Was derzeit in Basel-Stadt und Baselland geplant und gebaut wird
Welche Bauprojekte stehen in Basel-Stadt und Baselland an? Von der Solaranlage auf der Deponie in Liesberg bis zum geplanten Wohnturm von Herzog & de Meuron in Birsfelden – ein Überblick zu Projekten in der Region.
Projekte im Bau oder in Planung
Quelle: Karamuk Kuo Architekten
Visualisierung: So soll der Laborneubau auf dem Areal Rosental Mitte dereinst aussehen.
Teurer Umzug für Chemiedepartement der Uni Basel
Basel – Der Standort des Chemiedepartements der Universität Basel am St. Johanns-Ring aus den 1950er-Jahren genügt den Anforderungen nicht mehr. Die Abteilung soll deshalb auf dem Areal Rosental Mitte ein neues Zuhause erhalten. Der Kanton plant dafür eine Mega-Investition: Für 149,4 Millionen Franken soll das Haus 6 auf fünf Stockwerken ausgebaut und an die Bedürfnisse des Departements angepasst werden. Das Haus 6 ist Teil der Entwicklung des Areals zu einem durchmischten Wirtschafts- und Stadtquartier.
Quelle: Christian Aeberhard
Drohnenaufnahme der PV-Anlage «Hinterm Chestel» auf der ehemaligen Kehrichtdeponie der KELSAG in Liesberg.
Solarstrom von der Deponie in Liesberg
Liesberg BL – Die Basler Energieversorgerin IWB hat auf der ehemaligen Deponie der Kehrichtbeseitigung Laufental-Schwarzbubenland AG (KELSAG) eine Photovoltaikanlage gebaut. Mit einer installierten Leistung von rund 3,7 Megawatt produzieren die 7608 Solarmodule der Anlage «Hinterm Chestel» jährlich knapp vier Gigawattstunden Solarstrom, was etwa dem Verbrauch von 1000 durchschnittlichen Haushalten entspricht. Rund um die Solarpanels wurden zudem Biotope und ein Schmetterlingskorridor angelegt.
Quelle: Erdwärmeriehen
In Riehen BS soll dereinst eine zweite Geothermieanlage entstehen.
Mehr Wärme aus der Tiefe für Riehen
Riehen BS – Der Wärmeverbund Riehen soll sein Geothermie-Fernwärmenetz ausbauen. Dafür haben die Basler Regierung und die Gemeinde Riehen im vergangenen März den Parlamenten je ein Darlehen von 7,6 Millionen Franken beantragt. Mit einem Netzausbau von 5,5 Kilometern und dem Anschluss von bis zu 620 Liegenschaften soll der jährliche CO2-Ausstoss des Kantons Basel-Stadt um rund 6875 Tonnen sinken. Im Rahmen des Projekts «geo2riehen» ist ausserdem eine zweite Geothermieanlage im Gebiet Grendelmatten geplant, die künftig weitere 4000 Personen mit Wärme versorgen soll. Die bestehende Geothermieanlage ist seit 1994 in Betrieb.
Quelle: Studio Gugger, Basel | Westpol Landschaftsarchitektur, Basel | Visualisierung: Nightnurse Images AG, Zürich
Visualisierung: Vogelperspektive mit Blick Richtung Kraftwerk über den Zentrumsplatz, den Birspark und das Schulareal (Stand August 2024).
115 neue Wohnungen im Zentrum von Birsfelden
Birsfelden BL – Auf drei Baurechtsparzellen zwischen Haupt- und Kirchstrasse entsteht in Birsfelden ein neues Gemeindezentrum. Die Baurechte hat der Gemeinderat an zwei Wohnbaugenossenschaften vergeben: die Baugenossenschaft «wohnen&mehr» und die Wohngenossenschaft Redingbrücke. Geplant sind rund 115 Wohnungen. Das Ensemble umfasst drei Neubauten, einen Zentrumsplatz sowie begrünte Park- und Spielflächen. Über die definitive Vergabe der Baurechte entscheidet die Gemeindeversammlung im Juni 2026.
Quelle: Herzog & de Meuron
Prisma Birsfelden, am Zentrumsplatz mit Blick Richtung Birs (Visualisierung, Stand: November 2025)
Ein 86-Meter-Turm mit Tipi-Sockel für Birsfelden
Birsfelden BL – Die Gemeinde Birsfelden treibt die Verdichtung ihres Zentrums voran. Im Rahmen der Quartierplanung Prisma soll ein 86 Meter hoher Wohnturm nach Plänen von Herzog & de Meuron entstehen. Der filigrane Holzbau steht auf drei Sockelbauten, von denen einer die Form eines Tipis hat und eine vergrösserte Coop-Filiale beherbergen soll. Das bestehende Wohnheim Haus Birsstegweg wird in die Bebauung integriert und das Birsufer soll im Zuge des Projekts zu einem öffentlichen Park umgestaltet werden. Das Mitwirkungsverfahren wurde Ende November 2025 eröffnet. Gebaut werden soll der Turm neben dem bereits bewilligten 100 Meter hohen Holz-Wohnturm von Christ & Gantenbein.
