Bauen mit Wüstensand: Botanischer Beton soll es möglich machen
Der Bau verschlingt Unmengen an Sand: Bald könnte das für Zement wichtige Bindemittel knapp werden. Zumal sich nicht jede Sorte eignet, vor allem der Wüstensand. Geht es nach einem norwegisch-japanischen Forschungsteam liesse er sich dennoch nutzen.
Quelle: NASA, National Aeronautics and Space Administration, Gemeinfrei
Massen von Baumaterial? Dünenfelder von Erg Tiffernine in Algerien, aufgenommen aus dem Orbit im Juli 1995.
Zur Herstellung von Beton braucht es Sand mit der perfekten Körnung: Er findet sich auf dem Grund von Flussbetten und bildet Strände oder er wird aus zermahlenem Gestein künstlich hergestellt. Während sich angesichts der gewaltigen abgebaggerten und abgegrabenen Mengen Sand die Frage stellt, wie lange es noch dauert, bis er zur Mangelwahre wird, lagern Unmengen davon in den Wüsten der Welt. Allerdings ist dieser Sand zu fein, als dass er als Bindemittel für Beton eignet.
Geht es nach Ren Wei, Postdoktorand am Institut für Fertigungstechnik und Bauingenieurwesen der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU), lässt sich das Problem des dräuenden Sandmangels lösen: mit sogenanntem botanischen Sandbeton.
Hitze, Wüstensand und winzige Holzstückchen
Zusammen mit Kollegen von der NTNU sowie der Universität Tokio hat Wei einen Prototyp des Materials entwickelt: Bei der Herstellung werden Wüstensand und pflanzliche Zusatzstoffe miteinander kombiniert; der Wüstensand und winzige Holzstückchen werden zusammengepresst und erhitzt.
Laut Medienmitteilung haben Wei und seine Kollegen mit verschiedenen Ansätzen experimentiert: Sie testeten unterschiedliche Mischverhältnisse, Temperaturen, Druckkräfte und Presszeiten, aber auch Sandarten. Dabei zeigte sich: Wüstensand funktioniert hierbei laut der TU hervorragend. Der Botanische Sandbeton sei derart stabil, dass er etwa als Pflästerung für Fusswege dienen kann. - Aktuell planen Wei und seine Kollegen den Einsatz in Innenräumen.
Botanischen Beton vor Ort verbauen
Einfach«Der Herstellungsprozess ist relativ einfach, somit kann das Material an vielen Orten hergestellt werden», sagt Wei. « Es braucht allerdings noch weitere Tests, unter anderem um sicherzustellen, dass das Material der Kälte standhält, bevor es in Norwegen eingesetzt werden kann.»
Damit der grösstmögliche Nutzen für die Umwelt zu erzielt werden kann, sollte der Wüstensand laut Wei in der Region verwendet werden, in der er verfügbar ist. Dies, damit der weltweite Transport von Wüstensand nicht zu einem zusätzlichen Umweltproblem wird. (mai/mgt)