Was derzeit im Kanton Zürich geplant und gebaut wird
Welche Bauprojekte stehen im Kanton Zürich an, wo gibt es Architekturwettbewerbe und welche Vorhaben wurden bereits realisiert? Ein kleiner Überblick über aktuelle Projekte in der Bauregion und ein Rück- und Ausblick auf Abstimmungen.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_FC24-8400-0291 / CC BY-SA 4.0
Die Abwasserreinigungsanlage Hard in Winterthur während des Ausbaus 1989. Die Anlage zählt zu den zehn grössten ARA in der Schweiz.
Millionenschwerer Ausbau der ARA Hard in Wülflingen
Winterthur – Die Stadt Winterthur plant aufgrund des Bevölkerungswachstums und neuen gesetzlichen Anforderungen für 288 Millionen Franken eine Erweiterung und Modernisierung der ARA Hard in Wülflingen. Geplant sind unter anderem eine zusätzliche Reinigungsstufe mit granulierter Aktivkohle zur Entfernung von Mikroverunreinigungen sowie ein Ausbau der Biologiestufe zur stärkeren Stickstoffelimination. Noch dieses Jahr ist eine Abstimmung geplant.
Quelle: SAM Architekten, Studio Blomen
83 Millionen Franken für ein neues Hallenbad
Kloten – Die Stadt Kloten plant eine Sanierung und einen Ausbau des Hallenbads im Zentrum Schluefweg. Das Projekt umfasst unter anderem einen Neubau mit 25-Meter-Becken, eine Erneuerung der Gebäudetechnik sowie neue Kleinkinder- und Wellnessbereiche. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 83,6 Millionen Franken. Die Klotner genehmigten im November einen Kredit von 35,6 Millionen Franken. Erste Vorbereitungsarbeiten sind inzwischen gestartet.
Quelle: plazza.ch
Neues Quartier mit 283 Wohnungen in Regensdorf
Regensdorf – Beim Bahnhof Regensdorf schreitet die Entwicklung eines neuen Wohnquartiers weiter voran. Für die Überbauung «Baufeld N+O» mit 283 Wohnungen liegt seit Juli 2025 ein genehmigter Gestaltungsplan vor. Das Projekt der Zürcher Immobilienfirma Plazza AG umfasst zehn Gebäude mit Mietwohnungen, Gewerbe, einem Kindergarten und einer Kita. Anfang 2026 wurde die Überbauung ausgesteckt, der Baustart ist noch in diesem Jahr vorgesehen. Das Projekt ist Teil der Transformation des ehemaligen Gewerbegebiets in ein Wohnquartier. Die Plazza AG investiert nach eigenen Angaben 220 bis 240 Millionen Franken in das Projekt.
Quelle: PD
Holzbau für neue Sekundarschule in Stadel
Stadel – Aufgrund von steigenden Schülerzahlen soll in der Sekundarschulgemeinde Stadel ein neues Schulhaus gebaut werden. Das Siegerprojekt des Wettbewerbs mit dem Namen «Solana» stammt vom Zürcher Architektenkollektiv Schmid Ziörjen und sieht einen dreigeschossigen Holzbau mit Unterrichtsräumen, Mehrzweckbereich und Doppelsporthalle vor, der sich um die bestehende Anlage gliedert. Die oberen Stockwerke werden über zwei Wendeltreppen erschlossen. Im März genehmigten die Stimmberechtigten der Gemeinden Bachs, Neerach, Stadel und Weiach einen Projektierungskredit von 2,3 Millionen Franken. Das Gesamtprojekt dürfte rund 37 Millionen Franken kosten und 2027 zur Abstimmung gelangen. Die Fertigstellung des Neubaus ist frühestens ab 2030 vorgesehen.
Quelle: Henrique Ferreira, Unsplash
Der Zürichsee soll die Innenstadt künftig kühlen.
