17:07 BAUPRAXIS

Le Corbusier am Rhein-Rhône-Kanal: Architekturjuwel wird neu entdeckt

Teaserbild-Quelle: Alexandra von Ascheraden

Am Rhein-Rhône-Kanal stehen ein Schleusenturm und ein Verwaltungsgebäude, die einst von Le Corbusier entworfen wurden. Doch die Bauten bröckeln unübersehbar.  Für ihre Renovierung ist das nötige Geld von einer Million Euro aber noch nicht beisammen. 

Schleusenwärterturm von Le Corbusier am Rhein-Rhône-Kanal

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Von Le Corbusier stammen der Schleusenwärterturm und das Verwaltungsgebäude im Hintergrund. Im Verwaltungsgebäude sind Wände und Böden weitgehend noch im Originalzustand erhalten.

Für mich zeigen diese Gebäude ein Konzentrat des Schaffens Le Corbusiers. Man sieht deutlich, dass sie zu seinem Spätwerk gehören», sagt Claude Huard, während er über das Betriebsgelände der Schleuse führt. Huard ist Chef der Schleusenwärter- und der Unterhaltsmannschaft im wenige Kilometer von Basel entfernten Kembs-Niffer im Elsass. Durch diesen Job ist er auch für zwei Gebäude von Le Corbusier zuständig, die seit einem Vierteljahrhundert ungenutzt auf dem Betriebsgelände stehen.

Markanter Turm 

Der berühmte Architekt hat in Frankreich kaum je Aufträge für Gebäude erhalten, die mit öffentlichen Geldern finanziert wurden. Umso kurioser mutet es an, dass ausgerechnet an einem beschaulichen Elsässer Kanal gleich zwei der wenigen Ausnahmen zu finden sind: ein markanter vierstöckiger Schleusenwärterturm und das zugehörige Verwaltungsgebäude für das Zoll- und Schleusenpersonal. 

Im Alter schuf Le Corbusier zunehmend skulptural wirkende Gebäude. Der Schleusenwärterturm ist ein gutes Beispiel für seine Formensprache. Raumwürfeln sind entlang einer senkrecht verlaufenden T-förmigen Achse gegeneinander verschobenen. Der verglaste Arbeitsraum des Schleusenwärters setzt sich davon mit seinem dreieckigen Grundriss ab und schliesst den Turm nach oben hin ab.

Das leuchtend grüne Steuerpult steht nach wie vor an seinem Platz, es ist seit 1995 ausser Betrieb. Der Turm und das Verwaltungsgebäude werden nicht mehr genutzt, seit in der Nähe eine doppelt so lange Schleuse in Betrieb ging, die auf die Masse moderner Rheinlastschiffe ausgelegt ist. Über sie fliesst der gesamte Frachtverkehr zum Hafen in Mulhouse.

Die Schleuse, wo sich die von Le Corbusier entworfenen Gebäude befinden, ist aber weiterhin in Betrieb, wird jedoch von der grossen Schleuse aus ferngesteuert. Etwa 650 Freizeitboote nutzen sie jeden Sommer, um in den Rhein-Rhône-Kanal einzufahren.

Gerade im Sommer ist Huard froh, dass die alte Schleuse noch betriebsfähig ist: «Das Becken der grossen Schleuse ist 190 Meter lang, das der Corbusier-Schleuse nur 85. Bei jedem Schleusvorgang verbrauchen wir mit der kleinen Schleuse somit nur halb so viel Wasser. Das gewinnt an Bedeutung, seit uns der Klimawandel regelmässig trockene Sommer beschert.»

Seit 2005 denkmalgeschützt

Die beiden Gebäude wurden durch die Voies Navigables de France (VNF) in Schuss gehalten wie alle anderen Gebäude im Immobilienpark auch. Die VNF ist die Behörde, die in Frankreich für alle schiffbaren Flüsse und Kanäle zuständig und die auch mit dem Erhalt der zugehörigen Infrastruktur betraut ist – inklusive der Gebäude von Le Corbusier.

Allerdings hat man in den ersten Jahrzehnten nach dem Bau noch nicht geahnt, dass diese beiden Gebäude bei Niffer im Jahr 2005 unter Denkmalschutz gestellt sein werden. Entsprechend pragmatisch erfolgte der Unterhalt. Was kaputt war, wurde mit Material aus dem Baumarkt ersetzt, was gestrichen werden musste, wurde mit einem neuen Anstrich versehen. So kommt es, dass die meisten der originalen Schreinerarbeiten heute ersetzt sind. Die hölzernen Rahmen der markanten Fenster an der Kabine des Schleusenwärters etwa wurden irgendwann gegen pflegeleichte Aluminiumrahmen ausgetauscht.

In den Räumen des vom Zoll benutz-ten Verwaltungsgebäudes sind Wände und Böden allerdings weitgehend noch im Originalzustand erhalten. Die Schleusenwärter dagegen haben ihren Gebäudeteil, entsprechend dem Geschmack der 1980er-Jahre, unter anderem mit einer wandfüllenden Fototapete mit Palmenmotiv um-gestaltet. Alle unsachgemässen Änderungen sollen nun entfernt und die Gebäude wieder in den Originalzustand zurück-geführt werden.

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