08:04 BAUPROJEKTE

Diese Projekte beschäftigen den Kanton Zürich 2021

Geschrieben von: Ben Kron (bk)
Teaserbild-Quelle: clou Architekten

In der grössten Schweizer Stadt werden weiter fleissig Wohngebäude hochgezogen, doch immer wieder stossen Projekte in Stadt und Kanton Zürich auf Widerstand. Im Bereich Infrastruktur darf man sich auf ein neues Milliardenprojekt der SBB freuen, das den Engpass zwischen Zürich und Winterthur beseitigt. Ein Überblick über die Bauregion Zürich.

Visualisierung Portale des Brüttenertunnels

Quelle: SBB / Visualisierung: nightnurse images, Zürich

Visualisierung: Portale des Brüttenertunnels.

Brüttener Tunnel: Milliarden gegen den Flaschenhals

Effretikon – Zwischen Zürich und Winterthur zwängt sich der Zugverkehr ab Effretikon durch ein nur zweispuriges Streckenstück, dessen Kapazitäten restlos ausgereizt sind. Doch die SBB wollen die Verbindung in die Ostschweiz aufwerten und zugleich den S-Bahnen einen Viertelstundentakt ermöglichen. Die Lösung liegt im Brüttener Tunnel, der von der Tössmühle Winterthur über neun Kilometer zweispurig bis Bassersdorf, beziehungsweise Dietlikon führen wird. Hierfür wird die Tunnelbohrmaschine vier Millionen Kubikmeter Fels ausbrechen. Die beiden Tunnelröhren werden je zehn Meter breit und mit 20 Querverbindungen ausgestattet sein, und die Züge sollen darin dereinst 160 Stundenkilometer fahren. Neben dem Tunnel selbst müssen mehrere Bahnhöfe praktisch neu gebaut werden, so in Wallisellen, Dietlikon und Bassersdorf. Dazu sind zur Anbindung des Brüttener Tunnels mehrere Brücken und weitere Bauwerke nötig. Damit beläuft sich das ganze Bauprojekt auf stolze 2,8 Milliarden Franken. Der kürzlich von der SBB vorgelegte Zeitplan sieht vor, die Pläne 2023 öffentlich aufzulegen, um 2026 mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Mit einer Inbetriebnahme wäre dann Ende 2034 zu rechnen.

company.sbb.ch

Visualisierung Aupark in Wädenswil

Quelle: Nightnurse Images, Zürich

Visualisierung: Aupark in Wädenswil.

Grossüberbauung «AuPark» in Wädenswil

Wädenswil – Die Intershop-Holding AG und die Stadt Wädenswil planen zusammen die Grossüberbauung «AuPark» mit bis zu 300 Wohnungen, Gewerbeflächen und der Kantonsschule Zimmerberg. Projektsumme: 140 Millionen Franken. Der private Gestaltungsplan erhielt letzten Sommer Rechtskraft, und das Baugesuch liegt inzwischen vor. Es sieht fünf Gebäude vor, alle im Standard für nachhaltiges Bauen Schweiz, die von drei verschiedenen Architekturbüros realisiert werden sollen. Auf der gesamten Geschossfläche von 34300 Quadratmetern entstehen 231 Wohnungen, davon stehen 54 Einheiten als festgelegter Anteil für «bezahlbares Wohnen» zur Verfügung. Dazu laufen Gespräche mit einer Genossenschaft. Dieses Frühjahr ist der Start der ersten Bauetappe geplant, das erste Gebäude soll im Winter 24/25 bezugsbereit sein. Der «AuPark» soll 2028 fertig sein. Der Bau der Kantonsschule folgt einem eigenen planungsrechtlichen Prozess, unabhängig von der Bebauung des restlichen Areals. Planerische und logistische Synergien werden jedoch genutzt. 

www.s-b.swiss

Visualisierung Überbauung Brunaupark-Areal

Quelle: Bildbau GmbH

Visualisierung Überbauung Brunaupark-Areal.

Lärmproblem verzögert Brunaupark

Zürich – Die Pensionskasse der Credit Suisse möchte das Areal Brunaupark in Zürich komplett neu gestalten. Das Gebiet oberhalb der Allmend besteht heute aus veralteten Wohnbauten und birgt Potenzial zur Verdichtung und Aufwertung. Das Projekt: Die bestehenden Gebäude werden rückgebaut und durch eine Reihe von 18 bis 29 Meter hohen Neubauten mit Backsteinfassade ersetzt. Total wird das Areal in Zukunft 500 Wohnungen aufweisen, 260 mehr als heute. Das alles möchte die Credit Suisse und hat auch eine Baubewilligung erhalten. Gegen diese hagelte es aber Einsprachen, und prompt hob das Baurekursgericht die Bewilligung auf: Die Immisionsgrenzwerte für Lärm waren an zahlreichen Fenstern überschritten, was in Zürich zu einem unliebsame Running Gag zu werden droht. Die CS hat den Entscheid ans Verwaltungsgericht weitergezogen – Ausgang offen. Und damit für den Moment auch der Terminplan für die Realisierung.

www.brunaupark.ch

Luftbild Flughafen Zürich

Quelle: Flughafen Zürich

Luftbild Flughafen Zürich.