Quelle: Caesar Zumthor Architekten GmbH
Visualisierung: So soll sich das neue Ausbildungszentrum in Muttenz BL dereinst präsentieren.
Ein Bildungszentrum für Life Sciences in Muttenz
Muttenz BL – Im Polyfeld an der Birsfelderstrasse in Muttenz entsteht für rund 70 Millionen Franken ein neues Ausbildungszentrum für die Life-Science-Branche. Der sechsstöckige Neubau nach Plänen von Caesar Zumthor Architekten soll dereinst eine Nettogeschossfläche von rund 19 500 Quadratmetern umfassen. Betreiber wird der Ausbildungsverbund Aprentas sein, der dort seine zwei bisherigen Standorte zusammenführt und Kurse für Laboranten sowie Chemie- und Pharmatechnologen anbietet. Ergänzt wird das Angebot durch eine «MINT-Welt» mit Schullabor für die Berufsinformation. Der Kanton Baselland beteiligt sich mit zwei Millionen Franken am Projekt. Die Bauarbeiten sind aktuell in vollem Gange, der Bezug des Zentrums ist für Sommer 2027 vorgesehen.
Quelle: Loïc Costeur
Grosse Herausforderung: Montierte Skelette. Die Knochen sind fragil und werden von Drähten zusammengehalten.
Naturhistorisches Museum: 12 Millionen Objekte ziehen um
Basel – Das Naturhistorische Museum Basel bereitet derzeit den Umzug seiner gesamten Sammlung in den Neubau im St. Johann-Quartier vor. Ab März 2027 wird das Transportunternehmen Welti-Furrer rund 12 Millionen Objekte zügeln – ein Unterfangen, das laut Co-Museumsdirektor David Alder dem Umzug von 300 bis 400 Privatwohnungen entspricht. Acht Jahre lang wurde das Zügeln vorbereitet: Objekte mussten fixiert, Präparate gesichert und manche Skelette sogar asbestgereinigt werden. Besondere Herausforderung: die montierte Giraffe im Treppenhaus, für deren Abtransport ein Kran nötig ist. Der historische Berri-Bau schliesst im Winter 2028; das neue Museum öffnet im Sommer 2029.
Vom Bankhaus zum Wohnhaus
Basel – Das ehemalige UBS-Gebäude am Aeschenplatz in Basel wird zu einem gemischt genutzten Wohn- und Gewerbehaus umgebaut. Der Grosse Rat hat im Mai den dafür notwendigen Bebauungsplan genehmigt. Eigentümerin der Immobilie ist die Anlagestiftung Seraina Investment Foundation, die die Liegenschaft 2021 erwarb. Das bisher ausschliesslich für Büros genutzte Gebäude soll erhalten, aber im Bestand weiterentwickelt und für verschiedene Nutzungen geöffnet werden. Ein Drittel der Wohnungen wird preisgünstig vermietet. Das Vorhaben gilt im Parlament als Beispiel für klimafreundliches Bauen im Bestand.
Aktuelle Projektwettbewerbe aus der Region
Quelle: studio blomen, Zürich
Basel: Auf dem Areal der Messehalle 3 am Riehenring entstehen nach Plänen des Kantons mit einer Überbauung rund 170 preisgünstige Wohnungen. Den Wettbewerb gewann die Arbeitsgemeinschaft «Clauss Kahl Merz Atelier für Architektur+Städtebau und Truwant+Rodet+» mit dem Projekt «Im Wandel». Das Ensemble umfasst neben den Wohnungen auch einen Doppelkindergarten, eine Tagesstruktur, Gewerberäume sowie rund 200 Parkplätze.
Quelle: Nord Architekten
Riehen BS: Die Gemeinde Riehen erweitert das Primarschulhaus Hinter Gärten von zwei auf drei Züge. Aus einem Studienauftrag ging das Büro Nord GmbH Architekten BSA SIA aus Basel als Sieger hervor. Der Entwurf sieht einen Anbau im Westen vor, der den Bestand mit unterschiedlichen Höhen behutsam aufwertet und den Eingang an den Steingrubenweg verlegt. Weiter ist im Projekt auch eine Erweiterung der Turnhalle zur Dreifachturnhalle geplant.
Quelle: Stereo Architektur GmbH
Pratteln BL: Drei Parzellen an der Bahnhof- und St. Jakobstrasse in Pratteln sollen gemeinsam entwickelt werden. Die Flächen sind im Eigentum der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde, der Post und des Kantons. Aus einem Studienauftrag ging das Team Stereo Architektur mit Céline Baumann Landschaftsarchitektur mit dem Entwurf «Stadtfeld» als Sieger hervor. Geplant sind Wohn- und Gewerbeflächen sowie Alterswohnungen. Darüber hinaus erneuert der Kanton im Zuge des Projekts seinen bestehenden KIGA-Verwaltungsstandort. Die Realisierung ist in mehreren Etappen vorgesehen.
