Zürcher Maag-Hallen bleiben erhalten: SPS stoppt Wohnturm-Projekt
Swiss Prime Site (SPS) verzichtet auf das Projekt «Maaglive» in Zürich und zieht das hängige Verfahren vor Bundesgericht zurück. Damit wird der geplante Wohnturm nicht gebaut – stattdessen sollen die historischen Maag-Hallen erhalten bleiben und saniert werden.
Quelle: Corinne Pitsch-Obrecht
Bleiben nun doch erhalten: Die Maag-Hallen in Zürich.
Die Maag-Hallen sollen nun umfassend saniert und erhalten sowie langfristig an kulturelle Institutionen vermietet werden, wie es in einer Mitteilung der SPS von Donnerstag heisst. Geplant sind Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen in den Hallen, ergänzt durch ein frei zugängliches Atrium im Bereich der Lichtstrasse.
Die Universität Zürich hat laut Mitteilung bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet über die Anmietung der Maag-Hallen als möglichen neuen Standort des Naturhistorischen Museums. Eine von SPS erstellte Potenzialstudie bestätige die grundsätzliche Machbarkeit einer Museumsnutzung in den bestehenden Gebäuden.
Rechtliche Unsicherheiten
«Die anhaltenden rechtlichen Unsicherheiten erlauben uns keine verlässliche Planung für die Weiterentwicklung von Maaglive», wird SPS-CEO Marcel Kucher in der Mitteilung zitiert. «Ich bedaure, dass damit die geplanten Wohnungen nicht realisiert werden können, freue mich aber umso mehr auf ein kulturelles Angebot mit Ausstrahlung weit über das Prime-Tower-Areal und die Stadt Zürich hinaus.»
Auch Michael Schaepman, Rektor der Universität Zürich, äusserte sich positiv: «Das Angebot von Swiss Prime Site, die Maag-Hallen als Museum zu nutzen, ist mehr als eine interessante Option. Für Zürich ergäbe dies die Möglichkeit, ein weiteres Museum mit internationaler Ausstrahlung zu schaffen.» Die Universität Zürich prüfe das Vorhaben derzeit sorgfältig.
Ende 2027 soll ein Baugesuch eingereicht und Mitte 2029 mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden. SPS geht derzeit von Investitionskosten von rund 60 Millionen Franken aus. Vor diesem Hintergrund wurde der bestehende Mietvertrag mit Maag Music & Arts zur Zwischennutzung letztmals bis Mai 2029 verlängert.
Quelle: Corinne Pitsch-Obrecht
Swiss Prime Site hatte ursprünglich geplant, die Hallen bis auf das denkmalgeschützte Gebäude K (im Bild) rückzubauen und durch einen Wohnturm zu ersetzen.
Jahrelanger Streit um Abriss und Erhalt
Die Maag-Hallen sind eine Zeitzeugin der Zürcher Industriegeschichte: Bis 1910 stellte hier die Firma Safir Automobile her, danach zog die Max-Maag-Zahnräderfabrik in die Räumlichkeiten ein. Die letzten verbliebenen Betriebe verliessen das Areal 2004; seither wird es für Veranstaltungen genutzt, unter anderem diente es dem Zürcher Tonhalle-Orchester während der Sanierung von Tonhalle und Kongresshaus als temporäre Spielstätte.
Swiss Prime Site hatte ursprünglich geplant, die Hallen bis auf das denkmalgeschützte Gebäude K rückzubauen und durch einen Wohnturm mit Kleinwohnungen des Berliner Büros Sauerbruch Hutton zu ersetzen. Das Projekt ging aus einem Studienauftrag hervor, den SPS für das Areal ausgeschrieben hatte – die Jury empfahl dabei eigentlich den Vorschlag der französischen Pritzker-Preisträger Lacaton & Vassal zur Weiterbearbeitung, der den Bestand erhalten und in den Neubau integrieren wollte. SPS entschied sich jedoch für das Projekt von Sauerbruch Hutton.
Gegen das Projekt «Maaglive» regte sich seither breiter Widerstand: Fachleute, Quartierorganisationen und die Stadt Zürich zogen den Erhalt-Vorschlag von Lacaton & Vassal vor. Auch der Heimatschutz wehrte sich gegen das Projekt und nahm die Maag-Hallen auf seine Rote Liste bedrohter, schützenswerter Bauten auf. Kritisiert wurde unter anderem, dass der verbliebene Bestand nicht ausreiche, um die Identität des für Zürich wichtigen Ortes zu wahren. (sda/awp/pb/mgt)
Quelle: Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / LBS_H1-025621, ETH-Bibliothek Zürich
Vogelperspektive: Die Maag-Hallen aus der Luft im Jahre 1964.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / SIK_02-06-2036
Blick auf das Maag-Areal während des Baus der Hardbrücke.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / SIK_01-041967
Blick aufs Fabrikgelände: Das Maag-Areal 1993.