt. Der Boden der Häuser ist mit einem durchgehenden, fugenlosen Steinplatten-Belag versehen, mit einer angenehmen Haptik und einem angenehmen, leichten Massage-Effekt, wenn man barfuss unterwegs ist.
Der durch nichts verstellte Blick nach draussen verstärkt den Eindruck, gleichsam in die umgebende Natur eingebettet zu sein. Automatische Vorhänge können bei Bedarf für Privatsphäre sorgen, lassen dabei aber dennoch viel Licht in die Innenräume.
.Tagsüber verschwinden die durchgehend verglasten Fassaden und lassen Aussen in Innen verschmelzen.
Moderner «Öko-Minimalismus
Diese Innenräume sind nach den Prinzipien eines modernen «Öko-Minimalismus» gestaltet: Er beinhaltet eine zurückhaltende, natürliche Farbpalette, weist viele taktil interessante Oberflächen auf uns sorgt insgesamt für eine ruhige Atmosphäre.
Dazu gehört auch der bewusste Verzicht auf einen Fernseher: Der Blick auf die Feuerstelle ersetzt die mediale Ablenkung und lädt Bewohnerinnen und Bewohner dazu ein, sich bewusst der allgegenwärtigen Informationsflut zu entziehen und, zur ländlichen Umgebung passend, emotional herunterzukommen.
Für angenehme Temperaturen und heisses Wasser sorgen eine Wärmepumpe, die von einer Klimaanlage, die unauffällig in die Landhäuser integriert ist, so dass die Wände visuell «»sauber«» und durch nichts unterbrochen bleiben. (bk)
Quelle: Mykhailo Lukashuk
Die Landhäuser bei Nacht: Gegen den kalten ukrainischen Winter helfen Wärmepumpen-Heizungen mit Komfortlüftung.