12:03 BAUSPASS

Drei nie gebaute Entwürfe von Frank Lloyd Wright als Rendering rekonstruiert

Geschrieben von: Pascale Boschung (pb)
Teaserbild-Quelle: Angi

Über 1000 Bauwerke hat der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright zu Lebzeiten realisiert. Bis heute existieren jedoch etwa 660 seiner Entwürfe nur auf Papier. Ein Internetdienstleister hat drei davon mittels alter Pläne als Renderings visualisiert.

Falling Water von Frank Lloyd Wright

Quelle: Daderot - Eigenes Werk, wikimedia, gemeinfrei

Blick auf das Wohnhaus «Falling Water», das Frank Lloyd Wright zwischen 1935 und 1939 realisierte. Heute ist das Bauwerk Teil der Unesco-Welterbeliste.

Auch über 60 Jahre nach seinem Tod ist der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright noch immer vielen ein Begriff. Was aber auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Wright zu seiner Lebenszeit laut der Frank Lloyd Wright Stiftung 1‘171 Bauwerke über die ganze Welt verteilt entworfen hat, die heute sogar teilweise auf der Unesco-Welterbeliste stehen. 

Ein bekanntes Beispiel dafür ist das «Falling Water», mit dem der Architekt zwischen 1935 und 1939 in der Nähe der Stadt Uniontown im Bundesstaat Pennsylvania ein Wohnhaus über einem Wasserfall realisierte. Bis heute gilt das Haus als ein Referenzbeispiel für organische Architektur, bei der Gebäude passend in die bestehende, natürliche Umgebung und Landschaft integriert werden.

660 Wright-Entwürfe wurden nie gebaut

Neben seinen vielen Werken fertigte der Architekt aber auch rund 660 Entwürfe für Gebäude an, die schlussendlich nie realisiert wurden. Von diesen Designs zeugen heute noch handgefertigte Zeichnungen und Pläne, die in diversen Architektur- und Kunstarchiven zu sehen sind oder von der Frank Lloyd Wright Stiftung aufbewahrt werden.

Angi, ein amerikanisches Online-Portal für Handwerkerjobs, hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf Basis dieser Pläne drei von Wrights nie gebauten Werken mittels Visualisierungen zum Leben zu erwecken. Dabei handelt es sich um ein Wohnhaus in Chicago, ein «Cottage Studio» für eine Schriftstellerin sowie die «Lake Tahoe Summer Colony» in Kalifornien. 

Weitere Informationen zu den nie gebauten Werken gibt es unten bei den Visualisierungen oder auf der Webseite des Online-Portals: www.angi.com


Cottage Studio for Ayn Rand von Frank Lloyd Wright

Quelle: Angi

Das geplante Wohnhaus für die Schriftstellerin Ayn Rand weist einige Ähnlichkeiten zum «Falling Water» auf.

Cottage Studio for Ayn Rand von Frank Lloyd Wright Grundriss

Quelle: Angi

Ein Cottage-Studio für die Schriftstellerin Ayn Rand

Im Jahr 1937 bat die russisch-amerikanische Schriftstellerin Ayn Rand den Architekten Frank Lloyd Wright um ein Interview für Recherchezwecke ihres späteren Romans «Der ewige Quell», der vom jungen Architekten Howard Roark handelt. Es wird angenommen, dass Wright als Vorbild für Roark diente. 1946 sollte der Architekt für Rand dann ein Haus entwerfen. Gebaut wurde es aber nie.

Denn Rand gab den Bau irgendwann auf, obwohl sie gegenüber Wright einst in einem persönlichen Brief ihre Begeisterung über sein Design ausdrückte. Für den Architekten selbst schien dies aber laut Angi schlussendlich eine Erleichterung gewesen zu sein, denn später soll er in Bezug auf den Entwurf gesagt haben, dass er «die Vaterschaft» für das Rand-Haus «verweigere».

Die Pläne von Wright zeigen ein Wohnhaus, das einige Ähnlichkeiten zum «Falling Water» aufweist. Der Bau wird von mehreren asymmetrischen Terrassen aus Beton geprägt, die sich verteilt aus der vertikalen Stütze ausdehnen, die womöglich als Kamin gedacht war. Im obersten Stockwerk sah der Architekt ein Schreibatelier mit Lamellenfenstern vor. 