Quelle: Basler Bau- und Verkehrsdepartement
Visualisierung: So könnte sich das Areal Klybeck- und Westquai dereinst präsentieren.
Kantonale Abstimmungen
Das Basler Stimmvolk hat am 14. Juni über Vorlagen abgestimmt, die direkte Auswirkungen auf die Bautätigkeit und Stadtentwicklung in der Region haben.
Den deutlichsten Entscheid fällte Basel-Stadt bei der Klybeckinsel-Initiative: Mit 61,8 Prozent Nein-Stimmen lehnte das Stimmvolk das Volksbegehren ab, das die Wiederherstellung der ehemaligen Rhein-Insel als Grün- und Naturzone gefordert hatte. Die Initiative verlangte, das ehemalige Industriegebiet südlich des Rheinhafens bis 2035 wieder als Insel freizulegen und mit einheimischen Bäumen aufzuforsten. Laut den Behörden hätte die Initiative den Bau von Wohnungen für mindestens 2500 Personen verhindert und die Entwicklungspläne für das Areal Klybeckplus erheblich erschwert.
Das Vorhaben zählt zu den grössten Stadtentwicklungsprojekten Basels und sieht die Schaffung von 7500 Arbeitsplätzen sowie Wohnraum für 8500 Einwohner vor. Die Umsetzung der Initiative hätte laut den kantonalen Abstimmungsunterlagen mindestens 700 Millionen Franken gekostet – der Regierungsrat hatte in einer früheren Mitteilung von mindestens einer halben Milliarde Franken gesprochen. Der Basler Regierungsrat, der Grosse Rat und fast alle Parteien, darunter auch die Grünen, hatten die Ablehnung der Initiative empfohlen.
Mit dem klaren Nein des Stimmvolks bleibt der Weg für die Weiterentwicklung des Areals nun vorerst frei. Ebenfalls angenommen wurde in Basel-Stadt mit 56,2 Prozent die vom Grossen Rat beschlossene Finanzierung der weiteren Planungsarbeiten für das Herzstück und den Bahnknoten Basel. Der Kanton erhält damit 3,6 Millionen Franken für Vorstudien, weitere Planungsschritte und die Interessenvertretung gegenüber dem Bund. Das Herzstück des Projekts – eine unterirdische S-Bahn-Durchmesserlinie zwischen Basel SBB und dem Badischen Bahnhof – gilt als zentrale Voraussetzung für die weitere Verdichtung im Stadtkanton und die Erschliessung neuer Entwicklungsgebiete.
Basel erhält fünf Taubenschläge
Basel-Stadt hat ein Taubenproblem: Eine Initiative im Juni forderte ein tierschutzgerechtes Stadttaubenmanagement mit betreuten Taubenschlägen in allen Quartieren, einer Reduktion der Population sowie einem Tötungsverbot. Das Basler Stimmvolk lehnte sie deutlich ab. Mehr Anklang fand der Gegenvorschlag des Grossen Rates: Dieser sieht fünf betreute Taubenschläge vor und lässt an Tauben-«Hotspots» die fachgerechte Tötung sowie den Einsatz von Greifvögeln wie Falken zu, um die Störenfriede zu vertreiben.
Umstrittene Ortsdurchfahrt Birsfelden
In Basel-Landschaft bewilligte das Stimmvolk mit 56,2 Prozent den Kredit für die neue Ortsdurchfahrt Birsfelden. Das rund 78 Millionen Franken teure Projekt soll ab 2027 realisiert werden und umfasst die Erneuerung der stark befahrenen Haupt- und Rheinfelderstrasse sowie den Ausbau für Tram-, Fuss- und Veloverkehr. Auslöser war die dringende Erneuerung der veralteten Tramgleise und die Pflicht zum behindertengerechten Ausbau gemäss Bundesrecht. Pikant: Die Gemeinde Birsfelden selbst lehnte die Vorlage mit rund 58 Prozent Nein-Stimmen deutlich ab. Der Unmut in der Bevölkerung richtet sich vor allem gegen die vier- bis fünfjährige Bauzeit auf der bereits heute staubelasteten Hauptstrasse. Die Gemeinde will nun bei der Ausführungsplanung eine prägende Rolle einfordern.
Ebenfalls abgelehnt wurde in Basel-Landschaft die Initiative «Energiepolitik nur mit der Bevölkerung» mit 55,6 Prozent Nein-Stimmen. Die Initiative hätte verlangt, energiepolitische Vorgaben – insbesondere beim Ersatz von Heizungen – wieder per Gesetz statt per kantonalem Dekret zu regeln. Das Nein an der Urne bestätigt damit den bisherigen kantonalen Kurs und bei der Energiepolitik im Baselbiet bleibt alles beim Alten: Das faktische Verbot eines Neubaus von fossilen Heizungen bleibt bestehen. Seit Oktober 2024 schreibt ein kantonales Dekret bei Neubauten und seit Januar 2026 auch beim Heizungsersatz den Einsatz erneuerbarer Energien vor.