Gemeinderat will Vogel-Insel im Zürcher Seebecken
Das Zürcher Stadtparlament hat am Mittwochabend eine künstliche Insel im Zürcher Seebecken befürwortet. Der Stadtrat muss die entsprechende Aufschüttung, die Wasservögeln zugutekommen soll, nun prüfen.
Quelle: Kajetan Sumila, unsplash
Laut SP, Grünen und AL sind Schwäne, Enten und Taucherli am Zürcher Seebecken unter Druck – wegen der Menschenmassen, die täglich an der Seepromenade spazieren.
Das Postulat von SP, Grünen und AL hat das Parlament mit 84 Ja- zu 32 Nein-Stimmen an den Stadtrat überwiesen. Mit einer Insel soll der Lebensraum für Wasservögel an der Seepromenade verbessert werden. Denn wegen der Menschenmassen, die täglich an der Seepromenade spazieren, seien die Tiere unter Druck.
Stand-Up-Paddler nicht erwünscht
Auf der künstlichen Insel sollen sich Enten, Schwäne und Taucherli zurückziehen können und nisten. «Mit einer Insel können wir einen wertvollen Raum für Wasservögel erstellen und tiefere und flache Unterwasserzonen schaffen», sagte Sibylle Kauer von den Grünen.
Auch die GLP stimmte dem Inselantrag zu. «Wenn wir schon so viel Aushub in den See kippen, kann dieser auch an der Oberfläche sichtbar sein», sagte Beat Oberholzer. Als eine «sympathische Idee» erachtet auch Markus Merki (GLP) die Insel. Allerdings befürchtete er, dass Gummiböötler und Stand-Up-Paddler diese ebenfalls nutzen wollen und forderte, dass die Insel geschützt werden soll.
«Wir haben auch ein Herz für Vögel», sagte Stefan Urech von der SVP. Allerdings sei die SVP nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie gebaut werden soll. Sie befürchtet, dass die Insel zu wenig «agil» sei und forderte daher schwimmende Inseln. «Diese sind realistischer und unkomplizierter», sagte Urech. Der Textänderungsantrag fand jedoch keine Mehrheit.
Quelle: Bianca, Unsplash
Auf der künstlichen Insel sollen sich Enten, Schwäne und Taucherli zurückziehen können und nisten.
Aushubmaterial von SBB-Tunnelprojekten
Die Idee der Vogel-Insel ist eine zusätzliche Massnahme zur vom Stadtrat ohnehin geplanten See-Aufschüttung, die über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren realisiert werden soll. Mit dieser sollen Flachwasserbereiche entstehen und Wasserpflanzen dadurch mehr Sonnenlicht erhalten und neue Lebensräume entstehen. Auch einzelne Uferbereiche sollen durch Abflachungen und Schilfpflanzungen renaturiert werden.
Dafür verwendet werden soll das Aushubmaterial von SBB-Tunnelprojekten, wie etwa am Bahnhof Stadelhofen. Die Kosten für das Projekt – noch ohne Vogel-Insel – belaufen sich auf 69 Millionen Franken. Das letzte Wort hat das Stadtzürcher Stimmvolk. Der Abstimmungstermin steht noch nicht fest. Die Seeschüttungen sind eine ökologische Ersatzmassnahme. Ohne diese könnte der Kanton die Konzession für den Weiterbetrieb von Anlagen am Seeufer verweigern und sogar deren Rückbau fordern. (sda/pb/mgt)