Die ursprünglichen Pläne für das «Cottage Studio» können hier (dritte Zeichnung von oben) angeschaut werden.


Haus für David Devin von Frank Lloyd Wright

Quelle: Angi

Der experimentelle Entwurf für das Wohnhaus von Mrs. Delvin ist laut Angi eher untypisch für die Arbeit von Wright.

Haus für David Devin von Frank Lloyd Wright Grundriss

Quelle: Angi

Ein experimentelles Wohnhaus für Mrs. Devin

In den späten 1890er-Jahren sei Wright als Architekt noch auf sich allein gestellt gewesen und hätte praktisch noch keinen «Einfluss» auf die Projekte seiner Kunden nehmen können, schreibt Angi zu diesem Entwurf. Die Kundin war in diesem Fall die in den Memoiren des Architekten als «modisch und anspruchsvoll» bezeichnete Mrs. Aline Devin. Sie beauftragte Wright im Jahr 1896 damit, in Chicago ein Haus für ihre Familie zu entwerfen.

Laut Angi ist der experimentelle Entwurf eher untypisch für die Arbeit des Architekten. Obwohl Wright zu dieser Zeit mit der in der Zeichnung vorkommenden, geschwungenen, sullivanischen Ornamentik gespielt habe, passe das Haus nicht in seine Entwicklung als Architekt. Da es nie gebaut wurde, hinterlasse es eine einzigartige Lücke in Wrights Geschichte, so das Online-Portal. 

Die ursprünglichen Pläne für das «Mrs. David Devin House» können hier angeschaut werden.


Lake Tahoe Lodge von Frank Lloyd Wright

Quelle: Angi

Angi hat aus dem Siedlungs-Konzept von Wright eine der geplanten Hütten in einem Rendering nachgebaut.

Lake Tahoe Lodge von Frank Lloyd Wright Grundriss

Quelle: Angi

Lake Tahoe Summer Colony: Eine Siedlung aus Lodge-Hütten

Die «Lake Tahoe Summer Colony» entwarf der Architekt 1923 tatsächlich ohne einen konkreten Auftrag für ein unbebautes rund 80 Hektar grosses Grundstück an der südwestlichen Ecke des Tahoe-Sees im Emerald Bay State Park in Kalifornien. Die Frank Lloyd Wright Stiftung vermutet, dass Wright mit seinem Konzept den Besitzer des Grundstücks zu einer Art Partnerschaft bewegen wollte. Die Pläne für das Grundstück waren sehr umfangreich: Der Architekt sah für das bergige, abgelegene Gelände mitten im Wald eine komplette Siedlung, bestehend aus mehreren Lodge-Hütten, vor. 

Massiv gemauerte Terrassen sollten die Gebäude praktisch in ihrem bergigen Standort teils auf Hängen verankern, wobei auskragende Buchten die Bauten teilweise hätten betonen sollen. Teil der Siedlungspläne wären nach Wrights Zeichnungen ausserdem auch etwa 22 schwimmende Hütten mit Kupferdächern und gemusterten Bretterverkleidungen gewesen, die in den Entwürfen Ähnlichkeiten mit Holz-Barken aufweisen. Die Hausboote hätten in der unter der Siedlung liegenden Bucht beim Tahoe-See liegen und an Piers festgemacht werden sollen. 

 Gebaut wurde die «Lake Tahoe Summer Colony» aber schlussendlich nie: Das Grundstück wurde 1928 an Lara Josephine Knight verkauft, die darauf das mittelalterliche Herrenhaus «Vikingsholm» bauen liess, das bis heute dort besteht und Teil des «National Register of Historic Places» ist.

Die ursprünglichen Pläne für die «Lake Tahoe Summer Colony» können hier angeschaut werden.


Geschrieben von

Redaktorin Baublatt

Zeichnet, schreibt und kreiert gerne. Themenbereiche: Bauprojekte sowohl international als auch regional, News aus Wissenschaft, Forschung, Technik, Architektur und Design.

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