08:08 BAUPRAXIS

Wird im Kanton Zürich bald mehr Aushub per Bahn befördert?

Geschrieben von: Ben Kron (bk)
Teaserbild-Quelle: TerraRail Modalsplit AG

Der Kanton Zürich will mit einem Gesetz dafür sorgen, dass mehr Aushub per Bahn transportiert wird. Dasselbe Ziel hat das neu gegründete Unternehmen dreier lokaler Bau- und Entsorgungsfirmen, das auch ein detailliertes Transportkonzept umfasst.

Terra-Rail Aushub-Transport via Bahn

Quelle: TerraRail Modalsplit AG

Seit dem 1. Juli 2021 muss sauberer Aushub aus Baugruben mit einem Volumen von mehr als 25'000 Kubikmetern zwingend mit der Bahn abtransportiert werden.

Fast zwei Mal die Cheops-Pyramide in Gizeh: So gross ist Menge an Aushub, die im Kanton Zürich pro Jahr anfällt, in Zahlen: 4,5 Millionen Kubikmeter. Zwar schreibt der kantonale Richtplan vor, unverschmutztes Aushub- und Abraummaterial sei «grundsätzlich für die Rekultivierung von Materialgewinnungsgebieten zu verwenden». 

Doch jener Anteil des unverschmutzten Aushubs, bei dem eine weitere Verwertung nicht möglich ist, darf in regionalen Aushubdeponien abgelagert werden. Diese befinden sich vor allem in den Kiesabbaugebieten im Norden des Kantons, etwa bei Weiach oder Hüntwangen. Aus Kapazitätsgründen wird ein Teil des Materials indes auch in Deponien der Nachbarkantone verbracht, obwohl der Richtplan dies eigentlich ausschliesst.

Das alles bedeutet, dass jedes Jahr gewaltige Mengen an Aushubmaterial transportiert werden, grösstenteils auf der Strasse. Der Bahnanteil beim Aushub-Transport liegt unter zwei Prozent, obwohl im Richtplan ein Anteil von 35 Prozent vorgesehen wäre. Der Kanton hat deshalb reagiert und das Planungs- und Baugesetz geändert: Seit dem 1. Juli 2021 muss sauberer Aushub aus Baugruben mit einem Volumen von mehr als 25'000 Kubikmetern zwingend mit der Bahn abtransportiert werden. 

Dies betrifft, grob gesagt, die südlichen zwei Drittel des Kantons, bei welchen die Transportwege zu den Deponien im Norden lang sind. Die Schaffung einer zusätzlichen Deponie im Süden des Kantons Zürich ist nicht in Sicht.

Plan Terra-Rail Aushub-Transport per Bahn

Quelle: TerraRail Modalsplit AG

Von der Änderung im Planungs- und Baugesetz sind grob gesagt die südlichen zwei Drittel des Kantons betroffen, bei welchen die Transportwege zu den Deponien im Norden lang sind. Die Schaffung einer zusätzlichen Deponie im Süden des Kantons Zürich ist nicht in Sicht.

Transport von Aushubmaterial via Bahn

Diese Gesetzesänderung hat dazu geführt, dass sich drei Bauunternehmen zur Gründung der Terrarail Modalsplit AG zusammengeschlossen haben. Das neue Unternehmen soll den vom Gesetz geforderten Transport von Aushubmaterial und Gesteinskörnung via Bahn ermöglichen. Die drei Unternehmungen sind Hastag (Zürich) AG mit Sitz in Birmensdorf, Schneider Umweltservice AG in Meilen und Eberhard Bau AG in Kloten. Auch die neu gegründete Firma hat ihren Sitz in der Flughafenstadt.

An den Standorten Rümlang, Volketswil und Winterthur kann der Aushub angeliefert und die Gesteinskörnungen abgeholt werden. Mittelfristig wird noch der Standort Birmensdorf dazukommen. Die Standorte bieten alle einen direkten Bahnanschluss und können die notwendigen Umschlagkapazitäten bereits heute oder in naher Zukunft abdecken.

Danach werden die Aushubmaterialien per Bahn abtransportiert und in einer Materialentnahmestelle abgelagert beziehungsweise verwertet. Das Angebot umfasst auch die Erarbeitung des Transportkonzepts, welches mit dem Baugesuch eingereicht werden muss.

Terra-Rail Aushub-Transport via Bahn

Quelle: TerraRail Modalsplit AG

Fast zwei Mal die Cheops-Pyramide in Gizeh: So gross ist Menge an Aushub, die im Kanton Zürich pro Jahr anfällt, in Zahlen: 4,5 Millionen Kubikmeter.

Lösungsorientierter Anbieter

Markus Streckeisen, Verwaltungsratspräsident der Terrarail Modalsplit AG, sagt: «Die Terrarail Modalsplit AG sieht sich als lösungsorientierte Anbieterin. Wir nutzen die langjährigen Erfahrungen und die idealen Standorte mit Bahnanschluss der drei Unternehmungen. Wir können so die mit dem Gesetz ausgelöste Nachfrage ab­decken, Synergien zum bisherigen Baustellentransport nutzen und den Verkehrsraum mit der Bahn entlasten. Die Dienstleistung konnten wir bereits für erste Ausschreibungen aktiv anbieten.»

Die Terrarail Modalsplit AG ist aus operativer Sicht bereit, Aushubmaterial anzunehmen und zu transportieren. «Wir haben uns für mehrere Bauprojekte beworben und sind zuversichtlich, bald beginnen zu können», sagt Rocco Vicenzi, Projektleiter Terrarail Modalsplit AG von den Eberhard Unternehmungen. Man wolle kurzfristig die Menge von 90'000 Tonnen Transport­aushubmaterial erreichen, langfristig setze man sich «keine Grenzen. Unser System ist in der Lage, auch grosse Mengen an Aushubmaterial zu transportieren.»

Sonderausgabe zur Flughafenregion Zürich

Die FRZ Flughafenregion Zürich veröffentlicht am 19. August 2022 gemeinsam mit dem Baublatt eine Sonderausgabe. In Fachbeiträgen werden unter anderem laufende oder geplante Projekte vorgestellt und die aktuelle Situation der Region beleuchtet. Alle Beiträge des Hefts werden in unserem Dossier «Die Flughafenregion Zürich im Fokus» gesammelt.

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Freier Mitarbeiter für das Baublatt.

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