10:11 BAUPRAXIS

Dank Wetterbericht Energie und Heizkosten sparen

Teaserbild-Quelle: Martin Vogel

In der Regelung technischer Geräte liegt ein grosses Energiesparpotenzial. Wie mit dem Wetterbericht beim Heizen Energie gespart werden kann, zeigt ein Projekt der Hochschule Luzern.

Im Solar-Decathlon-Haus der HSLU wurde die vorausschauende Regelung einer Gebäudeheizung getestet

Quelle: Martin Vogel

Im Solar-Decathlon-Haus wurde die vorausschauende Regelung einer Gebäudeheizung getestet.

"Jeder, der sich schon in Räumen mit einer Bodenheizung aufgehalten hat, kennt das Problem. Der Himmel klart auf, die Sonne scheint durch das Fenster, doch die Bodenheizung reagiert nur träge und heizt munter weiter. Der Raum wird unangenehm warm, man reisst die Fenster auf. Hier liegt doppeltes Verbesserungspotenzial: Beim Energieverbrauch der Heizung und beim Komfort für die Bewohnerinnen und Bewohner", sagt der Elektroingenieur Stefan Ineichen vom Institut Elektrotechnik des Departements Technik und Architektur an der Hochschule Luzern.

Seine Lösung heisst: Vorausschauende Regelung anhand der Wetterprognose. Denn diese Regelung erkennt das bevorstehende Problem und drosselt die Bodenheizung vorzeitig, um eine Überhitzung zu vermeiden und Heizenergie zu sparen, wir die Hochschule Luzern mitteilt.

Vortritt für erneuerbare Energie

Ausprobiert hat das Team des Kompetenzzentrums Electronics die vorausschauende Regelung im Solarhaus auf dem Campus des Departements Technik und Architektur der Hochschule Luzern. Das Solarhaus wurde für den internationalen Solar-Decathlon-Wettbewerb im Jahr 2014 von Studierenden entworfen und gebaut. Ein Heizungsspeicher versorgt es mit Wärme. Dieser wird aus unterschiedlichen Quellen gespeist.

Ziel ist es, den Energiebedarf so weit als möglich durch Solarenergie abzudecken, die über eine thermische Solaranlage gewonnen wird. Wurde der Speicher aber bereits geladen, zum Beispiel über eine Wärmepumpe, verringert sich der Anteil, der durch die Sonne gedeckt werden kann.

Die Herausforderung besteht darin, einerseits nicht unnötig mit der Wärmepumpe Wärme auf Vorrat zu produzieren und andererseits doch sicherzustellen, dass immer genügend Heizenergie zur Verfügung steht. Hier hilft der Wetterbericht: Das Kompetenzzentrum Electronics des Instituts Elektrotechnik entwickelte für das Solarhaus eine vorausschauende Regelung der gesamten Gebäudeheizung.

Dabei ermittelt die Regelung mit Hilfe der Wetterprognose laufend den erwarteten Heizbedarf und sorgt dafür, dass dieser durchgehend gedeckt werden kann. Die Erwärmung der Räume durch Sonneneinstrahlung wird ebenfalls berücksichtigt und führt zu einem geringeren Heizbedarf. Mit der Wärmepumpe wird der Speicher nicht mehr als nötig befüllt, um möglichst viel Solarenergie zu nützen.

Blick in die Zukunft

Ein dreimonatiger Testbetrieb im Winter 2016/2017 zeigte, dass die vorausschauende Regelung wie erwartet die Energieeffizienz der Gebäudeheizung verbessert und die Bewohner dabei nicht frieren müssen. In Simulationen konnte die Nutzung der erneuerbaren Energie um bis zu 20 Prozent gesteigert werden.

"Um dies zu erreichen, wagt der Regelungsalgorithmus mit einem Computermodell der Gebäudeheizung kontinuierlich einen Blick in die Zukunft" sagt Stefan Ineichen. "Der Wärmebedarf und das Potenzial an erneuerbarer Energie lassen sich mit der Wetterprognose abschätzen. Mit Simulationen ermittelt die Regelung automatisch, wann die Wärmepumpe eingeschaltet werden muss, um allfällige Versorgungslücken zu füllen." Das eingesetzte Verfahren nennt sich modellprädiktive Regelung und kommt in anderen Industriebranchen, zum Beispiel bei Kraftwerken, bereits seit mehreren Jahrzehnten zur Anwendung.

Vielseitig einsetzbar

Modellprädiktive Regelung bietet Möglichkeiten, die mit klassischen Regelungsalgorithmen nur eingeschränkt umsetzbar sind. So können mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt werden. Zum Beispiel kann die Regelung den Komfort für die Bewohner steigern. Gleichzeitig sorgt sie auch dafür, dass die Heizkosten möglichst niedrig sind, indem das Laden des Heizspeichers mittels Wärmepumpe auf Zeiten mit niedrigerem Strompreis hinausgezögert wird.

Über die Gebäudeheizung hinaus ist diese Regelung vielseitig einsetzbar. Man könnte damit auch den Verbrauch von Strom aus der eigenen Solaranlage erhöhen, um die Stromkosten zu senken und das Netz zu entlasten. In einem Fernwärmenetz liessen sich Konsum und Produktion anhand der Wetterprognose abgleichen. Die Technologie bietet ein hohes Potenzial, wenn grosse Speicher oder träge Systeme vorhanden sind.

"Für eine möglichst hohe Energieeffizienz sollten energiesparende Geräte also mit einer intelligenten Regelung betrieben werden", schreibt die Hochschule Luzern. Dafür muss vorgängig ein Computermodell erstellt werden. Da dies aufwendig und damit auch kostspielig ist, lohnt sich dieser Aufwand im Moment vor allem für grössere Anlagen mit hohem Energieverbrauch. Auch für Geräte, die in Massenproduktion hergestellt werden, würde sich der Entwicklungsaufwand bereits auszahlen. Die Hochschule Luzern arbeitet zurzeit daran, die Erstellung des Computermodells zu beschleunigen und damit kostengünstig zu machen. (mgt)

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