09:09 BAUPROJEKTE

Klosterruine Rüeggisberg: Museum wird nach Sanierung eröffnet

Teaserbild-Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Am kommenden Freitag wird das neu eingerichtete Museum und der neue archäologischen Rundgang in der Klosterruine Rüeggisberg eröffnet. Damit schliesst der Kanton Bern die umfassende Restaurierung der Anlage im Schwarzenburgerland ab. 

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Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Die Klosterruine Rüeggisberg, bei der noch der Nordarm und die Ostwand des Querhauses sowie die Fundamente der Apsiden der ehemaligen Cluniazenserkirche sichtbar sind.

Das Priorat Rüeggisberg war eine Niederlassung des burgundischen Klosterverbandes von Cluny und gehört neben Romainmôtier und Payerne zu den eindrücklichsten Denkmälern der Cluniazenserarchitektur in der Schweiz.

Die Anlage wurde von 1938 bis 1947 durch Hans R. Hahnloser sowie anlässlich von Konservierungsarbeiten von 1988 bis 1991, im Jahr 1996 und von 2016 bis 2021 durch den Archäologischen Dienst des Kantons Bern untersucht. Sie steht unter dem Schutz des Bundes und des Kantons und ist auch im Besitz des Kantons Bern. Heute wird sie von der Gemeinde Rüeggisberg kulturell genutzt. Ausserdem ist die Klosterruine ein Etappenort auf dem von Pilgerinnen und Pilgern begangenen Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Einflüsse aus Burgund und Oberitalien

Im Zuge der Restaurierung der Klosterruine von 2019 bis 2022 hat der Archäologische Dienst, mit Unterstützung des Naturparkes Gantrisch und der Gemeinde Rüeggisberg, das seit 1947 bestehende kleine Museum neugestaltet. Hier erfahren Besucherinnen und Besucher mehr über die Geschichte und die Bauentwicklung des Klosters. Höhepunkt der Ausstellung sei eine Auswahl der einmaligen romanischen Skulpturen, wie es in einer Mitteilung heisst. Der Stil der Skulpturen und ihre Motive würden Einflüsse sowohl aus dem Burgund als auch aus Oberitalien zeigen.

Durch Audiostationen mit Hörspielen sowie einem Monitor mit 3D-Rekonstruktionen und Interviewfilmen könne man in die Vergangenheit von Rüeggisberg eintauchen. Im Klosterareal aufgestellte Informationsstelen mit Rekonstruktionen würden zudem einen direkten Vergleich von damals mit heute ermöglichen.

Kloster 1484 aufgehoben

Trotz anfänglich grosser Pläne kam die in den 1070er­Jahren entstandene Klosteranlage nie zu grosser Blüte. So konnte dank der jüngsten archäologischen Untersuchungen 2020 nachgewiesen werden, dass ein Langhaus in Rüeggisberg zwar geplant gewesen und dessen Umfassungsmauern in den Fundamenten ausgelegt worden waren. Wahrscheinlich aus finanziellen Gründen wurde aber auf den Bau des Kirchenschiffs verzichtet und nur eine Rumpfkirche bestehend aus einem Querhaus und fünf Apsiden erstellt. 

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Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Max Stöckli

3D-Rekonstruktion des ehemaligen Klosters Rüeggisberg.

1484 wurde das Kloster aufgehoben und die Anlage auf einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb und das Pfarrhaus reduziert. Nach der Reformation brach man die Kirche bis auf den Nordarm und Teile der Ostwand des Querschiffs ab. Auch die Gebäude des Konvents sind im Lauf der Jahrhunderte weitgehend verschwunden. 

Ähnlichkeit mit Kirchen aus der Lombardei

Die Klosteranlage Rüeggisberg ist wie kein anderer Bau beispielhaft für die sich im 11. Jahrhundert anbahnende Entwicklung der Bauplastik. Erstmals wird hier der Wille der Steinmetze spürbar, Mauerflächen mittels plastischer Elemente zu beleben. Dieser Stil schlägt eine Brücke zwischen dem Frühmittelalter und der Romanik. Die Motive verraten verschiedene Einflüsse: Gewisse Elemente sind von römischer Architektur abzuleiten. Der Flechtbanddekor hingegen erinnert an frühmittelalterliche Steinmetzarbeiten.

Die Kirche weist einen Mischstil auf, der die internationale Vernetzung der Cluniazenser zeigt: Während die Grundrissauslegung der Klosterkirche burgundische Herkunft verrät, zeigt das Bauwerk auch viele Züge oberitalienischer, lombardischer Romanik, sei es in der hervorragenden Bauskulptur, in der Verwendung von Ziegeln oder in der Plattenverkleidung von Pfeilern und Bogen. Zudem besteht eine Ähnlichkeit der Tierdarstellungen von Rüeggisberg zu Fabelwesen in Kirchen der Lombardei. (mgt/kev)

Eröffnung des Museums

Am Freitag, 16. September, ab 15 Uhr, finden in der Klosterruine Rüeggisberg die Eröffnung des neugestalteten Museums und die Buchvernissage statt. Teilnehmen werden Therese Ryser, Gemeindepräsidentin von Rüeggisberg, Lydia Plüss, Geschäftsführerin des Naturparks Gantrisch, Christine Häsler, Regierungspräsidentin und Bildungs- und Kulturdirektorin des Kantons Bern, und Adriano Boschetti, Leiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, Kantonsarchäologe. Den thematischen Schwerpunkt der Veranstaltung bildet ein Vortrag von Georges Descoeudres, emeritierter Professor am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich, und Guido Faccani, Kunsthistoriker und Mittelalterarchäologe. Die Veranstaltung ist öffentlich.

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