Flughafen Zürich: Auch Pisten muss man sanieren 

Kloten – Wie der ganze Flughafen Zürich, so können auch sei- ne Pisten auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die Piste 28 stammt in ihrer heutigen Länge aus dem Jahr 1960 und erhielt 1984/85 einen neuen Betonbelag auf dem Mittelstreifen. Dieser ist nach 30 Jahren Nutzung nun reif für eine Sanierung. Das Projekt «Sanierung Piste 10/28» besteht einerseits aus Tiefbauarbeiten, nämlich der Erneuerung des Mittelstreifens, und andererseits aus einem Elektroprojekt. Die Pistenbefeuerung wird komplett erneuert, wofür auch drei neue Trafostationen gebaut werden. Diese Elektroarbeiten fanden weitgehend vorbereitend statt. Die Pistensanierung als Hauptprojekt ist für diesen Sommer geplant. Ende 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, für die 87,8 Millionen Franken budgetiert sind. 

Doch ein viel grösseres steht noch bevor: Das Projekt «Umrollung Piste 28» soll verhindern, dass sich startenden und landende Flugzeuge am Boden kreuzen müssen, was momentan gegen 100'000 mal pro Jahr notwendig ist. Die Umrollung wird damit die Sicherheit und die Kapazität erhöhen. Gemäss aktueller Planung soll dieses Projekt bis 2028 realisiert sein und 315 Millionen kosten. 

www.flughafen-zuerich.ch

Visualisierung Wohnsiedlung Leutschenbach

Quelle: clou Architekten

Visualisierung: Wohnsiedlung Leutschenbach.

Stadt Zürich baut Minergie-Eco-Siedlung 

Zürich – Am Rande von Zürich errichtet die Stadt als Bauherrin eine Wohnsiedlung mit 349 Wohnungen im Minergie-Eco- Standard, teilweise sogar Minergie-P-Eco. Den Objektkredit von 213 Millionen Franken nahm das Stimmvolk 2019 mit grosser Mehrheit an. Die Stadt will mit der Siedlung einen Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft leisten: Die Wärmeversorgung der zwei u-förmigen, bis zu acht Stockwerke hohen Gebäude erfolgt über das Fernwärmenetz der Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz. Als Ergänzung steht die Abwärme des benachbarten Rechenzentrums des Schweizer Fernsehens zur Verfügung. Für den Eigengebrauch gibts zudem eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Dieses Jahr soll Baubeginn für das Projekt des Zürcher Büros Clou-Architekten sein. Bezugsbereit wären die Wohnungen dann voraussichtlich ab 2024. 

www.clouarchitekten.ch

Wolkenwerk-Hochhaus Zürich Oerlikon

Quelle: Ben Kron

Wolkenwerk-Hochhaus in Zürich Oerlikon.

Projekt «WolkenWerk»: Wolkenkratzer für tieffliegende Wolken 

Oerlikon – Die Implenia als Generalunternehmerin realisiert in Oerlikon das Grossprojekt «WolkenWerk»: Vier unterschiedlich hohe Gebäude, das höchste 80 Meter hoch, dazu ein Sockelgeschoss für Büros und Gewerbe sowie Parkplätze für 991 Velos, 404 Autos und 33 Motorräder. Fast fertig sind «Werk A», «Werk B» und «Werk C»: drei Hochhäusern mit total 314 Eigentums- und Mietwohnungen. Nur Büro- und Gewerbeflächen enthalten wird der vierte Bau, der schlicht Messeturm heisst und dessen Baustart letztes Jahr erfolgte. Und wie in Zürich nicht unüblich: Bei Redaktionsschluss waren fast alle Eigentumswohnungen verkauft und nur noch Penthouse-Appartments für nicht zu hohe siebenstellige Beträge zu haben. Mietwohnungen sind noch ein paar wenige nicht vergeben. Am Ende werden rund 1800 Menschen im «WolkenWerk» wohnen und arbeiten.

www.wolkenwerk.ch

Visualisierung Swiss Re Bürogebäude

Quelle: Swiss Re

Visualisierung: Swiss Re Bürogebäude am Mythenquai in Zürich.

Neuer Bürobau von Swiss Re am Zürcher Seebecken

Zürich – 1927 wurde beim Zürcher Seebecken das «Mythenschloss» als reines Wohngebäude errichtet, das indes schon in den 1980er-Jahren einem Büro- und Wohnbau weichen musste. Die Swiss Re als heutige Grundeigentümerin hat nun auch diesen Bau rückgebaut und wird als Ersatz «Lake» errichten, einen sechs Stockwerke hohen Bürobau mit 49000 Quadratmetern Geschossfläche, das Ganze zertifiziert nach Minergie- P-Eco und LEED Gold. Die Fassade ist überraschend in einem kräftigen Rot gehalten, ein Farbton, der durch den Zuschlag von rotem Sand zum Beton erreicht wird. Gegenüber dem vor drei Jahren eingeweihten «Swiss Re Next» und dessen auffälliger Glasfront wird der Neubau etwas zurückversetzt. Er soll zusammen mit «Next», dem benachbarten Altbau und dem Klubhaus den Swiss Re Campus bilden, worin der Rückversicherer alle seine Schweizer Mitarbeitenden konzentrieren will. Der Bezug des Neubaus ist für 2026 geplant. 

www.swissre.com

Sanierung am Hauptbahnhof Zürich

Quelle: Ben Kron

Sanierung am Hauptbahnhof Zürich.

