09:15 BAUPROJEKTE

Brienz erhält Entwässerungsstollen für 40 Millionen Franken

Teaserbild-Quelle: zvg

Das Bündner Bergdorf Brienz erhält einen fast 40 Millionen Franken teuren Entwässerungsstollen. Damit soll das Abrutschen des Dorfes ins Tal verlangsamt werden. Die Gemeindeversammlung Albula/Alvra bewilligte am Freitag den entsprechenden Kredit.

Sondierstollen zur Rutschung des Bergdorfes Brienz

Quelle: zvg

Blick in den seit Juni 2022 fertig ausgebrochenen Sondierstollen westlich des Dorfes.

Das Bergdorf befindet sich auf einer permanenten Rutschung, die vom Maiensässgebiet über Brienz auf zirka 1800 Meter über Meer bis hinunter an die Albula auf zirka 870 Meter über Meer reicht. Auf dem unteren Teil der Rutschung befindet sich das Dorf Brienz/Brinzauls, auf dem oberen Teil geht eine Fels- und Bergsturzgefahr aus.

Seit 2009 werden die Geländebewegungen messtechnisch überwacht, seit 2018 laufen geologische Detailuntersuchungen. Dabei verdichteten sich die Hinweise, dass erhöhte Wasserdrücke für die grossen Bewegungen verantwortlich sind. Anfang 2020 starteten daraufhin Machbarkeitsabklärungen hinsichtlich möglicher Sanierungsmassnahmen.

635 Meter langer Sondierstollen im Untergrund

Da bei anderen Hanginstabilitäten von ähnlicher Grösse eine Sanierung mit Tiefendrainagemassnahmen oft eine positive Wirkung erzielt werden konnte, wurde schliesslich ein 635 Meter langer Sondierstollen westlich des Dorfes gebaut.

Der Ende Juni 2022 fertig ausgebrochene Stollen übertraf die Erwartungen der Geologen: der stabile Fels unterhalb der Rutschmasse konnte mit dem Stollen und Drainagebohrungen entwässert und die gespannten Bergwasserdrücke im Einflussbereich des Stollens signifikant reduziert oder vollständig abgebaut werden.

Die damit einhergehende Reduktion des von unten auf die Rutschmasse wirkenden Auftriebdruckes führte zu einer raschen Verlangsamung der Rutschbewegungen – diese halbierten sich nahezu.  

Brienz GR

Quelle: Orlando Mugwyler, Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Das Bergdorf befindet sich auf einer permanenten Rutschung, die vom Maiensässgebiet über Brienz auf zirka 1800 Meter über Meer bis hinunter an die Albula auf zirka 870 Meter über Meer reicht.

2,28 Kilometer langes Entwässerungswerk

Vor diesem Hintergrund soll nun ein definitiver Entwässerungsstollen gebaut werden. Dabei handelt es sich um eine 1,65 Kilometer lange Verlängerung des bestehenden Sondierstollens, so dass ein insgesamt 2,28 Kilometer langes Entwässerungswerk entsteht.

Der neue Stollen wird aus einem 374 Meter langen Nordarm bestehen, der sich danach in einen 725 Meter langen Ostarm sowie einen 550 Meter langen Westarm verzweigt. Entlang dieser Stollenarme werden in regelmässigen Abständen 19 Bohrnischen sowie über 100 Drainagebohrungen erstellt.

Für das anfallende Ausbruchmaterial des Entwässerungsstollens, das auf rund 60'000 Kubikmeter geschätzt wird, ist südöstlich von Alvaschein eine projektbezogene Deponie geplant.

Frühestmöglicher Baustart im März 2024

Am Freitagabend bewilligte die Gemeindeversammlung Albula/Alvra, zu der das 84-Seelen-Dorf Brienz gehört, den Kredit für den geplanten Entwässerungsstollen. 69 Stimmberechtigte stimmten dafür, vier enthielten sich.   

Allein stemmen muss die Gemeinde den Kredit von 39,8 Millionen Franken aber nicht. In der Abstimmungsbotschaft rechnet der Gemeindevorstand mit Beiträgen von Bund und Kanton in der Höhe von 90 Prozent der Gesamtkosten.

Für den Bau des Stollens mit den dazugehörigen Drainagebohrungen ist eine Bauzeit von dreieinhalb Jahren vorgesehen. Frühestmöglicher Baubeginn ist März 2024. (pb/mgt/sda)


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