Zeitraffer-Video: ITER hievt sechstes Modul in Tokamak-Grube
Fast sechs Monate früher als geplant hat die ITER-Organisation in Saint-Paul-lez-Durance (FR) das sechste von neun Sektormodulen des Tokamak-Kerns installiert – damit sind nun zwei Drittel des ringförmigen Fusionsreaktorkerns montiert.
Der 30-stündige Hebevorgang des Bauteils im Zeitraffer. (Video: ITER)
Das Megaprojekt ITER soll die wissenschaftliche und technische Machbarkeit der Kernfusion als Energiequelle demonstrieren. Am Standort in Saint-Paul-lez-Durance im Süden Frankreichs entsteht seit Jahren einer der grössten und komplexesten Forschungsreaktoren der Welt – finanziert und gebaut im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit von Europa, China, Indien, Japan, Südkorea, Russland und den USA. Europa trägt als Gastgeber fast die Hälfte der Baukosten, die übrigen Länder teilen sich den Rest zu gleichen Teilen.
Präzisionsarbeit im Millimeterbereich
In diesen Tagen wurde nun das sechste von insgesamt neun Sektormodulen des Tokamak-Kerns installiert, wie die ITER-Organisation mitteilte. Kernstück jedes Moduls ist ein Vakuumgefäss-Sektor: Zusammen bilden die neun Sektoren das Vakuumgefäss – die ultrahochvakuumdichte Kammer, in der die Fusionsreaktionen stattfinden. Im Endausbau umfasst das Gefäss einen Durchmesser von 19 Metern und eine Höhe von 11 Metern. Seine doppelwandige Struktur bietet Platz für Abschirmung und Kühlwasser und dient als Träger für die Ausrüstung, die zur Erwärmung, Diagnose und Steuerung des Plasmas verwendet wird.
Bevor ein Sektormodul in die Tokamak-Grube abgesenkt werden kann, wird jeder 440 Tonnen schwere Vakuumgefäss-Sektor mit Wärmeschild-Paneelen sowie zwei rund 310 Tonnen schweren toroidalen Feldspulen zu einem kompletten Modul zusammengefügt. Letztere erzeugen später das Magnetfeld zur Einschliessung des Plasmas. Die Komponenten müssen dabei millimetergenau ausgerichtet und positioniert werden.
Das nun installierte, sechste Sektormodul brachte gemäss Mitteilung rund 1100 Tonnen auf die Waage und wurde während eines 30-stündigen Hebevorgangs am 28. Juli in die Tokamak-Grube abgesenkt. Mit der Hebevorrichtung belief sich die hängende Last auf fast 1400 Tonnen.
Quelle: ITER
Das Sektormodul nähert sich dem Rand der Tokamak-Grube. Die Drehung hat begonnen, damit das Modul in der richtigen Ausrichtung in die Grube gelangt.
Letztes Modul soll Mitte 2027 folgen
Die Sektormodule des Tokamak-Kerns werden seit April 2025 sukzessive von Montageteams installiert. Vier der neun Vakuumgefäss-Sektoren stammen aus Südkorea, die übrigen fünf aus Europa. Das nun eingebaute Modul ist um den sogenannten Vakuumgefäss-Sektor «#1» herum aufgebaut und das vierte sowie letzte der in Südkorea gefertigten Sektoren. Die Montage der Sektormodule liegt gemäss Mitteilung auf dem kritischen Pfad des ITER-Zeitplans.
Sobald alle neun Sektormodule in der Grube positioniert sind, starten die Verbindungsarbeiten, um den Torus fertigzustellen. Nach Angaben der Organisation konnte durch Verbesserungen bei der Reihenfolge und Durchführung der Montagearbeiten der voraussichtliche Einbau des letzten Sektormoduls von Dezember 2027 vorverlegt werden. «Wir konzentrieren uns nun darauf, das Tempo zu halten und das letzte Sektormodul bis Mitte 2027 oder früher zu positionieren, falls die Bedingungen es zulassen», so Sergio Orlandi, Leiter des ITER-Bauprojekts, in der Mitteilung. (mgt/pb)
Quelle: ITER
Das Sektormodul nähert sich dem Rand der Tokamak-Grube.
Quelle: ITER
Hinter dem zentralen Elektromagneten ist das Sektormodul zu sehen, das in den Kern des Tokamaks versetzt wird, sobald die gesamte Vakuumkammer eingebaut und verschweisst ist.
Quelle: ITER
Das sechste Sektor-Modul wird abgesenkt: Im Hintergrund sind die fünf bereits in Position befindlichen Sektor-Module zu sehen.
Quelle: ITER
Das Sektor-Modul nähert sich seiner Endposition: Die fünf bereits installierten Sektor-Module sind auf der rechten Seite zu sehen.
Quelle: ITER
Der Einhub wird von einem Kontrollpult aus überwacht, das sich in einer der Port-Zellen des Tokamaks befindet.
Quelle: ITER
Mit der erfolgreichen Installation des sechsten Sektormoduls sind nun zwei Drittel der Plasmakammer montiert.
Quelle: ITER
Da nun sechs von neun Sektormodulen installiert sind, ist die ITER-Plasmakammer zu zwei Dritteln fertiggestellt. Ein weiteres Sektormodul wird noch in diesem Jahr hinzugefügt, während die letzten beiden Sektormodule im Jahr 2027 eingebracht werden sollen.
Quelle: ITER
Mehr als 100 ITER-Mitarbeitende und Auftragnehmer waren am Hebevorgang beteiligt. Im Bild: Das zufriedene Team, nachdem das Sektormodul seine endgültige Position in der Tokamak-Grube erreicht hatte.