Waldbrände: Vorbeugen mit einem Mosaik aus Äckern, Weiden und Hainen
Gebiete mit vielfältigen Landnutzungen widerstehen Waldbränden besser als weite verwilderte, gleichförmige Landstriche. Dies ist das Resultate einer internationalen Studie für die zehn Landschaftsplanungsinitiativen untersucht worden sind.
Quelle: ESA
Waldbrände in der Nähe von Madrid bei der Cerberos-Sation der ESA; Aufnahme aus dem Orbit vom Juli 2026.
Im Mittelmeerraum hat sich die Intensität der Waldbrände drastisch erhöht. Und mittlerweile stösst man dort, auch in solchen Katastrophen erfahrenen Regionen, bei der Bekämpfung der Brände immer öfter an Grenzen. Das zeigten die jüngsten Grossbrände in Frankreich, Spanien und Griechenland.
Diese Situation liesse sich mit einem grundlegend neuen Ansatz bei der Gestaltung von Landschaften entschärfen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam unter Leitung der deutschen Universitäten Göttingen und Kassel. Es hat im Rahmen einer Studie untersucht, wie sich zehn Landschaftsplanungsinitiativen auf die Waldbrandgefahr ausgewirkt haben. Dabei stellte sich heraus: Am erfolgreichsten waren diejenigen Initiativen, bei denen unterschiedliche Landnutzungsformen miteinander verbunden, unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen aktiv miteinbezogen und die entsprechenden Massnahmen laufend weiter entwickelt werden.
Waldbrände, ein Ergebnis komplexer Wechselwirkungen
"Waldbrände sind nicht nur ein Problem der Forstwirtschaft", kommentiert Erstautorin Elsa Varela vom Spanish National Research Council (CSIC)die Studienresultate. "Sondern das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen zwischen Klima, Landnutzung und gesellschaftlichen Entwicklungen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass erfolgreiche Waldbrandvorsorge ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele verbindet und relevante Akteurinnen und Akteure an einen Tisch bringt."
Die untersuchten Initiativen reichten von extensiver Beweidung mit Rindern, Schafen und Ziegen zur Verringerung brennbarer Biomasse über kontrolliertes Abbrennen bis hin zu Kooperationen zwischen Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft und Feuerwehren. Die erfolgreichsten waren jene, die unterschiedliche Landnutzungen miteinander verbinden, gesellschaftliche Gruppen aktiv miteinbeziehen und entsprechende Massenzahlen laufend weiter entwickeln.
Landwirtschaft statt Brandschneisen zum Schutz vor Waldbränden
Quelle: Fernando J. Pulido
Die Initiative „Mosaico Extremadura“ im nördlichen Extremadura (Spanien) setzt auf die Wiederherstellung einer vielfältigen, durch Land- und Forstwirtschaft geprägten Mosaik-Landschaft, um das Waldbrandrisiko zu verringern.
Eines der erfolgreichsten Beispiele ist das Projekt "Mosaico Extremadura". Hier oder vielmehr in der Sierra de Gata und Las Hurdas hatte sich das Gesicht der Landschaft über die Jahre stark gewandelt. Wo sich einst ein buntes Mosaik aus Olivenhainen, kleinen Äckern und Weiden über das gebirgige Land zog, erstreckt sich heute ein schier endloser Teppich aus Gestrüpp und Wald. Die Ursache dafür: Das Gros der Bevölkerung hatte im Lauf der Zeit das abgelegene Gebiet in Richtung Städte verlassen; zuletzt verwaisten und zerfielen die Höfe, die Äcker und Weiden verwilderten, bis nichts mehr von ihnen zu sehen war. In der Folge wurde das Land wegen seiner Gleichförmigkeit anfälliger für Waldbrände - denn ist die Landschaft kleinräumiger unterteilt, können sich die Flammen ungebremst ausbreiten.
Hier setzt
"Mosaico Estremadura": Auf einer Fläche von etwas mehr als der Grösse
Berlins werden keine Brandschneisen in den Wald geschlagen sondern
Bauern, Schäfer und Forstwirte bringen die Landwirtschaft zurück. Die
Idee dahinter: Schafweiden, Getreideäcker oder ein Olivenhain entzünden
sich weniger schnell als überwucherte Hänge. Damit macht das Projekt
allerdings einiges mehr, als die Senkung des Brandrisikos. Es bietet
einer Region, die seit Jahrzehnten unter der Landflucht leidet wieder
wirtschaftliche Perspektiven. (mai/mgt)
Quelle: Fernando J. Pulido
Haltung von Geissen zur Vervielfältigung der Landnutzung im nördlichen Extremadura (Spanien).