15:59 BAUPRAXIS

Oberflächenschutz auf der Baustelle des Papieri-Areals in Cham

Geschrieben von: Claudia Bertoldi (cb)
Teaserbild-Quelle: Claudia Bertoldi

Sicherheits- und Schutzvorkehrungen sind Massnahmen, die auf jeder Baustelle die Unversehrtheit der hier tätigen Personen garantieren sowie die baulichen Strukturen schützen. Die Schweizer Vliesherstellerin Fritz Landolt AG hat Produkte entwickelt, die schnell und einfach zu montieren und gleichzeitig robust und dauerhaft sind. 

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Quelle: Claudia Bertoldi

Sichtbetonflächen müssen in der Bauphase vor Verschmutzungen und Beschädigungen geschützt werden. Ein selbstklebendes Schutzvlies erweist sich dafür als ideale Lösung.

Spätestens alle drei Wochen kommt Anwendungsberater Thomas Weiss zur Inspektion auf das Papieri-Areal in Cham. Seine Ziele sind der langgezogene Neubau beim einstigen Kesselhaus sowie das dahinterliegende ehemalige Gebäude der Papiermaschinenhallen, das sich entlang des Ufers der Lorze erstreckt. Überall wird gebaut. Der Rohbau ist bereits fertiggestellt, die beiden Gebäude befinden sich in der Ausbauphase. Genau zu diesem Zeitpunkt sind die Leistungen des Fachmanns der Fritz Landolt AG besonders nötig und gefragt.

Auf der Baustelle herrscht reges Treiben. Beim Ausbau arbeiten mehrere Gewerke zeitgleich nebeneinander. Elektriker, Heizungs- und Sanitärinstallateure, Fensterbauer, Bodenleger, Gipser und Maler – alle sind im mehrgeschossigen Haus unterwegs. Mit ihnen auch Arbeitsgeräte und Werkzeug sowie jede Menge Baumaterialien, die teils über die Hauseingänge und Treppenhäuser auf die verschiedenen Etagen transportiert werden müssen. 

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Quelle: Claudia Bertoldi

Das Vlies an den Wänden der Treppenhäuser schützt vor Schäden beim Materialtransport in der Bauphase, später beim Möbeltransport.

Sichtbeton ist empfindlich

Hier liegt das Problem, weswegen sich das ausführende Bauunternehmen Anliker aus Emmenbrücke an die Spezialisten von Landolt wandte. Die beiden Unternehmen arbeiten seit geraumer Zeit zusammen. Wo gebaut wird, fallen Späne – auf den Baustellen werden auch viele Kanten und Maueroberflächen beschädigt. Das muss verhindert werden.

Das Ausführungsprojekt der beiden Wohnhäuser auf dem Papieri-Areal sieht für die Eingangsbereiche, Treppenhäuser und Flure Sichtbetonwände vor. Jede kleine Beschädigung wäre deutlich zu erkennen und müsste mit zeit- und kostenintensiver Betonkosmetik beseitigt werden, wobei eine dauerhafte Beseitigung nicht immer garantiert ist. 

Aber nicht nur vor mechanischen Einflüssen, sondern auch vor Verschmutzung müssen die Bauteile aus Sichtbeton geschützt werden. Im Normalfall sind diese Vorsichtsmassnahmen nicht notwendig, da die Wände mit einem Putz versehen werden, der alle eventuellen Schadstellen überdeckt.

«Deshalb sind wir seit dem Rohbau mit vor Ort und kooperieren mit dem Bau-unternehmen», berichtet Thomas Weiss. Konkret bedeutet das: In den beiden Gebäuden sind rund 2000 Quadratmeter Sichtbetonflächen mit einem Schutzvlies bedeckt. Es reicht fast über die gesamte Raumhöhe der Eingangsbereiche, Treppenaufgänge und entlang der Korridore, die zu den Wohneinheiten führen. 

Sofort nach der Fertigstellung des Rohbaus, am besten noch bevor die ersten Handwerker im Haus ihre Arbeit beginnen, müssen die Wände mit dem selbstklebenden Vlies abgedeckt werden.

Landolt 3

Quelle: Claudia Bertoldi

Handlich zu transportieren und schnell zu verarbeiten. Das Vlies haftet auf horizontalen und vertikalen Flächen. Es wird vor Ort auf Mass geschnitten.

Das weiche, aber dennoch sehr robuste Material Allprotect wird in Meter-Rollen geliefert. Auf der Rückseite besitzt es eine Klebeschicht, die auf allen gängigen und glatten Oberflächen haftet. «Die Verarbeitung ist einfach. Das Schutzvlies ist leicht und gut zu handhaben. Da es weich ist, passt es sich an alle Oberflächen an. So können auch Ecken, Kanten oder die Bereiche um die Türen und Fenster perfekt geschützt werden», erklärt der Experte. 

