Grünräume und Lärm: Wenn Bäume den Park beruhigen
In Pärken, wo nebenan der Verkehr lärmt, können zusätzliche Bäume aber auch ein Brunnen für mehr Aufenthaltsqualität und damit bei Erholungssuchenden für mehr Wohlbefinden sorgen. Darum geht es in zwei neuen Publikationen vom Institut für Wald Schnee und Landschaft (WSL), die auch praktische Tipps enthalten.
Quelle: Silva Maier
Grüne Idylle im Seleger Moor: Der Park bei Rifferswil ZH lockt jedes Jahr Tausende Naturbegeisterter und Erholungssuchender an. (Symbolbild)
Zürichs Bellevue ist ein Ort der Gegensätze. Während Passanten vor klingelnden Trams über die Gleise hasten, schiessen Velofahrer zwischen Autos hindurch, die sich als zähflüssige Blechmasse über die Quaibrücke schieben. Daneben lockt der See mit einem ausgedehnten Park, der sich vom Zürichhorn bis beinahe zur Roten Fabrik auf der gegenüberliegenden Seite erstreckt. Die Anlage lädt mit Wiesen und Bäumen zum Verweilen ein. Damit erfüllt sie eine wichtige Funktion: Gut erreichbare Naherholungsgebiete sind zentral für das Wohlbefinden. Das gilt auch für die Agglomeration.
Doch wie beeinflusst die Geräuschkulisse die Qualität der Erholung? Und was bewirken Landschaftselemente wie Bäume oder Sitzbänke? Die Umweltpsychologin Nicole Bauer vom Institut für Wald Schnee und Landschaft (WSL) hat in mehreren Projekten untersucht, was akustische und visuelle Einflüsse für die Erholung in der Agglomeration bedeuten oder vielmehr in periurbanen Landschaften. Die Erkenntnisse sind in die zwei neuen Publikationen «Geräuschwahrnehmung in periurbanen Landschaften» und «Hören und Stören» eingeflossen, sie enthalten auch praktische Tipps.
Beruhigt Wassergeplätscher den Strassenlärm?
Bauers Fazit: Auge und Ohr wirken zusammen. Das lässt sich laut der Wissenschaftlerin ausnutzen. «Ist ein kleiner Park von lauten Strassen umgeben, kann man das wahrscheinlich nicht ändern», wird sie in der Medienmitteilung der WSL zitiert. «Aber man kann Bäume hineinpflanzen.» Die Idee dahinter: Bäume steigern die Landschaftsqualität, sie lassen einen Ort erholsamer erscheinen, selbst wenn der umgebende Verkehrslärm nicht reduziert werden kann. Eine andere Lösung bieten zusätzliche akustische Eindrücke. Laut Bauer können unangenehme Geräusche mit positiv belegten übertönt werden, etwa mit Wasserplätschern oder vielmehr mit einem Brunnen. Der gesamte Lärmpegel sei dann zwar gleich oder sogar höher, aber in den Untersuchungen habe dieser keine Rolle gespielt. Allerdings schränkt Bauer ein, dass es möglicherweise auch daran gelegen hat, dass man keine extrem lauten Naherholungsgebiete gefunden habe.
Ob das auch am Zürcher Bellevue wirkt? Die Untersuchungen liefen in der Agglomeration, im von Pendlergemeinden geprägten Raum zwischen Stadt und Land. Hier dominieren Strassen mit dem Pendlerverkehr, was für zusätzlichen Lärm sorgt. Gleichzeitig spielt dort gemäss Bauer die Landwirtschaft eine grosse Rolle, auch für die Naherholung. Dennoch hat die Erholsamkeit dieser Gebiete Wachstumspotenzial. «Beispielsweise mit Sitzbänken oder Strukturen, die Vögel anlocken», so Bauer. Ihr Zwitschern lasse eine Landschaft ebenfalls erholsamer wirken.
Insgesamt hat das Forschungsteam rund 300 Personen in Naherholungsgebieten von zehn Gemeinden direkt vor Ort befragt, darunter Malters LU, Rümlang ZH und Villar-sur-Glane FR. Zum Beispiel wie gut ihnen die Vegetation um sie herum gefiel, wie oft sie das Naherholungsgebiet besuchten und wie sie dort die Geräuschkulisse empfanden. (mai)
Die Publikationen «Geräuschwahrnehmung in periurbanen Landschaften» und «Hören und Stören» sowie weitere lassen sich auf www.wsl.ch/de/ueber-die-wsl/publikationen downloaden.