Stadt Zürich bricht Ausschreibung für komplexe CO2-Abscheidung ab
Die Stadt Zürich hat die Vergabe für eine CO2-Abscheidungsanlage abgebrochen. Der Auftrag war offenbar zu komplex, die von den Stimmberechtigten bewilligte Anlage im Werdhölzli ist auf unbestimmte Zeit verschoben.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_FC24-8009-0270 / CC BY-SA 4.0
Luftbild der Werdhölzli-Kläranlage um 1998: Hier hätten in der Klärschlammverwertungsanlage und der Biogasaufbereitungsanlage ab 2028 jährlich rund 25'000 Tonnen CO2 gebunden werden sollen.
«Aufgrund der Komplexität des Vorhabens und des grossen Klärungsbedarfs zu technischen Spezifikationen konnte der Auftrag nicht vergeben werden», teilte die Stadt Zürich am Mittwoch mit. Der Stadtrat habe darum beschlossen, das Vergabeverfahren abzubrechen.
Wie es weitergeht, ist offen. Die Auswirkungen auf den Zeitplan des Projekts liessen sich noch nicht abschätzen, heisst es in der Mitteilung. Das weitere Vorgehen werde nun geprüft. Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) startete im Oktober 2025 mit der öffentlichen Ausschreibung. Gesucht wurde ein Totalunternehmen, offenbar war keines dem Auftrag gewachsen.
«Wir schreiben Klimageschichte»
Dabei war die Stadt bei Bekanntgabe des Projekts enthusiastisch. Im Werdhölzli könnten in der Klärschlammverwertungsanlage und der Biogasaufbereitungsanlage ab 2028 jährlich rund 25'000 Tonnen CO2 gebunden werden, hiess es im Januar 2024. 90 Prozent könnten eingefangen werden. «Wir schreiben damit Zürcher Klimageschichte», sagte Stadträtin Simone Brander (SP) im Stadtparlament.
Später sollte auch noch ein Projekt in der Kehrichtverwertungsanlage Hagenholz umgesetzt werden. Das CO2 sollte zum Teil in einer Speicherstätte in der dänischen Nordsee gebunden werden. Das gab im Stadtparlament durchaus zu reden. Neben der SVP stellten sich auch einzelne Grüne gegen das Projekt, weil Lastwagen das CO2 quer durch die Welt fahren würden.
Trotz der Vorbehalte kam das Projekt im Gemeinderat gut an, er sprach sich mit 100 zu 13 Stimmen dafür aus. Auch die Stimmbevölkerung zeigte sich beeindruckt vom Projekt: Am 22. September 2024 genehmigte sie die CO2-Abscheidung mit über 75 Prozent Ja-Stimmen. Gemäss Mitteilung bewilligte das Stimmvolk dabei neue einmalige Ausgaben von 35,474 Millionen Franken sowie neue wiederkehrende Ausgaben von 14,212 Millionen Franken. (sda/mgt/pb)