Und er demonstriert sofort, wie es funktioniert: Der Hauseingang wurde bereits vor einigen Wochen komplett mit dem grauen Material abgedeckt. Regelmässig kontrolliert der Anwendungsberater auf seinem Rundgang, ob das Material noch gut haftet oder ob Beschädigungen aufgetreten sind. Denn das Unternehmen garantiert dem Kunden einen hochstrapazierfähigen, zuverlässigen Langzeitschutz.

Alles haftet perfekt, es wurde sorgsam gearbeitet und präzise auf Stoss geklebt. Auch in den Treppenhäusern sind keine Schäden zu erkennen. «Das Material ist sehr robust. Falls es zu einem Schaden kommt, dann ist er meist von grösserem Ausmass und mit sehr viel Kraft entstanden, vielleicht von einer Maschine, oder mutwillig verursacht worden. Der Urheber beziehungsweise die Ursache kann relativ leicht ausfindig gemacht werden.»

 

Einfach zu verarbeiten

Das Vlies wurde von den Mitarbeitern des Bauunternehmens selbst verlegt. Dafür erhalten sie vom Anwendungsberater Weiss eine Produkt- und Anwenderschulung. «Es kommt darauf an, präzise zu kleben, aber auch ökonomisch mit dem Material zu haushalten. Auch die Reststücke der Bahnen können verwendet werden», sagt Weiss. In diesem Fall musste auch nicht bis zur Oberkante der Bodenplatte geklebt werden, da der Fussbodeneinbau später erfolgt und eventuelle Schäden in diesem Bereich verdeckt werden.

Selbst wenn eine Bahn etwas verrutscht oder beschädigt wurde, das Material lässt sich einfach lösen, indem die Bahnen leicht an den Kanten abgezogen werden. Danach kann das Vlies problemlos wieder «in Position» geklebt werden. Laut Weiss auch mehrfach, es haftet dauerhaft. 

Die haftende Unterseite ist mit einem laminierten Komposit ausgestattet, welcher gleichzeitig als Flüssigkeitssperre dient. Im Idealfall verbleibt der Vliesstoff aus Synthesefasern bis zum Einzug der ersten Mieter an den Wänden. Somit können auch Schäden beim Möbeltransport vermieden werden, wie man sie oft in Treppenhäusern vorfindet. Die Schutzvliese lassen sich im Anschluss rückstandsfrei entfernen.

Beim weiteren Rundgang geht es ins hintere Gebäude. Der Baukörper ruht auf den Fundamenten eines ehemaligen Fabrikgebäudes. Die Verbindungstreppen zwischen den Etagen wurden neu eingebaut. Die Treppe zum Untergeschoss ist ebenfalls mit einem Schutzvlies abgedeckt. 

«Hier kommt dasselbe Vlies Allprotect original wie an den Wänden, nur in horizontaler Verlegung zum Einsatz. Es dient vor allem als Tritt- und Schmutzschutz des Materials», erklärt Weiss. Die Sicherheit der hier tätigen Arbeiter steht aber ebenso im Fokus wie der Schutz des Elements, denn sie wechseln über die steilen Treppen öfters ihren Einsatzort. 

Landolt 7

Quelle: Claudia Bertoldi

Das Schutzvlies lässt sich rückstandsfrei ablösen, kann aber auch mehrfach wieder aufgeklebt werden.

Rutschhemmend und stossfest

Das Vlies hat eine rutschhemmende Opticoat-Beschichtung und ist auf den Stufen genauso schnell zu verlegen wie es an den Wänden angebracht wird. Fasern und Haftstoff sind in einem untrennbaren Verbund verschweisst. Mit dem Sicherheitsmesser wird die entsprechende Breite direkt beim Verlegen ausgeschnitten, das Vlies um die Kanten gelegt und gut angedrückt. Es schützt auch hier vor Stössen, Flüssigkeiten, Bojeake, Rostwasser und sonstige Verschmutzungen. Der Treppen-Schutzbelag ist kaum erkennbar, hält dauerhaft und ist aber auch schnell wieder entfernt.

Auf der Baustelle sind auch andere Lösungen für Bautreppen zu sehen, unter anderem aus massiven Schichtholz. «Diese Varianten sind nicht nur arbeitsintensiv bei der Herstellung, sondern sie müssen auch regelmässig auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft und gewartet sowie ausgebessert werden. Zudem ist der Materialverschleiss enorm, denn jede dieser Treppen wird auf Mass gefertigt. Mit Abschluss der Arbeiten am Objekt müssen sie entsorgt werden», erklärt Weiss.

Das Schutzvlies hingegen ist fast wartungsfrei. Sollte es sich einmal abgelöst haben oder verrutscht sein, wird es wie an den Wänden neu aufgeklebt, oder es werden nur die betreffenden Stellen partiell neu verlegt. Wird es nicht mehr benötigt, kann es rückstandsfrei abgezogen werden. Zurück bleibt eine saubere Oberfläche.

Zudem kann das Schutzvlies mit einem Kantenschutz versehen werden. Die fertigen Kunststoff-Profile mit Abkantung aus recycliertem Material werden ebenfalls direkt vor Ort auf die benötigte Länge geschnitten und direkt auf die Stufen verlegt. Die Klebeschicht des darüber liegenden Schutzvlieses hält die leichte Platte fest am Betonuntergrund und garantiert somit eine gute Trittsicherheit sowie erhöhten Schutz für das darunterliegende Element. 

