08:01 BAUPROJEKTE

Umnutzung eines Weindepots: Wenn der Weintank zum Hotelzimmer wird

Teaserbild-Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Vor einem guten Jahrhundert lagerte in den Tanks Wein, heute dienen sie als Hotelzimmer: Für das Resort Taxamenes im Peleponnes haben die Architekten vom Athener K-Studio ein altes Weindepot an der Küste mit viel Sinn für die raue Schönheit der Industriebauten umgenutzt.

Dexamenes Seaside Hotel; Gesamtansicht von oben

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Das Hotel aus der Vogeperspektive. Die beiden Tanks, die Wahrzeichen des Hotels, sind von einem Wasserbecken umgeben.

Mit der Unabhängigkeit Griechenlands um 1830 wuchs der Handel mit Korinthen - getrockneten, weissen Weintrauben - rasant: Die Beeren entwickelten sich zum wichtigsten Exportprodukt des Landes. Allerdings brach die Nachfrage Ende des 19. Jahrhunderts ein – und die Preise für Korinthen stürzten ab. In der Folge geriet die griechische Wirtschaft in die sogenannten Korinthenkrise: Alternativen für die Verwendung der Trauben waren gefragt. Während dieser Zeit entstanden die ersten Weinkellereien und Brennereien.

Davon erzählt auch das Luxusresort Dexamenes im westlichen Peleponnes: Es befindet sich in einem ehemaligen Weindepot. Die Architekten des K-Studio nutzten das seit den 1920er-Jahren unberührte Weindepot mit viel Gefühl für seine Geschichte um, indem sie die Anlage nur wo nötig mit gezielten Eingriffen diskret dem neuen Zweck anpassten und damit den spröden Charme der beinahe verfallenen Anlage erhalten konnten. Von Anfang sei klar gewesen, dass die reiche Geschichte und die raue Schönheit der bestehenden Gebäude nicht nur erhalten, sondern auch mit der Gestaltung zur Geltung gebracht werden soll, so die Architekten über das Projekt. 

Für die neuen Bauelemente setzten sie  auf Beton, Stahl, Holz und Glas. Mit der Materialwahl sollte laut den Architekten dem Bestand unterordnen und dafür sorgen, dass die bestehenden Teile weitgehend unangetastet bleiben und «ihre starke Präsenz» bewahren können.

Schlafen im Weintank, Einkehr im Stahlfass

Dexamenes Seaside Hotel; Tank

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Aus den beiden zylinderförmigen Tanks sind Rückzugsorte geworden; sie sind von einem Wasserbecken umgeben. Hinein gelangt man über Betonquader, oder vielmehr aus dem für die Türen der Hotelzimmer herausgebrochenen Beton.

Das Herzstück der Anlage bilden zwei Betonblöcke, die jeweils zwei Reihen à zehn Weintanks enthielten: Zwei Betonblöcke, die ursprünglich je zwei Reihen mit je zehn Weintanks enthielten. Mit Massen von etwa 5 auf 6 Metern boten die Tanks laut den Architekten die  idealen Dimensionen, um sie zu Hotelzimmern umzubauen –mit eigenem Bad und schattiger Terrasse. Zwischen den beiden Blöcken entstand ein kleiner Garten mit lokalen Rebsorten und einem Wasserbecken an. Zwei alte Stahlfässer setzen hier einen markanten Akzent und dienen den Hotelgästen neu als Rückzugsort. 

Auch die beiden steinernen Nebengebäude erhielten eine neue Funktion, sie beherbergen Gastronomie- und Veranstaltungsräume. Auch hier setzten die Architekten Wiederverwertung gesetzt: Zwar liessen sie die für die Dächer in einer lokalen Keramikmanufaktur neue Ziegel herstellen, die alten Ziegel erhielten aber ein zweites Leben als Belag für Böden und Terrasse. 

Vor Kurzem ist die Anlage um acht weitere Hotelzimmer ergänzt worden: Sie befinden sich ine einem Aufbau auf dem meerseitigen Block. Die Architekten umschreiben ihn als «ein leichtes Gerüst aus schlanken Metallrohren und Holzplanken». – Die filigrane Konstruktion scheint beinahe  über den Tanks schweben und wird von einem Wasserkanals eingerahmt. Damit setzt sich der der Grundgedanke auch in den zusätzlichen Bauten fort. Neues kommt hinzu, während die Geschichte präsent bleibt. (mai)


Dexamenes Seaside Hotel; Detail

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann Dexamenes Seaside Hotel

Die Architekten versuchten den rauen, spröden Charme des Weinlagers weitgehend zu erhalten.

Dexamenes Seaside Hotel, meereseitiger Bereich aus der Vogelperspektive

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Der meerseitige Bereich des Hotels aus der Vogelperspektive.

Dexamenes Seaside Hotel; Hotel und Strandbereich

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Das Hotel liegt laut den Architekten an einem der unberühtesten Strände.

Dexamenes Seaside Hotel; Wasserbecken auf dem Dach des meerseitigen Blocks.

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Wasser sorgt auch beim Aufbau für Kühlung.

Dexamenes Seaside Hotel; Hotelzimmer von Innen.

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Hotelzimmer von Innen.

Dexamenes Seaside Hotel; Hotelzimmer mit Terrasse, von Innen gesehen

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Blick aus einem der Hotelzimmer.

Dexamenes Seaside Hotel; Hotelzimmerterrasse.

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Terrasse eines Hotelzimmers.

Dexamenes Seaside Hotel; Tank

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Holz und filigrane Geländer schaffen eine luftige Atmosphäre.

Dexamenes Seaside Hotel; Garten

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Im Garten gedeihen verschieden Rebsorten.

Dexamenes Seaside Hotel; Innehof resp. Garten

Quelle: Dexamenes Seaside Hotel; Tank

Zwischen den beiden Blöcken wurde ein Garten angelegt.

Dexamenes Seaside Hotel; Blick über Bassin auf das meerseitige Gebäude mit dem Aufbau.

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Der meerseitige Betonblock wurde mit einem Aufbau versehen, in dem zusätzliche acht Zimmern Platz untergebracht sind.

Dexamenes Seaside Hotel; Tank aus der Vogelperspektive

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Die Tanks dienen als Rückzugsort; das Dach wurde weg gelassen...

Dexamenes Seaside Hotel

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

...und gibt je nach dem den Blick auf den Himmel frei.

Dexamenes Seaside Hotel; Aussenansicht mit Strand

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Blick vom Meer auf das Hotel.

Dexamenes Seaside Hotel; Terrasse mit Meersicht

Quelle: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

Terrasse.

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