08:53 VERSCHIEDENES

Rechenzentren zukünftig im All?

Teaserbild-Quelle: spaceX

Der Bau grosser, energiefressender Rechenzentren, stösst auf der Erde zunehmend an Grenzen. Deshalb arbeiten Technologieriesen daran, diese Rechenzentren künftig in All zu verlagern und effizient mit Sonnenenergie zu betreiben.


86084

Quelle: spaceX

Bis in zwanzig Jahren könnte mit Sonnenenergie betriebene Rechenzentren in einer Erdumlaufbahn kreisen.

Bereits Ende letzten Jahres hatte SpaceX-Besitzer Elon Musk eine verrückt tönende Idee ins Spiel gebracht: Dank Fortschritten von SpaceX im Raketenstartgeschäft hatte Elon Musk bereits im November erwogen, diese Trägerraketen für den Bau von Rechenzentren im All zu nutzen. Dazu passt auch Musks Entscheidung, sein KI-Unternehmen xAI in den Raumfahrtkonzern SpaceX zu integrieren.

Der Hintergedanke: Der Bau grosser, energiefressender Rechenzentren stösst auf der Erde zunehmend an Grenzen, vor allem wegen der zunehmenden Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Im All, genauer in einer Umlaufbahn zur Erde, könnten solche Rechenzentren ins All verlagern, deren Bau an Land zunehmend an Grenzen stösst. Hier wäre es, ohne die störende Erdatmosphäre, möglich, die Sonnenenergie sehr viel effizienter zu nutzen.

Warum der Weltraum?

Konkret sollen Satelliten auf Umlaufbahnen positioniert werden, die dauerhaft dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, ohne jemals in den Erdschatten zu geraten. So wäre eine unterbruchsfreie Versorgung mit grossen Mengen an Elektrizität möglich. Gleichzeitig müssen die Rechenzentren im Weltall nicht gekühlt werden, da sie sich in einer luftleeren Umgebung von -273 Grad Celsius befinden.

Der Bau im All machet es auch nicht nötig, Grundstücke zu erwerben, was immer wieder am lokalen Widerstand der Bevölkerung scheitert: Vor allen in den USA wird der enorme Stromverbrauch grosser Serverfarmen zunehmend für steigende Stromrechnungen verantwortlich gemacht.

BBL3096cqTR9D5Pyp-2lux

Quelle: spaceX

Wiederverwertbare Raketen könnten die Kosten für solche nicht-erdgebundenen Rechenzentren erheblich senken.

Besser für die Umwelt?

Sogar die Umwelt könnte profitieren: Nach Abzug der Umweltbelastung durch Raketenstarts könnte der Bau von Rechenzentren im All insgesamt sogar umweltfreundlicher sein.

Bei der Datenübertragung setzen die aktuellen Konzepte auf Konstellationen von Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn, die nahe genug beieinander fliegen, um eine zuverlässige drahtlose Verbindung zu gewährleisten. Laser sollen anschliessend die Verbindung zu den IT-Systemen auf der Erde herstellen.

Zahlreiche Firmen beteiligt

Was wie eine reine Zukunftsphantasie tönt, ist für rund ein Dutzend Start-ups, führende Raumfahrtunternehmen und grosse Technologiekonzerne bereits Gegenstand konkreter Tests, und die entsprechenden Infrastrukturen sind in Planung. So richtet der erwähnte Elon Musk mit seinem Autohersteller Tesla einen Teil seiner Aktivitäten auf humanoide Roboter aus, die in seiner futuristischen Vision die Wartungsteams dieser orbitalen Rechenzentren stellen könnten.

Aber auch andere Unternehmen sind aktiv: Ende 2025 brachte das US-Start-up Starcloud einen satellitengrosses  Mini-Rechenzentrum-Prototypen in der Grösse eines Kühlschranks in die Umlaufbahn. Er ist mit Grafikprozessoren (GPU) des KI-Chipherstellers Nvidia ausgestattet, der die «kosmischen Anfänge» dieses Projekts begrüsste. Parallel dazu stellte Google sein Projekt «Suncatcher» vor. Google will bis in einem Jahr Testsatelliten starten, um solarbetriebene Rechenzentren im Weltraum zu entwickeln. Blue Origin schliesslich, das Raumfahrtunternehmen des Amazon-Gründers Jeff Bezos, bewirbt derweil TeraWave: ein im All installiertes Hochgeschwindigkeitsnetz, das es Rechenzentren auf der Erde ermöglichen soll, ohne Kabel weltweit miteinander zu kommunizieren.


Rechenzentrum Facebook Singapur, Visualisierung, Rendering

Quelle: Facebook

Hintergrund: Der Bau von Rechenzentren auf der Erde stösst mehr und mehr auf technische und gesetzgeberische Hindernisse.

Kosten für Transport sinken

Der Transport ins All galt bisher als grösstes Hindernis und grösster Kostentreiber dieser Lösung. Doch Starship, die wiederverwendbare Schwerlastrakete von SpaceX mit enormer Nutzlastkapazität, verspricht deutlich niedrigere Kosten. Im Moment sehen Experten aber noch viele Probleme, die es zu lösen gilt. «Ich denke, es wird noch Verbesserungen bei Effizienz und Kosten brauchen», bremst Matt Garman, Chef des Cloud-Giganten AWS, die Erwartungen.

Hinzu kommen weitere technische Herausforderungen, etwa die Widerstandsfähigkeit gegen Strahlung und extreme Temperaturen, das Kollisionsrisiko mit Weltraumschrott sowie die hohen Kosten für Reparaturen - mit oder ohne Roboter. Dennoch: Amazon-GründerJeff Bezos sieht die Zukunft großer Datacenter im Weltraum und rechnet damit, dass gigantische Rechenzentren in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren kostengünstiger im Orbit betrieben werden können als auf der Erde. (SDA/bk)


Auch interessant

Anzeige

Firmenprofile

Adria SA

Finden Sie über die neuen Firmenprofile bequem und unkompliziert Kontakte zu Handwerkern und Herstellern.

Reports

construction-report

Die neuen Baublatt Reports

Neben dem Report Baublatt Project Categories (ehem. Baublatt Analyse), bieten wir ab sofort zwei weitere brandneue Reports als Zusatz. Erfahren Sie hier was Baublatt Top Players und Baublatt Regional Projects zu bieten haben – wie gewohnt digital, prägnant und graphisch auf den Punkt gebracht.

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

newsico

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.