Papieri 2

Quelle: Claudia Bertoldi

Die Gründungsarbeiten für zwei weitere Hochhäuser der Überbauung sind fast abgeschlossen.

In 15 Jahren zum neuen Wohngebiet

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Quelle: Claudia Bertoldi

Die Gebäude der ersten Bauetappe, hier der Neubau mit 160 Mietwohnungen, befinden sich bereits in der Ausbauphase.

Das Papieri-Areal in Cham entsteht auf dem ehemaligen Gelände einer Papier-fabrik. 2015 wurde nach über 350 Jahren die Papierproduktion eingestellt. Bereits 2012 hatte die Cham Paper Group beim Chamer Gemeinderat ein Gesuch zur Umzonung des Fabrikareals eingereicht. Im Dezember desselben Jahres stimmte die Bevölkerung der Kreditvorlage unter der Bedingung zu, dass beim Bau preisgünstige Wohnungen berücksichtigt werden.

Die Cham Group entwickelt auf dem rund elf Hektar grossen Areal in Etappen ein neues Quartier mit rund 1000 Wohnungen und rund 1000 Arbeitsplätzen. Eine Besonderheit des Projekts ist, dass nach den Vorgaben des Bebauungsplans rund ein Drittel der Bestandsbauten auf dem Areal erhalten und umgenutzt werden müssen. So entsteht ein modernes Wohn- und Arbeitsquartier, das seinen historisch gewachsenen industriellen Charme beibehält.

In einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren wird das Areal in mehreren Etappen entwickelt. Mit der Umnutzung prägender Bestandsbauten wird der Bezug zur Vergangenheit aufrechterhalten. Gestartet wurde mit dem südlichsten Hochhaus des Areals am Papieri-Platz, das zwischen den Bestandsbauten Kesselhaus und Lokremise steht. Neben Gewerberäumen im Erdgeschoss sind 46 Eigentumswohnungen, die sogenannten Papieri-Suites, geplant. Insgesamt sind auf dem Papieri-Areal fünf Hochhäuser geplant.

Die erste Etappe umfasst zudem einen langgezogenen, siebengeschossigen Neubau mit 160 Mietwohnungen, inklusive der 30 Apartments im preisgünstigen Bereich. Parallel dazu, entlang der Lorze verläuft das Gebäude der ehemaligen Papiermaschinenhallen, welches zu 52 grosszügigen Loftwohnungen und -ateliers ausgebaut wird. Im Erdgeschoss sind Gewerberäume geplant. Diese Gebäude befinden sich bereits in der Ausbauphase.

In der ersten Bauetappe sind ebenfalls die Umnutzung des Kesselhauses für gewerbliche Zwecke, die Gestaltung des zentralen Papieri-Platzes mit Freitreppe und die Erstellung des neuen Lorzenstegs enthalten, der entlang des gesamten Gebäudes der ehemaligen Papiermaschinenhallen verlaufen wird. Ende 2022 sollen die ersten Wohnungen und rund 4400 Quadratmeter Dienstleistungs- und Gewerbeflächen bezugsbereit sein.

Inzwischen sind auch die Aushub-arbeiten für zwei weitere Gebäude der zweiten Bauetappe im Zentrum des Areals beendet und die Gründungsarbeiten im Gange. Die grosse Baugrube der zwei Wohnhochhäuser befindet sich zwischen dem bereits errichteten Neubau und dem Kesselhaus. Für die beiden Hochhäuser ist ein Nutzungsmix mit 100 Eigentums- und Mietwohnungen, einer Kita und rund 60 Mikroapartments vorgesehen.

Die Arealentwicklung beruht auf einem Energieversorgungskonzept, das eine Wärme- und Kälteversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie vorsieht und sich an den Prinzipien der 2000-Watt-Gesellschaft orientiert. Die Gesamtinvestitionen betragen rund 700 Millionen Franken. (cb)

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Quelle: Claudia Bertoldi

Mit dem südlichsten Hochhaus des Papieri-Areals wurde das Grossprojekt gestartet. Das davorliegende Kesselhaus wird für gewerbliche Zwecke umgebaut.

Blick auf Baustelle Papieri-Areal in Cham

Quelle: Claudia Bertoldi

Aufnahme von Juli 2021: Beim ersten Mietgebäude im Baubereich A ist der Rohbau bereits abgeschlossen, die Montage der Sichtbetonfassade hat vor kurzem begonnen. Auch der Innenausbau der Mietwohnungen und der Gewerbeflächen auf Niveau der Maschinengasse sei bereits gestartet.

Geschrieben von

Ehemalige Redaktorin Baublatt

Claudia Bertoldi war von April 2015 bis April 2022 als Redaktorin beim Baublatt tätig. Ihre Spezialgebiete waren Architektur- und Technikthemen.

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