Zürcher Hochschulgebiet zapft den See an
Stadt Zürich – Das Hochschulgebiet mit Universität, ETH und Universitätsspital soll künftig mit Zürichsee-Energie versorgt werden. «Energie 360°» hat den Zuschlag für den Aufbau eines solchen Verbunds erhalten. Geplant ist eine Seewasserzentrale in Tiefenbrunnen, von der aus das Wasser über den Riesbachtunnel zum Bahnhof Stadelhofen und ins Hochschulgebiet geleitet wird. Die Inbetriebnahme ist ab 2037 geplant. Kostenpunkt: 40 Millionen Franken.
Eine Vogelinsel aus Tunnel-Aushub?
Quelle: Tama66, Pixabay-Lizenz
Nicht nur Energie fliesst künftig aus dem Zürichsee, auch für seine gefiederten Bewohner wird geplant: Das Stadtparlament unterstützt die Idee einer künstlichen Vogelinsel im Seebecken. Diese soll Schwänen, Enten und Taucherli einen bisher fehlenden Rückzugsort fern von der stark frequentierten See- promenade bieten. Geschüttet werden könnte sie mit Aushubmaterial von SBB-Tunnelprojekten, etwa vom Bahnhof Stadelhofen. Kosten würde das ganze rund 69 Millionen Franken.
Quelle: WALDRAP AG, Zürich
Das Wassersportzentrum der «Marina Tiefenbrunnen» ist vier Stockwerke hoch.
Marina Tiefenbrunnen nimmt wieder an Fahrt auf
Stadt Zürich – Die geplante «Marina Tiefenbrunnen» nimmt wieder Fahrt auf: Das Stadtzürcher Parlament hat Mitte April einen Projektierungskredit von rund neun Millionen Franken genehmigt. Mit dem Projekt sollen am Zürichsee rund 420 Bootsplätze sowie über 100 Trockenplätze an Land entstehen. Ergänzt wird die Marina durch ein Wassersportzentrum (siehe Visualisierung oben) mit Restaurant und durch eine öffentliche Mole, die als neue «Piazza im See» dienen soll. Aus einem Architekturwettbewerb ging 2018 der Entwurf des Zürcher Architekturbüros Waldrap GmbH als Sieger hervor.
Umstrittenes Vorhaben
Politisch bleibt das Vorhaben umstritten: Vertreter von Grünen und AL kritisierten die Marina in einer hitzigen Debatte vor einigen Wochen als Projekt für eine privilegierte Nutzergruppe und sprachen von einem «Dubai-Goldküsten-Hafen» und «Cüpli-Sozis», da sich die SP hinter das Projekt stellte. Befürworter der SP, SVP und GLP hingegen verwiesen auf die geplante öffentliche Zugänglichkeit des umgebauten Hafens, neue Aufenthaltsflächen sowie Angebote für den Breiten- und Wassersport. Für die Umsetzung ist jedenfalls ein Gestaltungsplan nötig, gegen den das Referendum ergriffen werden kann. Die Bauarbeiten könnten frühestens 2032 starten.
Neues Bezirksgericht eingeweiht
Quelle: Kuster Frey
Das erneuerte Bezirksgericht Zürich wurde im März 2026 eingeweiht.
Stadt Zürich – Das Bezirksgericht an der Wengistrasse 30 wurde Ende März nach einer umfassenden Sanierung und Erweiterung neu eingeweiht. Der Bau aus den 1980er-Jahren wurde ursprünglich als Molkerei erstellt und entsprach deshalb nie ganz den Anforderungen eines Gerichts. Mit dem Projekt wurde das Gebäude nun energetisch erneuert und räumlich neu organisiert, um den heutigen Anforderungen zu entsprechen. Das Projekt von Fiechter & Salzmann Architekten und der Baumanagement Fanzun AG umfasste eine Volumenerweiterung sowie einen Ausbau mit zwölf Gerichtssälen und neuen Beratungsräumen. Die erneuerte Gebäudehülle und Haustechnik erfüllen nun den Minergie-P-Eco-Standard.
Aktuelle Wettbewerbe
Abstimmungen
Das wurde im März an der Urne entschieden
Quelle: Hochbauamt | Architektur: Krebs und Herde, Winterthur; Visualisierungen: Tom Schmid Visualisierungen & Illustrationen
So soll sich der Seeuferpark in Uetikon am See dereinst präsentieren.
