13:02 BAUPROJEKTE

Ein Pavillon aus Austernschalen für Sydney

Teaserbild-Quelle: Spresser, Peter Besley

Beton mit Austernschalen ist das Material, aus dem ein Pavillon an der Hafenfront von Sydney gebaut werden soll. Er erzählt damit nicht nur vom Meer, sondern schlägt auch einen Bogen zu den Menschen, die hier vor mehreren Tausend Jahren gelebt haben.

Im Zentrum von Sydney gelegen, blickt Barangaroo auf eine lange Geschichte zurück: Einst war der an das südliche Ende der Sydney Harbour Bridge grenzende Stadtteil das Zuhause der Cadigal, die hier fischten und jagten. Davon erzählen bis zu 6000 Jahre alte Felszeichnungen und Muschelmitten oder vielmehr Haufen von Schalenabfällen. Später wandelte sich das Gebiet mit der Kolonialisierung nach und nach zum Hafenquartier. Während der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre wurde es zur sogenannten „Hungry Mile“: Hafenarbeiter zogen hier täglich von Werft zu Werft, auf der oft erfolglosen Suche nach Arbeit.

Zu Beginn der Nullerjahre entschied die Regierung von New South Wales das in der Zwischenzeit heruntergekommene Quartier zu sanieren und auf seinen Brachen für neues Leben zu sorgen. Heute hat sich der Ort gentrifiziert: Wolkenkratzer ragen in den Himmel, es wurden Wohnkomplexe und U-Bahnstationen geschaffen. In den nächsten Jahren soll die Entwicklung abgeschlossen sein. – Die Veränderungen hatten auch für Diskussionen gesorgt, denn den neuen Bauten fielen günstige Wohnungen zum Opfer, alteingesessene Bewohner mussten ausziehen.

Schalen von Steinaustern als Baumaterial

Eines der Projekte, das noch auf seine Umsetzung wartet, ist der Pavillon an der Hafenfront. Er soll dereinst zum Verweilen einladen, aber auch Raum für Veranstaltungen bieten. Jessica Spresser vom Büro Spresser und Peter Bersley haben dazu einen filigran anmutenden Bau entworfen, dessen ausgenfälligstes Merkmal seine 123 Säulen sind. Er erstreckt sich über eine Fläche von zirka 380 Quadratmetern. Im Innern sorgt nebst den schlanken Säulen ein Oculus mit einem Durchmesser von rund acht Metern im begrünten Dach für viel Tageslicht.

Nicht nur von seiner geschwungenen Form her nimmt das Bauwerk Bezug zur Bucht und zum Meer, sondern auch was das Baumaterial anbelangt: Dem weissen Beton sollen Schalen von lokalen Steinaustern beigemischt werden. Damit die Muscheln gut sichtbar sind, wird der Beton geschliffen. -  Wie die beiden Architekten erklären, wollen sie mit dem Pavillon von den Elementen erzählen, die den Ort auf dem er steht, geschaffen haben: Land, Meer und Himmel. Doch das ist nicht alles. Schlagen doch die Austernschalen eigentlich auch einen Bogen zur Vergangenheit, zu den Jahrtausendealten Muschelmitten, die die einstigen Bewohner des Ortes hinterlassen haben. (mai)

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