13:06 BAUPRAXIS

Geflämmtes Holz: Ein schwarzes, japanisches Kleid

Teaserbild-Quelle: Roger Frei, Zürich

Auch massiv gebaute Häuser zeigen sich gern in einem Kleid aus dem Naturmaterial Holz. Manche gar in Schwarz.  Möglich macht dies „Shou Sugi Ban“, eine traditionsreiche japanische Technik, bei der Holzoberflächen geflämmt werden.

Neubau des Stapferhauses

Quelle: Oliver Lang, Lenzburg

‹Black Box› für Themen, die bewegen: Neubau des Stapferhauses in Lenzburg (pool Architekten, Zürich).

Lenzburg hat etwas zu bieten: das neue Stapferhaus gleich beim Bahnhof. Das Stapferhaus widmet sich mit seinen Ausstellungen Themen, die bewegen. ‹Geschlecht› heisst die aktuell laufende Schau. Eine Installation mit riesigen, bunten Blüten macht schon von weitem auf sie aufmerksam, wenn man sich dem modernen Bau nähert. Die überdimensionale Kunstflora ist unglaublich präsent: denn die ganze Holzkonstruktion, vor der sie sich entfaltet, ist schwarz. Entwickelt haben die Konstruktion die Zürcher Pool Architekten mit den Holzbauingenieuren von Makiol Wiederkehr AG aus Beinwil am See entwickelt haben.  

 Der dunkle Farbton – nicht nachtschwarz, aber doch blauschwarz – verdankt die  Weisstannenfassade einer braunen Druckimprägnierung, gefolgt von einer zweifachen Nachbehandlung mit einem lasierenden Holzöl auf Wasserbasis. Die aussergewöhnliche Farbgebung – aussen wie innen – macht den Holzbau zur perfekten Bühne für die Ausstellungen.

Alte Technik aus Japan

Schwarz ist hierzulande nicht der Normalfall im gebauten Raum, deshalb fällt es auf. Noch überraschender wirkt es, wenn die Oberfläche einer Holzfassade geflämmt ist. Dabei handelt sich um eine spezielle, althergebrachte Technik aus Japan. Dort wird das Holz einfacher Bauten derart behandelt, um es vor der Witterung zu schützen, wie zum Beispiel bei den geschwärzten Fischerhäuser in Mitteljapan. Üblicherweise wird das Flämmen beim Holz der Japanischen Zeder (Sugi) angewandt, die auch als Sicheltanne bekannt ist. Die Holzart ist in den Namen der Technik eingegangen: ‹Yakisugi› oder ‹Shou Sugi Ban›.

Das Flämmen fasziniert in Europa mittlerweile derart, dass sich schon länger ein internationaler Markt für solcherart behandelte Hölzer im Aussen- und Innenbereich entwickelt hat. Ihre Oberfläche kann leicht oder stark gebürstet und geölt werden, was eine breite Palette hinsichtlich ihrer Anmutung ermöglicht.

 Wie funktioniert das Flämmen von Holz? Erhitzt man lufttrockenes Holz ohne Sauerstoffzufuhr auf 275 Grad Celsius, entsteht Holzkohle. Flüchtige Holzbestandteile wie zum Beispiel Harz verbrennen dabei. Die Holzkohle, die beim Flämmen eines Schalungsbretts auf dessen Oberfläche entsteht, bildet eine wärmedämmende Schicht, die auch die Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse erhöht. Zwar ist dieser Effekt auch in der europäischen Baukultur bekannt. Aber hier wurde das Verkohlen eher bei Holz im Erdkontakt angewandt, das gilt zum Beispiel in der Antike für Fundamentpfähle. Heute ist das Ankohlen etwa bei Reb- und Obstpfählen zur Härtung und als Schutz gegen Durchfeuchtung verbreitet.

Brandschwarz für die Feuerwehr?

