08:08 BAUPRAXIS

Wasserwerk in Willich: Eine Bauruine wird zum Leben erweckt

Geschrieben von: Robert Mehl (rm)
Teaserbild-Quelle: Robert Mehl

Das einstige Wasserwerk des früheren Stahlwerks Becker in Willich (D) ist zu einem Bürogebäude umgebaut worden. Das neue Dach besteht aus Brettsperrholzelementen, die auf einem Stahltragwerk aufliegen. Die Werkplanung für beide Gewerke hat ein Zimmerermeister gemacht.

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Quelle: Robert Mehl

«Eine Dachkonstruktion muss immer von oben nach unten gedacht werden», erklärt Zimmerermeister Markus Käding. Nachvollziehbarerweise hatten HJP-Planer – die Architekten der Wasserwerksanierung – die Dacharbeiten in drei Gewerke aufgeteilt: Den Schlosser, der die stählerne Tragkonstruktion stellt, den Zimmermann, der darauf das Dach montiert sowie den Dachdecker, der die Veluxfenster einbaut und die Prefab-Dachfolie verlegt.

Aber Käding war sofort klar, dass die Planung der gesamten Konstruktion in einer Hand liegen muss. «Sonst bekommt man das nur schwer hin, dass die Unterkonstruktion richtig sitzt, so dass der sichtbare Walmdachgrat sauber in die Gebäudeecke läuft» Er gibt sich überzeugt, dass ein Zimmermann für diese Aufgabe geradezu prädestiniert ist, da zum einen das Denken von der Dachhaut bis zur Fusspfette dessen «täglich Brot» sei. 

Darüber hinaus sei er der Ansicht, dass gerade Zimmerleute die Handwerker seien, die von ihrem Berufsbild am meisten «über den Tellerrand schauen». Dies konnte er bei der Sanierung und dem Umbau des einstigen Wasserwerkes des Stahlwerk Becker in Willich zu einem Bürogebäude gleich selbst unter Beweis stellen.

60-jähriger Dornröschenschlaf

Das Gebäude war zwischen 1910 und 1930 kaum zehn Jahre in Funktion. Die Hyperinflation von 1923 brachte das aufstrebende Unternehmen in grosse Schieflage, und als dessen Gründer Reinhold Becker 1924 überraschend jung verstarb, wurde es abgewickelt und alle Fabrikgebäude wurden bis spätestens 1930 aufgegeben. Zurück blieb ein hochwertig angelegtes, 100 Hektar grosses Industrieareal, das zunächst verfiel, aus dem Fokus der Aufmerksamkeit geriet und daher auch die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs relativ gut überstand. 

1945 entdeckte die britische Rheinarmee das Gelände für sich und richtete dort ihr Royal Engineering Depot ein. Bis zu ihrem Abzug im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende hatte sie hier die zentrale Instandsetzung untergebracht, und die zahlreichen Industriehallen wurden überwiegend zum Abstellen von Fahrzeugen genutzt. Entsprechend war keine Beheizung in diesen Gebäuden erforderlich, die Dächer mussten einfach nur dicht sein. Militärisch bestens bewacht, fiel so das ganze Areal über mehr als 60 Jahre in einen Dornröschenschlaf.

Ein Haus-im-Haus-Konzept

Während sich nach Abzug der britischen Rheinarmee für die zahlreichen Hallen und Brachen schnell Investoren fanden, dauerte der Verfall des schlossartig anmutenden Wasserwerkes mehr als ein weiteres Jahrzehnt an. Vor drei Jahren beauftragte der Eigentümer, die Grundstücksgesellschaft Willich, das Aachener Architekturbüro HJP-Planer mit dem Umbau und der Sanierung des mittlerweile denkmalgeschützten Wasserwerkes. Das Büro hatte seinerzeit den Masterplan für die Umwandlung des ehemaligen Stahlwerks Becker zu einem zeitgemässen Industriepark entwickelt und bereits etliche Sanierungen auf dem Areal realisiert.

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