Millionen-Sanierung der Zürcher Bahnhofshalle 

Zürich – Ursprünglich fuhren Züge in die 1871 fertiggestellte Zürcher Bahnhofshalle des Architekten Jakob Friedrich Wanner. 1930 wurde der Platz zu knapp und die Gleise enden seither vor der Neorenaissance-Halle, die als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Denkmalschutz steht. Und diese wird nun umfassend saniert und umgebaut, ein Projekt, das schon seit 2012 läuft und 141 Millionen Franken kostet. Aktuell spannt sich ein 4000 Quadratmeter grosses Dach über die Baustelle, das grösste in der Schweiz, das laut dem Projektleiter in fünf Tagen aufgebaut war. Etwas länger werden die Sanierungsarbeiten dauern, nämlich bis 2023. Dann sollten die Arbeiten am Zürcher Hauptbahnhof abgeschlossen sein, und die Pendler werden den HB vielleicht einmal ganz ohne Baustelle erleben können. In den letzten 30 Jahren war dies nie mehr der Fall.

www.sbb-immobilien.ch

Visualisierung Brücke in Grüze

Quelle: Stadt Winterthur

Visualisierung: Brücke in Grüze.

Querung Grüze: Eine Brücke nur für Bus und Velo

Winterthur – Der Winterthurer Stadtteil Neuhegi wächst beständig und birgt gemäss Stadtplanern Potenzial für 4000 Bewohner und 10'000 Arbeitsplätze. Hierfür bräuchte es aber eine leistungsfähige Anbindung des Quartiers an den öffentlichen Verkehr. Das Problem: Im Moment ist der Busverkehr durch die Gleise der Tösstal- und der Eulachtallinie der SBB vom direkten Weg zum Bahnhof Grüze abgeschnitten. Die Lösung ist die Querung Grüze, eine 250 Meter lange Brücke über die Gleise und den Bahnhof. Das Projekt für die Brücke, die nur von Bussen und Velos benutzt werden darf, wurde schon 2016 vorgestellt und kann nun ohne grosse Änderungen realisiert werden, nachdem Ende letzten Jahres auch die Winterthurer Stimmbürger das Projekt gutgeheissen haben, wobei die Stadt die Brücke zum Spartarif von 5 Millionen Franken bekommt. Die Hälfte der rund 60 Millionen Baukosten übernimmt der Kanton, der Rest wird mit Bundes- geldern aus dem Agglomerationsprogramm finanziert. Fertig sein soll die Brücke 2025.

www.stadt.winterthur.ch

Visualisierung Centralplatz in Thalwil

Quelle: Fischer Architekten

Visualisierung: Centralplatz in Thalwil.

Centralbahnplatz in Thalwil: Blutbuche siegt vor Bundesgericht

Thalwil – Dem städtisch geprägten Dorf am linken Zürichseeufer fehlte lange Zeit der Mittelpunkt, geographisch gesprochen. Doch nun erhält Thalwil einen Centralbahnplatz, wie ihn mit Namen auch Basel besitzt. Gegenüber dem Bahnhof entsteht dieser neue Freiraum, der von zwei Palazzoartigen Gebäuden eingefasst wird. Der terrassenartige Platz wird Blick auf den See und, je nach Wetter, die Ostschweizer Alpen bieten. Die beiden fünf Stockwerke hohen Gebäude werden attraktive Wohnungen und den neuen Hauptsitz der Bank Thalwil beherbergen, die zusammen mit der Gemeinde das Projekt umsetzt. Ende Januar war Baustart für die Arbeiten am öffentlichen Platz, die Bauherrschaft liegt bei der Gemeinde. Die anderen Bauarbeiten verzögern sich wegen eines Rekurses: Dieser war gegen die Inventarentlassung einer Blutbuche erhoben worden – und letzten Dezember entschied das Bundesgericht zugunsten der Buche. Nun müssen die Baupläne überarbeitet werden. Der Baustart erfolgt kaum vor 2023. 

www.fischer-architekten.ch

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Freier Mitarbeiter für das Baublatt.

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Die Flughafenregion Zürich im Fokus
© ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Zaugg, Paul / CC BY-SA 4.0

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Die Flughafenregion Zürich (FRZ) veröffentlicht im August gemeinsam mit dem Baublatt eine Sonderausgabe. In diesem Dossier werden alle damit verbundenen Fachbeiträge gesammelt. Die Ausgabe stellt nebst anderem laufende oder geplante Projekte vor und beleuchtet die aktuelle Situation der Region.

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