08:25 BAUPRAXIS

Berner Denkmalpflegepreis für Sanierung eines früheren Gasthofes in Worb

Teaserbild-Quelle: Roland Juker

Jürg Stettler erhält für die Restaurierung und Sanierung des früheren Gasthofs Kreuz in Worb den Denkmalpflegepreis des Kantons Bern. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit spezialisierten Handwerkern, einem Bauphysiker und der Denkmalpflege.

Gasthof Kreuz in Worb

Quelle: Roland Juker

Mit dem ehemaligen Gasthof Kreuz besteht ein wichtiges Element des Ortsbildes und der Dorfgeschichte von Worb weiter.

Der geschichtsträchtige Gasthof Kreuz sei lange Zeit ein Fixpunkt im Worber Dorfkern gewesen, wie die Berner Bildungs- und Kulturdirektion am Dienstag mitteilte. Ursprünglich ein bäuerlicher Wohnstock, verfügte das Gebäude seit 1879 über eine Gastwirtschaft. Im Anbau aus dem späten 19. Jahrhundert befanden sich Wohnungen und ein Saal, der das Worber Vereinsleben stark prägte. Im Jahr 2012 schloss das «Kreuz» dann seine Türen.

Lange Zeit blieb offen, ob sich ein Käufer finden würde. Die Erhaltung des Baudenkmals schien infrage gestellt. Doch 2019 wurde der Architekt Jürg Stettler auf das Gebäude aufmerksam und erkannte dessen Potenzial: hohe Räume und eine zentrale Lage. Mit dem Ziel, das Haus zu restaurieren und zu sanieren und die Einheiten im Stockwerkeigentum zu veräussern, entschied er sich zum Kauf. Die vorhandenen Strukturen und die Ausstattung wollte er wo immer möglich erhalten.

Zusammenarbeit mit Denkmalpflege

Bereits vor dem Kauf habe sich Stettler an die Denkmalpflege gewandt. Daraufhin wurde das Gebäude gemeinsam analysiert und der Spielraum für Eingriffe abgesteckt. Anschliessend nahm Stettler sich Zeit, den Umbau zu planen und Leute zu suchen, die sich für ein Baudenkmal begeistern liessen. Seine Idee überzeugte: Es fanden sich problemlos Käufer für die Wohnungen.

Das Umbauprojekt entstand in enger Zusammenarbeit mit spezialisierten Handwerkern, einem Bauphysiker, der Denkmalpflege, der Gemeinde und den Fachbehörden. Das Bestehende wurde repariert und wo nötig aufgerüstet, alles Neue nach neuestem Standard ausgeführt. Massnahmen für Wärmedämmung, Brandschutz und Schallschutz sind auf das Baudenkmal zugeschnitten.

«Kreuz»-Geist bleibt erhalten

Für das Projekt erhält der Architekt nun den Berner Denkmalpflegepreis. Mit dem «Kreuz» bestehe ein wichtiges Element des Ortsbildes und der Dorfgeschichte von Worb weiter, so die Direktion. Jürg Stettler habe bewiesen, dass ein Investor mit entsprechendem Planungswillen ein Baudenkmal gewinnbringend in die Gegenwart holen und zugleich in seiner Substanz erhalten könne.

Darüber hinaus sei der Umbau des ehemaligen Gasthofs auch ein schönes Beispiel für Verdichtung im historischen Baubestand, heisst es im Communiqué weiter. Mit der Gaststube und dem Saal bleibe ein Stück des alten «Kreuz»-Geists bewahrt. Die Türen des Ateliers im Saal werden ausserdem in Zukunft regelmässig fürs Publikum aufgehen. (mgt/pb)

Anbau Gasthof Kreuz in Worb

Quelle: Roland Juker

Der Anbau des ehemaligen Gasthofs Kreuz blieb trotz seines schlechten Zustands erhalten. Das Dach wurde einschliesslich der dekorativen Details ersetzt.


Neuer Steg im Bonstettenpark

Quelle: Hans Mischler

Inspiriert von Projekten von 1930 entstand in Verlängerung der nördlichen Allee im Bonstettenpark ein neuer Steg.

Spezialpreis 2024: grüne Oase am Seeufer

Neben dem Denkmalpflegepreis wird auch jeweils ein Spezialpreis der Fachkommission für Denkmalpflege vergeben. Dieses Jahr geht die Auszeichnung an das Amt für Stadtliegenschaften Thun für die Weiterentwicklung des Bonstettenparks.

Der Spezialpreis der Fachkommission für Denkmalpflege legt das Augenmerk generell auf die beispielhafte Restaurierung eines bedeutsamen Baudenkmals. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an das Amt für Stadtliegenschaften Thun für die behutsame Weiterentwicklung des Bonstettenparks.

Das beliebte Naherholungsgebiet, benannt nach der letzten Besitzerfamilie, gehört gemäss Mitteilung zur Campagne Bellerive. Die Anlage mit imposanten Alleen und einem auf Eiger, Mönch und Jungfrau ausgerichteten Kanal vereine historische Gestaltungsentwürfe aus dem 18. und dem 20. Jahrhundert.

Masterplan mit Massnahmenbündel

Seit 1960 ist der Bonstettenpark öffentlich zugänglich. Unterschiedliche Nutzungsansprüche liessen den Ort in den folgenden Jahrzehnten zu einem Sammelsurium von Bedürfnissen und Möglichkeiten werden. Das Bestreben, die Anlage zu sanieren und aufzuwerten, mündete in einem städtischen Masterplan. Dessen Kernstück bildete ein umfassendes Bündel an Massnahmen.

So wurde etwa der Kanal vom Schilf befreit und auf seine ursprüngliche Tiefe ausgehoben. Inspiriert von Projekten von 1930 wurde dieser ausserdem um ein Abschlussbecken mit Treppenanlage und im Mündungsbereich um einen einfachen Steg in den See erweitert. Spiel- und Parkplatz verlegte das Amt für Stadtliegenschaften auf die Nordseite des Parks.

Nutzungsansprüche entflochten

Das Engagement aller Beteiligten habe es möglich gemacht, die unterschiedlichen Nutzungsansprüche zu entflechten. Die historische Struktur der Anlage sei dabei gewahrt geblieben und entfalte eine neue Wirkung. Die Ausarbeitung des Masterplans inklusive Betriebs- und Pflegeplan erfolgte unter der Leitung eines erfahrenen Landschaftsarchitekten.

Der Weiterbetrieb des am Park angegliederten Bauernhofs sei dabei ebenso zentral wie die Nutzung der Campagne durch die Musikschule. «Diese Nutzungsentscheide zeugen von einer durchdachten Strategie der Stadt Thun, sie tragen zur vielfältigen Belebung des beliebten Naherholungsgebietes bei», so die Direktion. Dafür erhält das Amt für Stadtliegenschaften nun den Spezialpreis. (mgt/pb)

Kanal Bonstettenpark

Quelle: Hans Mischler

Der Kanal im Bonstettenpark schafft die optische Verbindung zwischen der Campagne Bellerive und dem Thunersee.

Bonstettenpark Uferzone

Quelle: Hans Mischler

Badestrände, Liegewiese und Spielplatz der Freizeitzone befinden sich konzentriert auf der Nordseite des Bonstettenparks.

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