Feuerwehrdepot in Rorschacherberg

Quelle: Roger Frei, Zürich

Das Feuerwehrdepot in Rorschacherberg (illiz architektur GmbH, Zürich)

In der Schweiz gibt es noch nicht sehr viele grössere, geflämmte Bauten. Ein sehenswertes Anwendungsbeispiel findet sich in Rorschacherberg. Die sanktgallische Gemeinde verfügt seit 2019 dank dem aufwendigen Umbau einer Zivilschutzanlage über ein zeitgemässes Feuerwehrdepot aus dere Feder der illiz architektur GmbH aus Zürich: Der Baukörper wirkt wie aus dem Hang geschält und fällt durch sein terrassiertes Volumen auf. Die bestehende Dachsituation wurde durch weitere auskragende Vordächer ergänzt. Das verstärkt den monolithischen Charakter des Gebäudes und seine Präsenz an der Strassenkreuzung.

Wesentlich zu seiner markanten Erscheinung trägt die Fassadengestaltung wesentlich bei, denn der Betonbau steckt in einem schwarzseiden schimmernden Kleid aus nach japanischem Vorbild geflämmter Douglasie.

Monolith in Flims

Wohnhaus  in Flims

Quelle: Lukas Murer, Fotoarbeiten, Zürich

Im Winter schafft das Schwarz dieses Wohnhauses in Flims (Architektur: Dominique Meier Architektur ETH SIA, Zürich) einen Kontrast zum Schnee.

Vor allem des ‹Gelben Hauses› wegen ist Flims Architekturinteressierten ein Begriff: Das archaisch anmutende, Ende der 90er Jahre eröffnete Museum mit seinen stark strukturierten Fassadenflächen von Valerio Olgiati zeigt sich in blendendem Weiss.  Die Zürcher Architektin Dominique Meier hat dazu mit einem Wohnhaus für eine fünfköpfige Familie einen Kontrapunkt gesetzt.

Im 2020 bezogen ragt es wie ein Rauchquarz aus dem Hang. Auf einem polygonalen Grundriss erhebt sich ein reiner Betonbau, der sich wie ein Kristall zur Spitze schliesst. Für die dunkle Farbe sorgt eine geflämmte Holzhülle. Drei grosse, flächige Einschnitte öffnen den Monolithen zur Landschaft. Das Schwarz sei eine Reverenz an die alten, sonnenverbrannten Holzbauten in der Gegend, erklärt Dominique Meier. Die Bauherrschaft habe sich überdies ausdrücklich eine Fassade gewünscht, die sich farblich nicht mehr verändert. So hat die Architektin eine geflämmte Ausführung vorgeschlagen, die sie selber in Japan gesehen hat. Der Bauherrschaft, so Meier, gefalle das Haus innen wie aussen sehr, und auch aus dem Dorf gebe es nur Komplimente für seine Erscheinung.

Schwarze Schweizer Weisstanne

Verwendet wurde beim Wohnhaus in Flims Schweizer Weisstanne. Die in der Sonne silbern schimmernde Oberfläche der ‹Econoir›-Schalung – sie ist mit einem Öl nachbehandelt – zeigt ein starkes Relief. Hergestellt wird ‹Econoir› in verschiedenen Ausführungen von Corbat im jurassischen Glovelier. Die Produktion erfolgt in einem halbindustriellen Prozess, der mittels eigener Forschung entwickelt und zur Reife gebracht wordem ist. Zur schwarzen Holzfassade führen verschiedene Wege. Eine dunkle Farbe erzeugen zum Beispiel auch Schlammfarben mit gebranntem Eisenoxid. Was am besten passt, hängt jedoch nicht nur von der gewünschten Ästhetik, sondern vor allem auch von den Anforderungen an die Aussenhaut eines Hauses ab.  (Autor: Michael Meuter, Verantwortlicher Information von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz)

Weitere Informationen zum Thema

Die technische Beratung der Lignum orientiert über die sachgerechte Konstruktion von Holzfassaden, über Ausführungsarten, Gütezeichen, Systeme, Produkte und deren Eigenschaften. Zwei handliche Broschüren zeigen die ganze Bandbreite heutiger Lösungen für Holzfassaden. Sie können unter lignum.ch im Shop direkt als PDF kostenlos heruntergeladen werden, ebenso zwei kostenlose Merkblätter, die das Wichtigste zur Konstruktion sowie zur Oberfläche von Fassadenschalungen zusammenfassen.

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