08:09 BAUPRAXIS

Rückbau der Bederbrücke in Zürich-Enge: Abbruch unter hohem Zeitdruck

Teaserbild-Quelle: Stefan Schmid

Die Bederbrücke beim Bahnhof Enge in der Stadt Zürich musste unter hohem Zeitdruck und engen Platzverhältnissen abgebrochen werden. Fünf Monate dauerte die Planung. Die Arbeiten verliefen wie geplant, doch es gab auch einige Überraschungen.

60-Tonnen-Bagger

Quelle: Stefan Schmid

Am Freitag um 21 Uhr ging es nach mehrtätigen Vorbereitungsarbeiten mit dem Abbruch der Bederbrücke los. Am Sonntag war der Einsatz des 60-Tonnen-Baggers bereits beendet.

Beim Bahnhof Enge quert die Bederbrücke das Trassee der SBB. Über sie führen zudem eine Tram- sowie eine Buslinie dieser wichtigen Verkehrsdrehscheibe der Stadt Zürich. Die Tragfähigkeit der Brücke mit Baujahr 1923 wurde vor Jahren als Problem erkannt. Sondermassnahmen wie der Einbau von Stahlträgern sollten die Sicherheit der darunterliegenden Geleise gewährleisten und weiterhin den Fahrbetrieb der städtischen Verkehrsbetriebe für begrenzte Zeit ermöglichen. Die Belastungsgrenze der 34 Meter langen und 19 Meter breiten Brücke wurde auf Fahrzeuggewichte von 3,5 Tonnen reduziert und für den Schwerverkehr gesperrt.

Aufgrund der intensiven Nutzung der Brücke waren ein Ersatzbau und damit der Abbruch der Brücke letztlich aber unumgänglich. Rückbauten von Brücken an neuralgischen Orten wie diesem stellen hohe Anforderungen an die Planung und den Umgang mit der Statik. Bei den Abbrucharbeiten liest sich der Name des Bahnhofs Enge wie eine strenge Vorgabe. Die  Abbrucharbeiten wurden übers Wochenende vom 9. bis 11. Juli ausgeführt.

«Statisch am Limit»

Die Platzverhältnisse diktierten in diesem Fall die Wahl des Abbruchverfahrens und damit den Einsatz schwerer Maschinen. Das hatte zur Folge, dass auf dem Niveau der Perrons neben einem 60-Tonnen-Bagger nur noch Platz für einen Schrittbagger und einen 30-Tonnen-Bagger war. Gear-beitet wurde daher von oben nach unten, indem auf der Brücke zwei 30-Tonnen-Bagger den Beton bearbeiteten.

«In einer solchen Situation können die Normen nicht mehr einhalten werden, denn die Brücke muss die Lasten lediglich noch einige Stunden tragen», sagt Urs Meier, Bauingenieur und Inhaber der Eduard Meier AG. Der Abbruch von Brücken ist in den letzten Jahrzehnten zu einer der Spezialdisziplinen des Unternehmens geworden. Die Planung umfasst daher die knifflige Aufgabe, inwiefern die Brücke den Belastungen der schweren Baugeräte standhalten konnte. «Wir waren statisch am Limit», sagt Meier.

Als herausfordernd bezeichnet er die statischen Berechnungen. Basis für die Planung bildeten Bestandsdaten der Bau-herrschaft zu Beton- und Stahlfestigkeit, ergänzt um eigene Analysen auf der Grundlage von Sondagen. Für die Grundplanung des Abbruchs war Urs Meier zuständig, er verantwortete ebenso die Leitung und Koordination der Arbeiten auf der Baustelle.

Bei der Feinplanung und dem Umgang mit der Statik zieht Meier bei Abbruchprojekten jeweils das Ingenieurbüro Meichtry Widmer bei. Dabei gehe es um statische Detailkenntnisse und wie sich die Werte für bestimmte Situationen optimieren lassen. Alle Erkenntnisse flossen schliesslich in einen Statikbericht. Auch wenn die Gebrauchstauglichkeit nicht mehr sichergestellt sein musste, galt es zu beweisen, was beim Rückbau statisch überhaupt möglich war. Auch der Prüfingenieur der Auftraggeberin wollte genau belegt haben, wie die Konstruktion den zeitweise hohen Belastungen Stand halten konnte.

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