15:03 BAUPRAXIS

Archäologie: Ein Stück römische Strasse in Seengen AG entdeckt

Teaserbild-Quelle: CC BY-SA 3.0, / Wikimedia.org

Wo im aargauischen Seengen eine Überbauung mit acht Mehrfamilienhäusern geplant ist, verlief vor rund 2000 Jahren eine römische Strasse. Ein Teilstück ist bei Grabungen auf dem Bauareal im Vorfeld des Projekts von der Kantonsarchäologie zu Tage gefördert worden.

Der an der Hinterdorfstrasse entdeckte Abschnitt gehörte zu einer wichtigen Überlandstrasse, die in der Römerzeit das Mittelland erschloss, wie die Kantonsarchäologie mitteilt.

Aufgrund älterer Untersuchungen in den Nachbarparzellen rechneten die Archäologen zunächst mit Funden aus der Bronze- und der Mittelsteinzeit. Doch dann stiess das Grabungsteam der lediglich 30 Zentimeter unter dem Humus auf ein grosses Kiespaket. Dieses ist rund 7 Meter breit und 40 Zentimeter dick. Innerhalb dieses Kieskoffers befanden sich römische Dachziegel; sie belegen, dass es sich um eine römische Strasse handelt. Laut Kantonsarchäologie dürfte es „die römische Seetalstrasse“ sein.

Die Strasse ist in römischer Zeit einmal erneuert worden, was sich aus den zwei unterschiedlichen Kieskofferungen ablesen lässt: Wie bei römischen Strassen üblich befand sich talseitig der Strasse ein ein etwa ein Meter breiter und zirka 80 Zentimeter tiefer Graben. Aus den Kalkablagerungen im Graben lässt sich schliessen, dass darin über längere Zeit Wasser stand. Seine vergleichsweise grosszügige Dimension macht laut dem Forschungsteam in Anbetracht der grossen Mengen an Hangwasser und mehrerer Bäche in der Umgebung Sinn.

Von Seengen nach Rom?


Römisches Relief

Quelle: CC BY-SA 3.0, / Wikimedia.org

Römische Soldaten fällen Bäume für den Bau einer Strasse. (Detail der Trajanssäule).

Die Strasse war ein wichtiger Verkehrsweg für die römischen Gutshöfe, die in regelmässigen Abständen in Strassennähe lagen. Sie diente dem Transport von Waren und Post aber auch dem Militär. Obwohl im römischen Strassenabschnitt in Seengen keine Funde geborgen worden sind, die eine präzise Datierung ermöglichen, geht man bei der Kantonsarchäologie davon aus, dass die Strasse schon zur Bauzeit der römischen Gutshöfe im 1. Jahrhundert nach Christus bestand.

Ein weiteres Teilstück der römischen Strasse ist aus Egliswil, nördlich von Seengen, bekannt. Beide Abschnitte waren Teil einer Überlandstrasse, die vom römischen Lenzburg nach Seengen führte. Man nimmt an, dass sie von hier weiter ins Zugerland verlief, und danach in Richtung Bündner Pässe. Die Passübergänge führten schliesslich ins südalpine Strassensystem, das schlussendlich bis nach Rom reichte. (mai/mgt)

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