Weisse Dächer und Pärke kühlen die Stadt
Auch wenn weisse Dächer und Pärke die Temperaturen in Städten senken und die Anfälligkeit der Bevölkerung für Hitzewellen verringern, können sie dem prognostizierten Anstieg von über 6 Grad bis zum Jahr 2100 nicht komplett entgegenwirken. Dies zeigt eine aktuelle Studie am Beispiel von Barcelona.
Quelle: Carlos Ibanes. Unsplash
Blick auf Barcelone: Weisse Dächer können die Umgebung kühlen - aber nicht nur.
Das Team der Autonomen Universität Barcelona hat drei Strategien zur Kühlung von Städten untersucht, paralell zur Anpassung der städtischen Waldbereiche entsprechend Barcelonas Masterplan:
- weiss gestrichene Dächer zur Erhöhung der Albedo (siehe Box),
- begrünte Dächer mit Bewässerung,
- eine Ausweitung der städtischen Parks sowie
- den Ausbau der stadtnahen Landwirtschaft.
Die untersuchten Strategien zeigen: Weisse Dächer erhöhen die Albedo erheblich und reflektieren einen grossen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung, was zu einer Abkühlung der Dächer führt. Bei Fassaden könnten sie jedoch zu einem Temperaturanstieg auf Strassenebene führen und somit einen gegenteiligen Effekt haben.
Albedo (lateinisch albedo ‚Weisse‘; von lateinisch albus ‚weiss‘) bezeichnet ein Mass für das Rückstrahlvermögen (Reflexionsstrahlung) von leicht reflektierenden Oberflächen. Mehr dazu auf www.wikipedia.ch
Gründächer wirken isolierend und kühlen die Umgebungsluft aufgrund der Verdunstung, verbessern gleichzeitig die Artenvielfalt und bieten Vögeln sowie Insekten Schutz, auch wenn ihre Kühlleistung von der Vegetationsart und dem Bewässerungsbedarf abhängt.
Stadtpärke spenden Schatten und kühlen die Umgebung durch Verdunstung, reduzieren versiegelte Flächen und fördern die Regenwasserversickerung.
Ähnlich wie bei den Pärken verhält es sich mit den landwirtschaftliche Flächen. Zusätzlich hängt ihr Effekt noch davon ab, wie die Bodenfläche genutzt wird: Werden etwa Waldflächen durch Ackerland ersetzt, kann sich das eher negativ als positiv auf die Temperaturen auswirken, während die Umwandlung von Stadtgebieten in landwirtschaftliche Flächen Vorteile bringen kann – auch wenn diese Art von Vegetation nicht am effektivsten bei der Wärmeabfuhr ist.
Weisse Dächer sind am Tag besonders wirkungsvoll
Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass weisse Dächer tagsüber die effektivste Strategie sind und die Temperaturen in den am stärksten gefährdeten Gebieten um bis zu 1,75 Grad Celsius senken können. Neue Stadtpärke und die Ausdehnung in Stadtrandgebiete sorgten für moderate Kühleffekte von −0,26 Grad Celsius und einen leichten Anstieg der Nachttemperaturen, während Gründächer die Hitze tagsüber leicht reduzierten (−0,37 Grad Celsius), aber zu einem nächtlichen Anstieg von 0,24 Grad Celsius beitrugen. „Nachts gibt die Vegetation die tagsüber gespeicherte Wärme langsam ab und begrenzt den Wärmeverlust durch strahlungsbedingte Abkühlung an die Atmosphäre“, sagt Sergi Ventura, Forscher an der autonomen Universität von Barcelona und Hauptautor der Studie.
Damit erweist sich laut dem Wissenschaftler und seinen Kollegen die Kombination aus weissen Dächern und Stadtparks als die vielversprechendste Massnahme, um die Auswirkungen der Hitze in den empfindlichsten Gebieten abzumildern.
Trotz der unterschiedlichen Vorteile, die die drei Strategien bieten, könnte sich die Hitzeanfälligkeit in dicht besiedelten und einkommensschwachen Gebieten bis 2100 verdoppeln. Unter den aktuellen Klimabedingungen liess sich die Anfälligkeit mit Anpassungsstrategien um 43 Prozent bis 47 Prozent verringern, doch ihre Wirksamkeit nimmt mit der Zeit ab und erreicht unter den für 2100 prognostizierten Klimaszenarien gerade Mal 16 Prozent.
Die Autoren betonen, dass zwar keine einzelne Massnahme die extreme Erwärmung ausgleichen kann, aber dass gezielte Massnahmen in den am gefährdetsten Stadtteilen die Gesundheitsrisiken deutlich senken können.
Obwohl sich die Studie auf Barcelona konzentriert, lassen sich die Ergebnisse laut dem Forschungsteam möglicherweise auf andere Städte mit ähnlichem Klima übertragen. (mgt/mai)