Die Zürcher Stimmberechtigten haben im März über mehrere kommunale Vorlagen entschieden. Besonders deutlich fiel das Ergebnis in Uetikon am See aus: Mit 84,5 Prozent Ja-Stimmen wurde der Baukredit von 40,3 Millionen Franken für den neuen Seeuferpark gutgeheissen. Auf dem ehemaligen Areal der Chemiefabrik wird entlang des Zürichsees ein rund 800 Meter langer Park gebaut. Daneben entstehen auf dem Gelände auch eine Kantonsschule und eine Berufsfachschule sowie ein Quartier für bis zu 600 Einwohner
Windkraft-Initiativen im Zürcher Weinland
Unterschiedliche Akzente zeigen sich bei den energiepolitischen Vorlagen in Stammheim und Thalheim an der Thur. Beide Gemeinden nahmen Vorlagen zur Windkraft an, jedoch mit unterschiedlicher Ausrichtung. In Stammheim müssen Entscheide über die Bereitstellung von Gemeindeland für Windenergieanlagen künftig obligatorisch an die Urne, was 85,8 Prozent der Stimmberechtigten unterstützten. In Thalheim hingegen wurde eine Initiative angenommen, die den Bau industrieller Windenergieanlagen auf Gemeindegrundstücken untersagt (Ja-Anteil: 65%).
Regensdorf wird keine «Stadt» Zurückhaltender zeigte sich die Stimmbevölkerung in wohnpolitischen Fragen. In Stäfa scheiterte eine Initiative der SP für bezahlbaren Wohnraum mit 60,8 Prozent Nein-Stimmen. Die Partei wollte den Verkauf von Grundstücken ab 100 Quadratmetern an Bund und Kanton beschränken. Zugleich sollte die Gemeinde Land erwerben und so den Bau preisgünstiger Wohnungen vorantreiben. Weitere Entscheide betreffen die kommunale Entwicklung und Infrastruktur. In Regensdorf wurde eine Initiative zur Umbenennung der Gemeinde von «Dorf» in «Stadt» trotz Unterstützung des Gemeinderats abgelehnt (62,4 Prozent Nein). In Hüntwangen genehmigte das Stimmvolk dagegen einen Kredit für eine neue Asylunterkunft in Modulbauweise beim Schützenhaus (Ja-Anteil: 54,6%)
Drei kantonale Wohn-Initiativen im Juni
Quelle: Juliet Haller, Zürich
Mit der Wohnsiedlung Depot Hard in Zürich entsteht Wohnraum für über 500 Menschen.
Am 14. Juni stimmen die Zürcher auf kantonaler Ebene über mehrere wohnpolitische Vorlagen ab. Zur Entscheidung stehen die «Wohnungsinitiative» von SP, Grünen und AL, die «WohnschutzInitiative» vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich sowie die «Wohneigentums-Initiative» des Hauseigentümerverbands (HEV).
Die «Wohnungsinitiative» fordert die Schaffung einer öffentlich-rechtlichen Anstalt mit einem Startkapital von 500 Millionen Franken, über die der Kanton günstigen Wohnraum erwerben und fördern soll. Die «Wohnschutz-Initiative» zielt darauf ab, Leerkündigungen bei Umbauten und Ersatzneubauten einzuschränken, indem diese bewilligungspflichtig werden. Zudem sollen Gemeinden eigene Massnahmen zum Schutz vor Leerkündigungen ergreifen können. Und die «Wohneigentums-Initiative» des HEV fordert, dass Kanton und Gemeinden selbst genutztes Wohneigentum grundsätzlich gleich stark fördern wie den gemeinnützigen Wohnungsbau. Die ersten beiden Initiativen wurden im Kantonsrat hart diskutiert. Am Ende stimmte eine Mehrheit zwei indirekten Gegenvorschlägen zu, die auf weniger weitgehende Eingriffe setzen.